Eine Schreibwerkstatt - ohne Hindernisse durchführbar?

Wintersemester 2012/13

Dr. Patrick Voßkamp

Vorwort

Wie gebe ich SchülerInnen Rückmeldungen zu deren Texten, wie können Methoden der (kollaborativen) Textproduktion und -überarbeitung aussehen und wann ist ein Text "gut"? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt der Schulpraktischen Studien (SPS), die vom Wintersemester 2011/12 bis 2012/13 in Kooperation mit der Europaschule Krupp-Gymnasium in Duisburg-Rheinhausen durchgeführt werden.

Dem Schwerpunktthema der Veranstaltung "Schreibdidaktik/Schreibförderung in der Sekundarstufe I" widmeten sich die Studierenden dabei sowohl theoretisch als auch praktisch: In virtuellen Schreibkonferenzen - dabei begleiteten Studierende die Textproduktion von SchülerInnen per E-Mail-Korrespondenz - und realen Schreibkonferenzen (vgl. etwa Becker-Mrotzek 2000) vor Ort in der Schule entstanden Berichte aus dem Schulalltag, die anschließend auf der Schulhomepage veröffentlicht wurden. So schrieben die SchülerInnen, die für die Teilnahme an der "Homepage-AG" einen Nachweis auf ihrem Zeugnis erhielten, unter anderem über den Umbau der Cafeteria, eine Exkursion zur Sternwarte oder über die unterschiedlichen AGs, die am Krupp-Gymnasium angeboten wurden.

Ziel der Kooperation war zum einen, dass bei den SchülerInnen die Motivation zum Schreiben von Texten durch die persönlichen Kontakte zu den Studierenden wächst. So, wie es zum Beispiel Merz-Grötsch (2010, 110) formuliert: "Schreiben wird dadurch gelernt, dass Schüler bei ihren Textproduktionen ermutigt und konstruktiv unterstützt werden, indem sie sinnvolle und nützliche Rückmeldungen über ihre Texte erhalten; eine persönliche, förderliche Rückmeldung über das, was bereits gelungen ist, aber auch, was noch gelernt und bearbeitet werden muss."

Zum anderen sollten die Studierenden u.a. lernen, wie sie eine angemessene Schreibberatung geben können, indem sie ihren SchülerInnen Tipps zum Verfassen von Texten geben, auf Fehler aufmerksam machen und Verbesserungsvorschläge formulieren (vgl. Fix 2008). 

Darüber hinaus lernten alle an dem Projekt Beteiligten, dass nicht alles, was in der Theorie gut klingt, in der Praxis gut gelingt. Insbesondere die virtuelle Schreibberatung stellte Schüler wie Studierende vor verschiedene Herausforderungen. Diese reichten bei den Schülern vom von den Eltern verhängten Computerverbot über vergessene Passwörter bis hin zu fehlender Software (ohne die Kommentarfunktion bei Word nutzen zu können, gestaltet sich die virtuelle Schreibberatung äußerst schwierig) oder überfüllten Postfächern. Dies war ein Grund dafür, dass die Studierenden schließlich regelmäßige Schreibberatungen an der Schule anboten - ein ebenfalls nicht unkompliziertes Unterfangen, wenn man einen Blick auf die Stundenpläne von SchülerInnen und Studierenden wirft. Hier gemeinsame Freiräume im Semester und während der Schulzeit zu finden, das war nicht immer einfach (das zeitliche Problem zeigte sich auch bei dem Versuch, Feiertage, Schul- und Sportfeste sowie Schul- und Semesterferien unter einen Hut zu bringen). Dennoch wurde deutlich, dass gerade der direkte und unmittelbare Kontakt zwischen Schreiber und Berater unschätzbare Vorteile mit sich bringt. So empfanden es alle Beteiligten als gewinnbringend, über Textqualität zu sprechen - anstatt ausschließlich schriftlich darüber zu kommunizieren.  

