PortaLingua-Tagung 2002

Cölfen, Elisabeth; Fiedler, Manuel (2002)

 Die zweite PortaLingua-Projekttagung fand vom 03. bis zum 04. Mai im Casino des Gästehauses der Universität Essen statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung stellten die Vertreter aller Teilprojekte ihre Arbeit und die bisherigen Ergebnisse vor. Anschließend wurde über mögliche Verbesserungen der Zusammenarbeit und die effektivere Nutzung des PortaLingua-Portals diskutiert. Darüber hinaus wurden auch Lösungsmöglichkeiten für technische Probleme diskutiert, die sich im Laufe des ersten Projektjahres gezeigt hatten.

Präsentationen

In etwa 20-minütigen Präsentationen erhielten Vertreter aller Teilprojekte die Möglichkeit, die erstellten Lernsoftware-Module zu präsentieren, deren Entstehung zu erläutern, sowie gegebenenfalls auf Schwierigkeiten hinzuweisen. Fragen und Anmerkungen der anderen Projektpartner wurden jeweils im Anschluss an die Präsentationen diskutiert.

 KITT (Essen)

Dr. Thomas Bliesener stellte mit dem Teilprojekt "Kleingruppenlernen in tutorengestützten Telekonferenzen (KITT)" eine von H. Walter Schmitz geleitete technische Machbarkeitsstudie vor. Anders als in den anderen Teilprojekten geht es hier nicht um die Erstellung eines Produktes, sondern um die Frage, was in Bezug auf Telekonferenzen technisch machbar ist. Dabei arbeitet die Projektgruppe mit bereits vorhandener Soft- und Hardware und versucht, mögliche technische Probleme aufzufinden, zu analysieren und zu lösen. Das Verfahren wurde unter Einsatz zweier Laptops – jeweils ausgestattet mit Funk-Netzwerkverbindungen, einer Webcam und der entsprechenden Software – vorgeführt. Gezeigt wurden die Möglichkeiten der Telekonferenz: Die Teilnehmer können sich gegenseitig sehen, so dass Gestik, Mimik etc. wahrgenommen werden können. Über ein Headset mit Kopfhörern und Mikrophon können außerdem die Audio-Daten des Gesprächs übertragen werden. Alternativ ist dies auch über eine Telefonkonferenz möglich. Die verwendete Software NetMeeting™ bietet zudem noch eine Chatfunktion, ein Whiteboard sowie die Möglichkeit, die Kontrolle über den PC des Gesprächspartners zu übernehmen. Auf diese Weise ist das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten möglich. Ziel des Projektes ist es, die technische Qualität und Zuverlässigkeit des Verfahrens zu erhöhen und die Bedingungen für effektive Telekonferenzen zu dokumentieren. Bliesener berichtete außerdem über eine Reihe technischer Schwierigkeiten, deren Lösung im weiteren Verlauf des Projektes erreicht werden soll. Im letzten Schritt soll eine Anleitung für die Durchführung von erfolgreichen Telekonferenzen erstellt und veröffentlicht werden. Dazu gehören dann auch Angaben über die erforderliche technische Ausstattung.

 LINSE, L;nkolon, PortaLingua-Portal (Essen)

Das Projektteam unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich Schmitz stellte das Teilprojekt "Linse und L;nkolon, PortaLingua-Portal" vor. Zu den Arbeiten innerhalb des ersten Jahres zählte die Umstellung der Linse-Linklisten auf eine neue Datenbank mit Hilfe des Programms "InLink"™. Die bestehende Link-Sammlung wurde geprüft, erweitert und unter InLink wesentlich übersichtlicher als zuvor eingestellt. Bei der Präsentation der neuen Lösung konnten die neuen Funktionen vorgestellt werden, zu deren wichtigsten Features eine datenbankinterne Suchmaschine sowie eine automatische Linkprüfung gehören. Das Projektteam verspricht sich von dieser Umstellung eine deutliche Verbesserung der Funktionalität. Des Weiteren eröffnet InLink den Nutzern die Möglichkeit, die Sammlung mit eigenen Linkvorschlägen zu ergänzen, und bestehende Links zu kommentieren. Elisabeth Cölfen lud die Beteiligten der übrigen Teilprojekte dazu ein, diese Möglichkeit zu nutzen und eigene Inhalte in InLink einzubringen.