Im Kontext der hier skizzierten Kooperation zwischen Schule und Universität entstand der Wunsch, dass Studierende auch im Rahmen der Projektwoche am Krupp-Gymnasium eine Schreibwerkstatt anbieten. Wie diese theoretisch konzipiert wurde und welche ganz praktischen Probleme auftraten, davon berichten im Folgenden die TeilnehmerInnen an den Schulpraktischen Studien im Wintersemester 2012/13: Marc Breburda, Marc Ferfers, Isabelle Gronimus, Friderike Hunder, Robert Nowak, Jana Reisch und Sarah Wilms.

 

1. Planungsphase der Schreibwerkstatt

Im Rahmen des Seminars „Schulpraktische Studien“, das im Wintersemester 2012/13 in Zusammenarbeit mit dem Krupp-Gymnasium in Duisburg Rheinhausen stattgefunden hat, haben wir – eine Gruppe bestehend aus sieben LehramtssstudentInnen – uns unter anderem damit beschäftigt, eine Schreibwerkstatt für die Projektwoche des Krupp-Gymnasiums zu entwerfen, die über drei Tage hinweg den SchülerInnen die Möglichkeit geben sollte, kreativ tätig zu werden

Wir wissen, dass es zum Thema Schreibwerkstätten zahlreiche Aufsätze und Ausführungen gibt. Dennoch haben wir uns dazu entschlossen, einen Artikel über das von uns entworfene Projekt zu verfassen. Wir wollen damit nicht nur eine mögliche und generelle Anleitung zu einer geplanten Schreibwerkstatt liefern, sondern gleichzeitig eine didaktische Begründung zu den von uns gewählten Methoden geben und über Probleme und Chancen im Bezug auf Schreibwerkstätten, insbesondere auch auf die Kooperation mit Schulen, reflektieren. 

Für die Planungsphase haben wir uns auf Ingrid Böttcher, Valentin Merkelbach, Gerd Bräuer und die Zeitschrift „Praxis Deutsch“ (vgl. Quellenverzeichnis) gestützt, um so einen angemessenen und vielfältigen Einsatz von Methoden zu erzielen, der die SchülerInnen in ihrem Schreibprozess unterstützt und anleitet. Die Texte dienen zu einem als Überblick in Bezug auf den Schreibprozess, zur Themenfindung und zur Motivation der SchülerInnen und bilden zum anderen den Hintergrund für den gewählten Methodeneinsatz.

Da wir im Voraus nur wenig Informationen hatten und weder über das Alter noch die Anzahl der SchülerInnen informiert wurden, waren wir an manchen Stellen gezwungen, die Planung relativ oberflächlich zu halten, um möglichst alle Altersgruppen ansprechen zu können. Deshalb kann der folgende Entwurf unserer Schreibwerkstatt auf verschiedene Schreiber angewendet werden.

Das, was diese Schreibwerkstatt vor allem für die SchülerInnen interessant macht, ist die Tatsache, dass sie nicht von einem Lehrer, sondern von StudentInnen geleitet wird. Eine solche Kooperation mit Außenstehenden ist für die SchülerInnen etwas völlig anderes, schon alleine deshalb, weil so die Rollenverteilung und das damit verbundene, starke Machtgefälle nicht so stark ausgeprägt sind.

 

2. Das Thema der Schreibwerkstatt

Das von der Schule gewünschte Thema war hierbei der Stadtteil, in dem die Schule liegt, sodass unsere Schreibwerkstatt den Namen „Rheinhausen von innen und außen – eine Schreibwerkstatt“ erhielt. Ausgedrückt werden soll mit diesem Titel nicht nur, dass es sich um ein kreatives Schreibprojekt handelt, sondern auch und vor allem, dass es für die SchülerInnen einen ganz konkreten und unmittelbaren Bezug zu ihrer direkten Umgebung bietet und somit die Möglichkeit besteht, völlig frei zu schreiben und die eigene Umwelt so aus einer anderen Perspektive zu sehen. „Rheinhausen von innen und außen“ ist eine handlungs- und produktionsorientierte Schreibwerkstatt, was bedeutet, dass Schüler eigenständig literarische Texte produzieren und vorstellen oder sogar aufführen. Zudem hätte im Nachhinein, so unsere theoretische Überlegung, eine Veröffentlichung der von den SchülerInnen produzierten Texte in Form eines gebundenen Heftes oder auf der Schulhomepage erfolgen sollen, um ihnen so einen weiteren Anreiz zum Schreiben zu liefern. Des Weiteren sollte am letzten Tag der Projektwoche eine Präsentation stattfinden, bei der Eltern, Lehrern und anderen SchülerInnen die Texte vorgestellt werden sollten.