Im Bereich der Lernmodule wurde, parallel zu den Arbeiten an der Linse, das Lernsoftware-Modul "Semantik" fertig gestellt und ebenfalls präsentiert. Elisabeth Cölfen betonte, dass es dem Team besonders wichtig gewesen ist, mit Blick auf gute Verständlichkeit kurze und prägnante Texte zu schreiben und diese mit veranschaulichenden Animationen so zu ergänzen, dass sich Text, Bild und Animation sinnvoll auf einander beziehen. Erstellt würden die Seiten nun in HTML und unter Verwendung von Flash-Movies, nachdem die im Laufe des ersten Projektjahres getestete Lernplattform nicht die erhoffte Leistungsfähigkeit und Flexibilität gezeigt hatte. Getestet wurde die Plattform "ILIAS", die sich aus Sicht des Projektteams als nicht variabel und leistungsfähig genug erwiesen hatte. Elisabeth Cölfen betonte, dass die Software zwar eine bessere Zusammenarbeit innerhalb des Teams ermöglichte, dass die vielen Nachteile und Einschränkungen jedoch in keinem Verhältnis dazu standen. Aus diesem Grund entschied sich die Projektgruppe für eine arbeitsteilige Umsetzung mit HTML und Flash-Modulen. Auf diese Weise stehen mehr Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung, außerdem besteht die Möglichkeit, die einzelnen Elemente von verschiedenen Mitarbeitern erstellen zu lassen und nach Abschluss aller Korrekturen zusammenzufügen.

Abschließend wurde innerhalb einer kurzen Präsentation des PortaLingua-Portals darauf hingewiesen, dass alle Projektbeteiligten in das projektinterne Diskussionsforum eingetragen wurden, um eine bessere Kommunikation zwischen den Teilprojekten zu ermöglichen. Ralf Pörings wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die eingestellten Mitteilungen automatisch an alle Beteiligten gesendet würden. Er rief die Anwesenden dazu auf, das Diskussionsforum in Zukunft mehr als bisher zu nutzen.

Arbeitsbereich Karl-Dieter Bünting (Essen)

Prof. Dr. Karl-Dieter Bünting stellte anhand einer PowerPoint-Präsentation seine Lehrmaterialien vor, die begleitend zu den Lehrveranstaltungen eingesetzt werden sollen. Zur Vorlesung "Die deutsche Sprache: Grammatik und Sprachvarietäten" liegen sieben Audio-CDs vor, die in Auszügen an entsprechenden Stellen mit den PowerPoint-Folien verknüpft werden sollen. Die Nutzer können sich dann die regional unterschiedliche Aussprache bestimmter Beispieltexte anhören. Außerdem liegt eine Einführung in die Linguistik als Video vor, aus der ebenfalls geeignete Ausschnitte eingebunden werden sollen. Das Ziel ist dabei die Nutzung mehrerer Medientypen, um den Einstieg in die Linguistik anschaulicher und verständlicher zu gestalten. Der fertige Hypertext soll in Lehrveranstaltungen eingesetzt und im Internet bereit gestellt werden, um so den Studierenden den ständigen Zugriff auf die Anwendung zu ermöglichen.

Neben der Erstellung der Lehrmaterialien soll der "Schreibtutor" bis zum Ende des Jahres fertig gestellt sein. Ähnlich wie der bereits vorhandene "Schreibtrainer" soll dieses Programm zum Erlernen und Verbessern der Schreibfertigkeiten beitragen. Der "Schreibtutor" behandelt dabei das fachbezogene Schreiben, d.h. er vermittelt die Besonderheiten des Schreibens für verschiedene wissenschaftliche Disziplinen. Der "Schreibtrainer" behandelt darüber hinaus auch fachübergreifende Besonderheiten wissenschaftlichen Schreibens.