 

3. Die Kennenlernsitzung

Ausgangspunkt für die gesamte Schreibwerkstatt ist eine 60-minütige Kennenlernsitzung, die vor den eigentlichen Terminen während der Projektwoche stattfindet. Es ist uns besonders wichtig, den SchülerInnen bereits im Voraus erstens eine Art groben Ablauf und Ausblick zu liefern und zweitens Motivationsarbeit zu leisten, um zu bewirken, dass sie während der eigentlichen Schreibwerkstatt gerne an ihren Texten schreiben. Selbstverständlich soll im Rahmen der Kennenlernsitzung ein erstes Kennenlernen zwischen StudentInnen und SchülerInnen stattfinden. Hierfür haben wir im Voraus eine Powerpointpräsentation mit den wichtigsten Eckdaten zusammengestellt, deren Inhalte im Folgenden erläutert werden. 

Unser Grundgerüst besteht aus einer Vierteilung der Präsentation: Punkt eins ist ein grober Programmplan, der den SchülerInnen eine Vorstellung vom Ablauf der Schreibwerkstatt verschaffen soll, Punkt zwei umfasst die eigentliche Vorstellung unseres Schreibprojektes, Punkt drei bildet eine Kennenlernrunde, an die sich Punkt vier, eine direkte Überleitung zu ersten Ideen und Schreibanstößen, anschließt.

Zunächst erfolgt eine Einteilung der Termine in verschiedene Arbeitsphasen, die sich an dem Schreibprozessmodell von Gerd Bräuer (2006) orientiert. 

Der erste Tag stellt hierbei einen Einstieg in die Schreibwerkstatt dar und soll vor allem dazu genutzt werden, um in einem ersten Anlauf Schreibhemmungen zu überbrücken und sich in einem zweiten Schritt um eine Themenfindung sowie erste Entwürfe zu bemühen. Tag zwei soll Zeit für die Ausarbeitung und Korrektur der am ersten Tag entstandenen Entwürfe bieten, während der letzte Tag der Präsentation dienen soll.

Der zweite Punkt ist die Darstellung des Projektes „Rheinhausen von innen und außen“ und der damit verbundenen Grundidee. Den SchülerInnen soll vermittelt werden, dass das Ziel der Schreibwerkstatt das Verfassen von kreativen Texten zu dem eigenen, direkten Lebensumfeld sein soll. Um das Interesse der SchülerInnen zu wecken, besteht die Powerpointpräsentation  in diesem Unterpunkt aus Bildern, die sofort Gedanken und Ideen hervorrufen und zu einer Art erster Impression werden sollten. Orientiert haben wir uns dabei an „Die Straße, in der ich wohne“ und „Schreiben zu Stimuli“ (), wobei beides sich dadurch auszeichnet, dass die Schreibenden zum selbstständigen und kreativen Schreiben animiert werden. Authentisches Schreiben zu ganz persönlichen und durchaus auch spontanen Ideen im Bezug auf die direkte Umgebung steht hier also im Mittelpunkt.

Um diesen doch sehr umfangreichen Themenblock für die SchülerInnen greifbarer zu machen, sollen diese sich mit der Frage nach dem „Wie?“ auseinandersetzen – wie finde ich Ideen, wie beginne ich, wie schreibe ich meinen Text? Hierfür stellen wir den SchülerInnen Anleitungen zum Anfertigen von verschiedenen Texten zur Verfügung und geben ihnen Hilfestellungen, die im Folgenden näher erläutert werden. 