KOLOSS (Essen)

Schwerpunkt des Vortrags von Volker Pruß aus dem Projektteam von Prof. Dr. Dieter Krallmann war die technische Überarbeitung der Lernsoftware "KOLOSS". Die geplanten und teilweise bereits durchgeführten Änderungen wurden anhand einer PowerPoint-Präsentation veranschaulicht. Zu den wesentlichen Veränderungen gehört die Umwandlung der bisher absoluten Links in relative Links, da dies nach Ansicht des Projektteams Vorteile für die Verwaltung und Dokumentation der Projekt-Webseiten bringt. Des Weiteren strebt Volker Pruß eine Standardisierung des HTML-Codes nach den Konventionen des WorldWideWeb-Consortiums (W3C) zur Vereinheitlichung der von unterschiedlichen Mitarbeitern erzeugten HTML-Seiten an. Pruß führte außerdem an, dass die Dokumentation seiner Arbeiten unerlässlich ist, um die Arbeit für kommende Mitarbeiter transparenter zu machen. Anhand dieser Dokumentation werde schließlich ein Technik- sowie ein Produktions-Handbuch erstellt. Als letzten wesentlichen Aspekt der technischen Überarbeitung nennt Pruß die Umstellung der Software auf PHP und MySQL, um Plattformunabhängigkeit zu erreichen. Obwohl der Schwerpunkt Projektarbeit nach eigenen Angaben im technischen Bereich lag, wurde "KOLOSS" parallel inhaltlich ausgebaut. Die Projektgruppe konnte den Bibliographie-Datenbestand um 27 % und den Biographie-Datenbestand um 32 % steigern. Parallel zur Arbeit an KOLOSS brachten Dieter Krallmann und Andreas Ziemann im vergangenen Jahr ergänzend zu "KOLOSS" das Buch "Grundkurs Kommunikationswissenschaft" heraus.

GAIS (IDS Mannheim)

Daniela Heidtmann und Kerstin Steiger stellten die im Internet verfügbare Version von "GAIS: Gesprächsanalytisches Informationssystem" vor. Ziel von GAIS ist die Vermittlung von Grundlagenwissen und Arbeitsmethoden aus den Forschungsbereichen Gesprächsanalyse und -rhetorik. Wesentlich verbessert wurde das Design, unter anderem durch eine verbesserte Navigation in Form eines Kompasses. Darüber hinaus wurden Lektürepfade in Form von themenbezogenen Orientierungshilfen angelegt. An zusätzlichen 'Guided Tours' wird derzeit noch gearbeitet. GAIS bietet Zugang zu Gesprächskorpora, die vom IDS Mannheim erstellt wurden, sowie Informationen über gesprächsanalytische und gesprächsrhetorische Untersuchungsbereiche und Methoden der Transkription. GAIS wird gegenwärtig an der Universität Mannheim eingesetzt und evaluiert. In das bestehende Angebot sollen auch Beiträge von Studenten aufgenommen werden. Der Schwerpunkt der weiteren Arbeit wird nach Aussage der Referentinnen darauf liegen, die Videoübertragung technisch zu optimieren. Dies sei besonders wichtig, um in Hinblick auf die Übertragungszeit der technischen Ausstattung der Studenten gerecht werden zu können. Die Ladezeiten (besonders bei Verwendung "normaler" Modems) sind laut Angabe der Referentinnen bisher zu lang. Bis eine Lösung gefunden ist, stellt das IDS große Videodateien auf CD-ROM zur Verfügung, die den Studenten zugeschickt werden. Dies sei auch für Studenten anderer Universitäten möglich. Die Videodateien werden in erster Linie als Hilfe bei Transkriptionen und Transkriptionsübungen eingesetzt. Sie sollen in passende Sequenzen gesplittet und – der Position im Transkript entsprechend – eingebunden werden.

ProGr@mm (IDS Mannheim)

Die von Dr. Klaus Vorderwülbecke vorgestellte Software "Progr@mm" ist an das bestehende System "Grammis" angelehnt, wobei es – anders als "Grammis" – nicht als Nachschlagewerk, sondern als Lernprogramm dienen soll. Die bereits in "Grammis" vorhandenen Texte wurden für "ProGr@mm" didaktisch überarbeitet und für noch nicht vorhandene Aspekte wurden neue Texte geschrieben. Die Lernsoftware bietet eine "Propädeutische Grammatik", ein "Terminologisches Wörterbuch", ein "Grammatisches Wörterbuch" sowie ein "Rechtschreibwörterbuch". Außerdem ist die Recherche von Literatur mit Hilfe einer Suchfunktion in der Rubrik "Grammatische Bibliographie" möglich. Zu jedem Thema ist die Erstellung von Übungen und offenen Fragen geplant. Die Inhalte sollen an geeigneten Stellen durch einzelne Animationen veranschaulicht werden. Im Rahmen einer Evaluation im vergangenen Wintersemester wurde das Thema "Satzkomponenten, Wortarten" von Studenten bearbeitet und bewertet. Bei der Auswertung stellte sich heraus, dass die Studierenden sich mehr Aufgaben wünschen und die vorhandenen Aufgaben zu leicht sind. Das Design und die Navigation wurden laut Vorderwülbecke von den Studierenden gut bewertet. Den Ergebnissen soll bei der weiteren Entwicklung Rechnung getragen werden.

BabelOn/LiOn (Bielefeld)

Horst Flohr stellte den Entwicklungsstand der Projekte "BabelOn" bzw. "LiOn" vor. Ziel der Lernsoftware "BabelOn" (bzw. in Zukunft: "LiOn") ist es, eine vollständige Einführung in die Linguistik mit den Modulen Phonetik, Phonologie, Morphologie, Syntax, Semantik und Pragmatik zu liefern. Diese Module sind bereits fertig gestellt, ergänzend sollen bis zum Sommersemester 2003 die Module "Klinische Linguistik" und "Sprachverarbeitung" in Bielefeld entwickelt werden. Außerdem sollen weitere Module der Kooperationspartner Münster (Semantik, Korpuslinguistik, Phonologie, Pragmatik), Erfurt (Kommunikationstraining), Halle (Textlinguistik) sowie der Universität Kiel (WebXam-Übungen zu bestehenden Modulen, kurze Tutorien zu Psycholinguistik, Soziolinguistik und Spracherwerb) und der Universitätsbibliothek Bielefeld (Teile des Fachportals Linguistik) in BabelOn eingefügt werden. "BabelOn" wurde und wird im Grundkurs Linguistik eingesetzt und anhand einer Befragung evaluiert. Dabei zeigte sich, dass eine technische und inhaltliche Überarbeitung erforderlich ist und dass die Navigation optimiert werden muss. Laut Flohr ist die technische Überarbeitung bereits abgeschlossen. In den Bereich der inhaltlichen Überarbeitung, die weitgehend abgeschlossen ist, fällt unter anderem das Ergänzen des Glossars auf ca. 400 Einträge sowie das Umformulieren und Illustrieren schwer verständlicher Inhalte. Die Neugestaltung der Navigation steht noch aus, dort ist die Erstellung eines übersichtlicheren Framesets mit einer statischen, durchgehend sichtbaren Navigationsleiste geplant. Diese Navigation soll dem Nutzer die Möglichkeit bieten, jederzeit den eigenen Standort im Lernmodul zu bestimmen. Neben BabelOn entsteht das Programm "LiOn", das Tutorien, ein Glossar sowie Übungen zu jedem Tutorium bieten soll und in das Sprachdaten und weitere Medien eingebunden werden können. Laut Flohr wurde "LiOn" wegen der größeren Funktionalität und Plattformunabhängigkeit als JavaApplet programmiert. Für einen leichteren Umgang mit der Software sind "Guided Tours" geplant, die dem Nutzer einen sinnvollen Arbeitsweg unter verschiedenen thematischen Aspekten ermöglichen sollen.

BabelOn/LiOn (Münster)

Im Rahmen der Präsentation wurden von Frank Schuhmacher auch die Ergebnisse des Kooperationspartners aus Münster dargestellt. In Münster werden Module zu Semantik und Korpuslinguistik entwickelt, die unter Berücksichtigung kritischer Hinweise von Studierenden überarbeitet und erweitert werden. Laut Schumacher wurde in Münster bereits mit der mit der Konzeption weiterer Module zu Pragmatik und Phonologie begonnen. Des Weiteren besteht bereits eine Gliederung für die Module Computerlinguistik und Quantitative Linguistik. Die bestehenden Module werden bereits in der obligatorischen Lehrveranstaltung "Grundkurs Anglistik" (mit ca. 80 Teilnehmern) eingesetzt und anhand einer Lernzielkontrolle und eines Fragebogens evaluiert.