Das Hauptziel unseres letzten Programmpunktes, der Kennenlernphase, ist es, eine gute Arbeitsatmosphäre zu schaffen, ein gegenseitiges Kennenlernen zu ermöglichen und die Kommunikation nicht nur zwischen StudentInnen und SchülerInnen, sondern auch zwischen den SchülerInnen untereinander zu fördern. Dazu verwenden wir ein kurzes und simples Spiel, bei dem sich die SchülerInnen in Kleingruppen zusammenfinden. Jede/r SchülerIn drei Aussagen über sich selbst trifft, von denen eine gelogen ist. Ziel für die anderen ist es, die Lüge zu entlarven. Der große Vorteil dieses Spiels ist seine gesprächsfördernde Wirkung und der geringe Zeitaufwand.

Der letzte Punkt der Kennenlernsitzung besteht aus einem gemeinsamen Brainstorming, bei dem an der Tafel Ideen und Eindrücke der SchülerInnen gesammelt werden. Diese Ideensammlung ist nicht nur ein wichtiger Aspekt für die SchülerInnen, die so ihre Gedanken in geordneter und schriftlicher Form sehen, sondern auch für uns, zumal wir die Feinplanung der eigentlichen Schreibwerkstatt darauf abstimmen wollten.

Abschließend ist ein grober Beobachtungsauftrag für die SchreiberInnen geplant. Mit der Aufgabenstellung „Haltet die Augen offen, macht Beobachtungen und sammelt erste Eindrücke“ sollen die SchülerInnen auf den Weg nach Hause geschickt werden, auf dem sie dann selbstständig nach allem Ausschau halten sollen, was ihnen an ihrem Stadtteil auffällt.

Die Kennenlernsitzung an sich stellt also eine direkte Vorbereitung für das eigentliche Schreiben während der Schreibwerkstatt dar und hat somit auch eine Brückenfunktion, um den mehrtägigen Zeitraum zwischen der Kennenlernsitzung und der Schreibwerkstatt sinnvoll zu nutzen. Außerdem soll er nicht nur grobe Ideen, sondern auch ein Gefühl für die Besonderheiten des eigenen Stadtteils liefern, die während der Schreibphase zu Texten verarbeitet werden können.

 

4. Die Schreibwerkstatt – theoretische Überlegungen zur Durchführung

Die Schreibwerkstatt soll mit der Aufstellung von Kommunikations- und Verhaltensregeln beginnen, die garantieren sollen, dass sich die Schreibenden akzeptiert fühlen und sich nicht mit unproduktiver Kritik zu ihren Texten befassen müssen. Hierfür sollen in Gruppen  Plakate hergestellt werden, die jeweils eine wichtige Regel enthalten. Hintergrund hierfür ist Valentin Merkelbachs „Kreatives Schreiben“ (1997). Er spricht von den „Spielregeln“ einer Schreibwerkstatt, die kreativitätsfördernde Verhaltensweisen begünstigen und somit den Schreibenden die Möglichkeit geben, ihre ganz eigenen Ideen und Gedanken zu Papier zu bringen. Die Akzeptanz der Regeln wird dadurch begünstigt, dass die SchülerInnen diese selbst entwickeln sowie niederschreiben und sich damit bereit erklären, Verantwortung in der Gruppe zu übernehmen.

Anschließend sollen Spiele erfolgen, die einerseits die Atmosphäre auflockern und andererseits spielerisch an das Schreiben heranführen. Ausgewählt haben wir dazu ein Quiz, bei dem die Schreibenden einen Ort in der direkten Umgebung der Schule mit drei Sätzen beschreiben sollen, die immer eindeutiger werden. In Kleingruppen sollen diese Sätze vorgetragen und der Ort von den anderen TeilnehmerInnen erraten werden.