Wahrnehmung und interpersonelle Kommunikation (Erfurt)

Prof. Dr. Michael Giesecke stellte das in Erfurt entwickelte Lernmodul "Wahrnehmung und interpersonelle Kommunikation" zum Kommunikationstraining vor. Im Mittelpunkt des Programms steht die Vermittlung von Kenntnissen über Fremd- und Selbsteinschätzung in Kommunikationsprozessen. Die notwendigen Ressourcen für die Trainingssitzungen werden durch die Software bereitgestellt. Ziel der Aufgaben ist es, anhand von Beispielen kommunikative Prozesse zu analysieren und anschließend Handlungsalternativen zu erschließen. Im ersten Teil des Trainings werden dabei theoretische Grundlagen vermittelt, im zweiten Teil liegt der Schwerpunkt auf der Kommunikationspraxis, betonte Giesecke. Das Programm ist dementsprechend in elf Bausteine unterteilt, wobei die ersten sechs Teile ("Vorbereiten", "Wahrnehmen", "Alle Sinne", "Programme", "Normen" und "Verarbeitung") vornehmlich in Einzelarbeit behandelt werden, während die übrigen Teile ("Sprechen", "Spiegeln", "Verstehen", "Botschaften", "Krisen") als soziale Komponente zur Verbesserung der sozialen Interaktion in einzelnen Gruppen behandelt werden. Die Betreuung der Teilnehmer erfolgt durch einen Trainer, der im Verlauf der Übungen Aufgaben stellt, sich jedoch während der Bearbeitung durch die Gruppe zurückzieht. Dabei werden keine idealtypischen Kommunikationsprozesse bearbeitet, vielmehr werden die Stärken und Schwächen der Teilnehmer bei der Gestaltung des Trainings berücksichtigt. Das Lernprogramm soll für verschiedene Zielgruppen nutzbar sein, wobei als Hilfe für die Nutzung zielgruppenorientierte Leitfäden erstellt werden. Die Erstellung der ersten sechs wissensvermittelnden Teile erfolgt in Kooperation mit Bielefeld.

Kommunikationstraining und Textlinguistik (Halle)

Dr. Jörg Wagner erläuterte den Projektverlauf innerhalb des ersten Jahres und wies besonders auf die aus seiner Sicht bestehenden Schwierigkeiten bei der Kompetenzbündelung hin. Zentraler Bestandteil der Arbeit war die, aufgrund mangelnder Vorarbeiten notwendige, weltweite Recherche nach bereits vorhandenen ähnlich ausgerichteten Projekten und deren Erfahrungen. Ebenso suchte das Projektteam nach nutzbaren Tools zur Erstellung der geplanten Software. Eine Entscheidung fiel diesbezüglich zu Gunsten der kommerziellen Lernplattform "LernPlus". Bei der Suche nach Kooperationspartnern entschied sich das Teilprojekt Halle für eine Zusammenarbeit mit der Projektgruppe "BabelOn". Die materielle Arbeit wurde mit der Erstellung eines "Drehbuches" für das Modul Textlinguistik begonnen. Bei der Erstellung der Lernsoftware wird eine starke Interaktivität angestrebt. Bis zum Herbst 2002 sollen die mit XML und Flash erstellten Inhalte dem Kooperationspartner Bielefeld zur Verfügung gestellt werden, um dort in "BabelOn" veröffentlicht zu werden. Wagner spricht das Problem der Kompetenzbündelung an und fordert, dass für die Bereiche Softwareentwicklung, Graphik/Design, Mediendidaktik und Fachdidaktik je mindestens ein kompetenter Mitarbeiter zur Verfügung stehen muss. Er argumentiert außerdem, dass im Hallenser Teilprojekt zu wenig Mitarbeiter beschäftigt sind, um alle Bereiche ausreichend abdecken zu können. Zentrales Bedürfnis der Projektgruppe ist weiterhin der Austausch mit den Projektpartnern über technische Erfahrungen, Tools etc.

Lernsoftware für schulbezogenes Konflikt- und Kommunikationstraining (Oldenburg)

Prof. Dr. Johannes Pankau stellte die in Oldenburg entwickelte Lernsoftware für schulbezogenes Konflikt- und Kommunikationstraining vor. Das Programm ist in die vier Bereiche "Nachdenken über Kommunikation", "Kommunikative Praxis", "Konflikte kennen, erkennen, analysieren" und "Konfliktbearbeitung und –lösung" unterteilt. Im ersten Teil werden dabei Vorüberlegungen und Theorien dargestellt, in denen die Nutzer sehen können, wie man sich wissenschaftlich mit dem Thema Kommunikation beschäftigt. In den weiteren Bereichen wird praxisorientiertes Wissen vermittelt, dass an Schulsituationen angelehnt ist. Als Medienelemente kommen Videos, Comics und Fotos zum Einsatz, die Kommunikations- und Konfliktsituationen in der Schule veranschaulichen sollen. Nach Aussage von Pankau ist etwa die Hälfte der geplanten Inhalte bereits vorhanden und wurde bzw. wird in Lehrveranstaltungen erprobt. Die gesamte Software soll neben der Veröffentlichung im Internet auch auf CD-ROM erhältlich sein und in speziell zu diesem Zweck (von der Projektgruppe) konzipierten Lehrerfortbildungen eingesetzt werden.

Multimediale Lehr-Lern-Ressourcen für die Sprachwissenschaft (Chemnitz)

In Chemnitz werden mehrere Module für die Sprachwissenschaft konzipiert, die von Dr. Michael Klemm vorgestellt wurden. Zunächst berichtete Klemm über die Weiterentwicklung des Moduls "Schreibzentrum", dessen Oberfläche neu gestaltet wurde. Außerdem wurden die Inhalte um Materialien zum Selbststudium, Literaturhinweise, externe Links und ein Diskussionsforum sowie eine Mailingliste erweitert.
Die "Online-Zeitschrift "LEO" wurde ebenfalls – als Ergebnis des Seminars "Journalistische Darstellungsformen in der Praxis" – in Chemnitz erstellt. Geplant ist hier eine neue Ausgabe, für die bereits eine Redaktion gegründet wurde. Die neue Version von "LEO" soll regelmäßig neue Beiträge zum Thema Sprache enthalten; das Layout wurde bereits überarbeitet.
Mit "VitaLi" wurde in Chemnitz eine Sammlung von Bibliographien zu linguistischen Klassikern erstellt. Über die einzelnen Linguisten (bspw. Bühler, Wittgenstein u.v.a.) werden ausführliche Materialien und Informationen angeboten. Diese Datenbank soll zukünftig ständig erweitert und verbessert werden.

Ebenfalls bereits vorhanden ist das Lernmodul "Einführung in die Gesprächsforschung". Es ist in die Bereiche "Lernen", "Üben" und "Vertiefen" gegliedert und dient zur Vermittlung von Kenntnissen und Methoden der Gesprächsforschung. Das Programm bietet neben wissensvermittelnden Inhalten Aufgaben zur Überprüfung der (erworbenen) Kenntnisse, ein Glossar und eine Liste empfehlenswerter (externer) Links. Geplant ist außerdem die Einrichtung eines Diskussionsforums.
Neben diesen vier bereits vorhandenen Modulen sind zwei weitere Lernprogramme in Planung: Für ein Trainingsmodul "Analyse von Medienkommunikation" und das Modul "Angewandte Sprachwissenschaft in der Organisationsentwicklung" liegen erste Entwürfe vor; mit der Erstellung wurde begonnen.

Komplexe Lernaufgaben (Dresden)

Antje Proske und Prof. Dr. Hermann Körndle stellten die in Dresden entwickelten "komplexen Lernaufgaben" sowie den "Studierplatz 2000" vor. Im Bereich der Lernaufgaben wurde ein Aufgabeneditor erstellt, der es ermöglicht, Aufgaben und Übungen nach eigenen Wünschen inhaltlich zu gestalten, ohne die technische Umsetzung auf Programmier-Niveau leisten zu müssen. Dies stellt laut Körndle eine enorme Arbeitserleichterung dar. In den Editor kann jeweils der Frage-, Antwort- und Lösungstext eingegeben werden, wobei die Aufgabe dann automatisch erstellt wird. Neben dieser Funktion bietet die Software "Schablonen" für die Aufgabenvariablen sowie verschiedene Layouts zur Gestaltung, so Körndle weiter. Auch komplexere, über Multiple Choice, Drag & Drop etc. hinausgehende Lernaufgaben können mit dem Editor erstellt werden. Dazu gehören bisher Multi-Aufgaben, Aufgaben mit gezieltem Feedback sowie offene Fragen.