Das zweite Spiel ist ein Partnerspiel: Hierbei hält ein Partner einen Stift in der Hand, während der andere ein Blatt Papier so darunter her schiebt, dass ein Wort entsteht, welches sich auf Rheinhausen bezieht. Die Gruppe, deren Wort als erstes gelesen werden kann, gewinnt. Somit werden durch den Wettbewerb Ehrgeiz und Teamfähigkeit gefördert. Gleichzeitig stellt das Spiel eine erste Annäherung an den Schreibprozess dar. Daran soll sich die erste Schreibphase anschließen, um zu gewährleisten, dass am Ende des ersten Tages bereits Schreibentwürfe vorliegen.

Die didaktische Grundlage für den Ablauf der Schreibprozesse ist das Diagramm von Bräuer (2006, S. 29). Dieser teilt den Schreibprozess in vier große Phasen ein. Phase eins umfasst  die Themenfindung, die Strukturierung und das Sammeln von Ideen. Der eigentliche Schreibprozess findet in Phase zwei statt. In dieser verfassen die SchülerInnen einen ersten Textentwurf. Ziel ist es, dass die Schreibenden idealerweise am ersten Tag die Phasen eins und zwei abgeschlossen haben.

tl_files/PDFs/Projekte/Schreibwerkstatt/Schreibwerkstatt.jpg

(Abb.1: Mein Schreibprozess - nach Bräuer; http://schreibzentrum.ph-freiburg.de/zisch/Mein%20Schreibprozess.pdf)

Am zweiten Tag der Schreibwerkstatt widmen die SchülerInnen sich den letzten beiden Phasen. Phase drei, die Phase der Textüberarbeitung, beinhaltet das Feedback von anderen SchreiberInnen und den BetreuerInnen sowie gegebenenfalls die Klärung textbezogener Fragen. In Phase vier finden weiterführende redaktionelle Arbeiten statt, in der die überarbeiteten Versionen nochmals überprüft werden. All das sollte in einem Dialog mit den anderen Schreibenden und den Betreuern stattfinden.

Im Endeffekt sollte so auch den SchülerInnen verdeutlicht werden, dass der Schreibprozess nicht nur aus dem einfachen „Runterschreiben“ eines Textes besteht, sondern dass auch Planung, Revidierung und abschließende Korrekturen wesentliche Bestandteile des Schreibprozesses sind, wie schon Hayes und Flower in ihrem Schreibprozessmodell (1980) verdeutlicht haben.

An Tag eins werden also die Phasen eins und zwei nach Bräuer (2006) absolviert, um dann am zweiten Tag die überarbeitenden Phasen drei und vier durchführen zu können. Der Vorteil bei dieser zeitlichen Planung ist, dass die SchülerInnen so die Möglichkeit haben, den Textentwurf über Nacht ruhen zu lassen und am zweiten Tag der Schreibwerkstatt mit neuen Ideen und einem gewissen Abstand zu der Schreibtätigkeit zurückkehren.

Selbstverständlich hängt ein solches Schreibprojekt von vielen Faktoren ab und bei einer genauen und detaillierten Planung kann es zu Problemen bei der Umsetzung kommen. Solche Aspekte müssen deshalb im Voraus in jedem Fall bedacht werden, um so Schwierigkeiten während der Schreibphase zu vermeiden.

Typisch ist hierfür das Beispiel der „Angst vor dem weißen Blatt“. Schreibenden fällt es häufig schwer, einen Anfang zu finden oder überhaupt mit dem Schreiben zu beginnen. Die Gründe dafür sind verschieden und reichen von einfachem Ideenmangel über Unsicherheiten bei der Wahl der Textsorte bis hin zu Umsetzungsschwierigkeiten. Um dieser Problematik vorzubeugen, ist es wichtig, eine geregelte Atmosphäre mit klaren Rahmenbedingungen zu schaffen (vgl. Roll 2011), sodass die Schreibenden eine einfache und vor allem nachvollziehbare Anleitung für ihren Schreibprozess haben.

Da man Schreibblockaden allerdings nie mit einer hundertprozentigen Wahrscheinlichkeit vorbeugen kann, haben wir im Voraus einige Methoden und Ideen zur Schreibmotivation gesammelt, um einer solchen Situation gewachsen zu sein.