Zweites Ergebnis der Projektgruppe ist der Studierplatz 2000, mit dem DozentInnen ohne technische Vorkenntnisse Materialien und Aufgaben zu einem Thema zu einem "Studierplatz" zusammenstellen können. Dazu muss man lediglich die erstellten Inhalte in ein fertiges Formular eintragen. Die Umsetzung erfolgt dann durch einen Compiler, der die Inhalte den Angaben entsprechend verknüpft, und die notwendigen Bedienelemente (Button etc.) hinzufügt. Texte werden über Eingabefelder, andere Medien (Videos, Links, Folien, Aufgaben etc.) über eine Medientabelle eingefügt. Ein innerhalb dieses Systems erstellter Studierplatz bietet den Nutzern die Möglichkeit, durch Notizen und Markierung einzelner Inhalte sowie anhand eines Ablaufprotokolls zu kontrollieren, welche Inhalte bisher bearbeitet wurden. Anhand eines Aufgabenprotokolls kann der Nutzer seinen Lernfortschritt selbst kontrollieren.

Abschließend boten Körndle und Proske den Beteiligten der anderen Teilprojekte an, sowohl den Editor als auch den Studierplatz innerhalb der eigenen Projektarbeit zu nutzen. Die Projektpartner können sich entweder in Dresden in die Software einarbeiten lassen oder ihre Vorstellungen und Inhalte bezüglich einer Aufgabe oder eines Studierplatzes per Mail nach Dresden senden, wo die Angaben umgesetzt werden.

MILESS – Die Essener Digitale Bibliothek

Dieter Nastoll vom Essener Hochschulrechenzentrum war vom PortaLingua-Projektverbund eingeladen worden, um den Essener MILESS-Server zu präsentieren. Nastoll erklärte, dass MILESS als Kooperationsprojekt von Hochschulrechenzentrum, Medienzentrum und der Universitätsbibliothek mittlerweile als OpenSource-Projekt auch außerhalb der Universität eingesetzt wird. Installationen existieren mittlerweile u.a. in Jena (UrMEL-Projekt), Leipzig (Bach digital und Quästur), Göttingen (repositorium), Freiburg (FREIMORE) und Uppsala/ Schweden (digitale kunsthistorische Sammlung).

In MILESS als vollwertige digitale Bibliothek können klassische und multimediale Lehr- und Lernmaterialien eingegeben und professionell klassifiziert bzw. mit Metadaten versehen werden.
MILESS eignet sich besonders zur Archivierung und Bereitstellung von Audio- und Videodaten. Da im Laufe der Tagung von verschiedenen Beteiligten immer wieder Fragen und Kooperationswünsche hinsichtlich der Audio/Videodatenhaltung geäußert wurden, war dieser Teil der Präsentation für die Teilnehmer sicher von besonderem Interesse. Nastoll bot den Projektpartnern konkret an, sie bei der Archivierung und Bereitstellung von (nicht allzu umfangreichen) Audio- und Videodaten zu unterstützen

Projektträger

Herr Dr. Rolf Geserick als PortaLingua-Ansprechpartner beim Projektträger PT-NMB+F informierte die Teilnehmer noch einmal über die Rahmenbedingungen des Förderprogramms "Neue Medien in der Bildung". Dabei erwähnte er unter anderem die Anzahl der geförderten Projekte und deren Verteilung über die Fächer. Er gab außerdem organisatorische Hinweise und informierte über Begleitaktivitäten wie z.B. Workshops zu den Themen "Lernplattformen" oder "Rechtsfragen" sowie die projektbegleitende Portalseite www.medien-bildung.net.
Geserick formulierte auch seine Wünsche an das PortaLingua-Projekt bzw. regte an, verschiedene Punkte noch einmal zu überdenken. So wünschte er sich unter anderem mehr Kooperationen zwischen den Projektpartnern sowie mehr "Corporate Identity" für PortaLingua.

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