Beispiele hierfür sind unter anderem das „Warmschreiben“ (vgl. Berning 2006), bei dem die SchülerInnen kurze Texte zu verwandten Themen verfassen oder aber das Schreiben von Elfchen. Angeboten hat sich hierbei für uns außerdem das Schreiben zu Bildimpressionen, z.B. Fotos und Bildern von Ortschaften, berühmten Persönlichkeiten oder historischen Film- bzw. Fotoaufnahmen aus Duisburg. Die Bilder stehen hierbei natürlich in Verbindung mit dem Stadtteil Rheinhausen, um die Schreibenden so direkt an das eigentliche Thema der Schreibwerkstatt heranzuführen. Weitere Möglichkeiten bestehen darin, den SchülerInnen Bildbände, Ausschnitte aus Fernsehserien (z.B. Tatort: „Schimanski“) oder Gegenstände (Hammer, Kohle, Stahlbarren etc.) bereitzustellen. Die TeilnehmerInnen der Schreibwerkstatt können entweder selbstständig auf Bildersuche im Internet gehen oder sich mit dem vorliegenden Material auseinandersetzen.

Neben Gedichten oder kurzen Texten, die man zu solchen Bildimpressionen verfassen kann, ist außerdem auch die Gedankenblase eine gute Idee, vor allem, wenn größere Schreibblockaden bestehen. Die Schreibenden bekommen dazu eine ausgedruckte Gedankenblase, die mit denen aus Comics vergleichbar ist, und mit allen möglichen Gedanken zu dem vorliegenden Bild gefüllt werden können – unabhängig von Formalia oder anderen Kriterien. Diese Methoden können nicht nur die Schreibangst überwinden, sondern auch bei Motivationsschwierigkeiten behilflich sein. Darüber hinaus dient die Ankündigung der Veröffentlichung der produzierten Texte als zusätzliche Motivationshilfe.

Wichtig ist uns zudem, dass wir auch auf Fragen zu Formalia, die sich zum Beispiel auf den genauen Aufbau von Textsorten beziehen können, vorbereitet sind. Zusätzliches Material, das in einem solchen Fall an die Schreibenden verteilt werden kann, soll in jedem Fall im Voraus zusammengetragen werden, um zu garantieren, dass man beim eigentlichen Schreibprozess nicht auf ungewollte Hindernisse stößt. Denkbar sind beispielsweise Anleitungen für das Verfassen von Gedichten oder der ein typischer Spannungsbogen einer Kurzgeschichte, um den SchülerInnen präsent zu machen, was die einzelnen Textsorten von ihnen verlangen.

 

5. Vor- und Nachteile einer Schreibwerkstatt

Abschließend lässt sich sagen, dass ein Projekt wie dieses, das in Kooperation mit einer Schule erfolgt, ein großes Potential hat. So bietet es auf der einen Seite den SchülerInnen die Möglichkeit, unabhängig von ihren LehrernInnen und unter Anleitung von schulfremden Personen kreativ zu schreiben, während auf der anderen Seite die Studierenden von dem direkten Umgang mit den SchülerInnen profitieren und daraus Lehren und Erfahrungen für die Unterrichtspraxis ziehen können.

Nichtsdestotrotz ist eine Schreibwerkstatt wie diese relativ fehleranfällig, weil sie auf die Verständigung zwischen zwei verschiedenen Parteien, der Schule und der Universität, angewiesen ist. Daraus können Abspracheprobleme entstehen, die die Umsetzung erschweren oder gar unmöglich machen.

Im Falle unseres Projektes wurde seitens der Schule versäumt, Werbung für die angebotene Schreibwerkstatt zu machen und diese als ein von Studenten geleitetes Projekt darzustellen, sodass für die SuS der eigentliche Inhalt im Voraus nicht ersichtlich war. Dies führte dazu, dass sich die SchülerInnen für eine zweite, von der Schule direkt angebotene, Schreibwerkstatt angemeldet haben und unser Projekt nicht zur Kenntnis genommen wurde. Es wäre also ganz klar von Vorteil gewesen, wenn man sich als Ausrichter einer solchen Schreibwerkstatt im Voraus eigenständig um die Werbung gekümmert hätte.

Obwohl die Zusammenarbeit von der Schule ausging, haben Kommunikationsprobleme dazu geführt, dass ein an sich interessantes und vielversprechendes Projekt leider nicht durchgeführt werden konnte.

Wir als Studierende haben trotzdem aus dieser Schreibwerkstatt und der Zusammenarbeit mit der Schule gelernt und nehmen diese Erfahrungen nun mit. Eine Kooperation zwischen Schulen und Universitäten ist in jedem Fall wünschenswert, wenn auch nicht einfach und so problemlos umsetzbar, wie das vielleicht auf den ersten Blick erscheint.

Außerdem haben wir durch die Vorbereitung und Planung dieser Schreibwerkstatt einen Einblick in die Schreibprozesse und die dazu veröffentlichten Fachtexte erhalten sowie eine ausführliche Mappe bezüglich der Schreibwerkstatt, die theoretisch mit einer leichten Abänderung auf alle denkbaren Altersgruppen und alle denkbaren Stadtteile bzw. Umgebungen anwendbar ist.

Auch wenn die eigentliche Schreibwerkstatt nicht zustande kam, hat uns schon alleine die Planung in unserem eigenen Lernprozess voran gebracht, sodass wir diese in jedem Fall mit anderen teilen wollen. Wir hoffen, dass dieser Artikel seine Funktion erfüllt und einen Einblick in unsere Arbeit an dem Projekt „Rheinhausen von innen und außen – eine Schreibwerkstatt“ geliefert hat, sodass die Chancen und Probleme einer Schreibwerkstatt und der grundsätzlichen Zusammenarbeit von Universitäten und Schulen deutlich wurden.

 

Literaturverzeichnis

Baurmann, Jürgen; Müller, Astrid (1998): Zum Schreiben motivieren – das Schreiben unterstützen; In: Praxis Deutsch (Heft 149); S. 16-22.

Becker-Mrotzek, Michael (2000): Schreibkonferenzen. Eine diskursive Form der Textbearbeitung. In: Grundschule. 12/2000, S. 49-53.

Berning, Johannes (2006): Warmschreiben und andere Elemente eines veränderten Schreibunterrichts. In: Schreiben im Kontext von Schule, Universität, Beruf und Lebensalltag. Reihe „Schreiben interdisziplinär“; Lit Verlag Münster, Berlin. S 275 – 290.

Böttcher, Ingrid (2006): Kreatives Schreiben. Zu den Methoden des kreativen Schreibens. Cornlesen Scriptor; Berlin.

Böttcher, Ingrid (2006): Kreatives Schreiben; Grundlagen kreativen Schreibens; Cornelsen Scriptor; Berlin.

Bräuer, Gerd (2007): „Die Straße, in der ich wohne“ – Projektunterstützung durch Schreibberatung. S. 56-57.

Bräuer, Gerd (2006): Plädoyer für einen anderen Umgang mit Texten; S. 20-25.

Bräuer, Gerd (2006): Schüler helfen Schüler – Schreibberatung in der Schule; Forum Schulstiftung; Schreibprozess-Modell; S. 29.

Fix, Martin (2008): Texte schreiben. Schreibprozesse im Deutschunterricht. 2. Auflage. Paderborn: Schöningh.

Gross, Monika (1998): Stadtimpressionen: ein Schreibprojekt; In: Praxis Deutsch (Heft 149); S. 58-61.

Merklbach, Valentin (Hrsg.) (1997): Kreatives Schreiben; Westermann Schulbuchverlag; Braunschweig.

Merz-Grötsch, Jasmin (2010): Texte schreiben lernen: Grundlagen, Methoden, Unterrichtsvorschläge. Seelze: Klett Kallmeyer. 

Roll, Heike (2011): Schülerschreibbegleitung zur Unterstützung der Schreibmotivation bei Schüler(innen) mit Deutsch als Zweitsprache. In: Grenzen überwinden mit Deutsch. Materialien Deutsch als Fremdsprache. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen; S. 129-142.