Ein sprachliches Monument in hektischer Lebenswelt: Die "Tagesschau"

Schmitz, Ulrich (1995)

In: Das Wort. Germanistisches Jahrbuch. Moskau: DAAD 1995, S. 63-81

 

0. Zusammenfassung

Fernsehnachrichten schaffen flüchtigen Halt in schnellebiger Zeit. Das Fernsehprogramm selbst entgeht freilich nicht der allgemeinen gesellschaftlichen Beschleunigung. Mit der Zulassung privater Sender wurden neuartige, saloppere Nachrichtensendungen eingeführt. Die "Tagesschau" aber bleibt ein Monument der Beharrung. Um die gegensätzlichen Ansprüche von Objektivität und Aktualität wenigstens annähernd erfüllen zu können, hat sie ein grundsätzlich programmierbares Verfahren von Textproduktion entwickelt, das aus immer gleichen Versatzstücken täglich neue Texte zusammenmischt. Ihre ganz eigenartige innere Textform läßt das Weltgeschehen als immer gleiches, zusammenhangloses Spiel eines zufallsgesteuerten Schicksals mit begrenztem Repertoire erscheinen. Auf diese Weise ordnet sie alltägliche Ereignisse in ein vermeintlich Unveränderliches ein. So erfüllt sie mythische Funktionen. Durch Wiederholung und distanzierte Bestätigung des immer Gleichen orientiert sie täglich neu, dauerhaft und monumental. Private Fernsehnachrichten hingegen unterhalten durch Ablenkung, indem sie möglichst tief in die Lebenswelt greifen und Fernhorizont meiden. Während private Fernsehnachrichten lebensweltliche Ablenkungs-Bedürfnisse abdecken, befriedigt die "Tagesschau" monumentale Orientierungs-Wünsche in der unüberschaubaren Hektik des täglichen Einerlei.

1. Nach Bekanntem richten

"An meinem einundzwanzigsten und wahrscheinlich letzten Arbeitstag werde ich mich besinnen, warum ich das alles angefangen habe, diese Schilderung eines Dorfes, doch nur um Ruhe zu finden, um entlassen zu werden aus der furchtbaren Beschleunigung, aber man wird nicht entlassen, auch hier nicht, gerade hier nicht, Veränderung über Veränderung." Vergeblich will Marie Luise Kaschnitz (1979:103) durch Schreiben Zeit stillstellen. Leben ist stärker als die Schrift. Seit prähistorischer Zeit (Leroi-Gourhan 1980:186,174,218,269 et passim) beschleunigt sich die Geschichte, bis der Takt der Veränderung die Generationenfolge überholt. Koselleck (1979:19) erblickt im 16. bis 18. Jahrhundert "eine Verzeitlichung der Geschichte, an deren Ende jene eigentümliche Art der Beschleunigung steht, die unsere Moderne kennzeichnet." Wir Heutigen erfahren das Leben oft als eine mitreißende Hektik, in der vieles von dem, was vor fünf oder zehn Jahren noch selbstverständlich war, heute schon fragwürdig, veraltet, überholt, wertlos oder ungültig ist.

Massenmediale Informationen und insbesondere Nachrichten versuchen, den Lauf der Dinge möglichst zeitgleich zu protokollieren und für den Tag festzuhalten. So tragen sie zur weiteren Beschleunigung bei. Denn wo schnelle Information technisch möglich ist, wird sie auch sozial erwartet. Da gibt es dann keine Zeit mehr für Erzählungen und Zusammenhänge. Das einzelne Ereignis zählt. Fernsehnachrichten liefern täglich neu eine Fülle einzelner Informationen, mehr als ein Zuschauer verarbeiten und behalten kann. Tritt man als Beobachter allerdings ein wenig zurück und betrachtet herkömmliche Nachrichten über einen längeren Zeitraum, so entdeckt man, daß sich in Sache, Bild und Text mehr oder weniger gleiche Nachrichten immer wiederholen. Orientierung in der sonst unübersichtlichen großen Welt wird nicht durch Erzählung, sondern durch schematische Wiederholung verschafft: "?news? are actually ?olds?" (Galtung/Ruge 1965:67). Was auf den ersten Blick thematisiert, also in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gebracht wird, ist bei näherem Hinsehen immer wieder das Gleiche, allenfalls mit anderen Daten und Namen. Das befestigt unsere Weltsicht: eigentlich Unfaßbares wird normal. So schrecklich das Neue sein mag: wir kennen es schon und können also beruhigt sein. So schaffen Nachrichten flüchtigen Halt in schnellebiger Zeit.

2. Beschleunigung in den Medien selbst

Doch wie wäre Beschleunigung der Welt ohne Beschleunigung der Nachrichten denkbar? Sie verändern sich selbst, und neben alte treten neue Formen von Fernsehnachrichten. Unter dem zumindest vermeintlichen Druck immer geschwinderer Ereignisse sind es schließlich nämlich die Medien selbst, "die keine Zeit mehr haben, denen kein Aufschub mehr gewährt wird" (Virilio 1994:66): "auch hier nicht, gerade hier nicht, Veränderung über Veränderung" (Kaschnitz 1979:103). Tatsächlich hat sich nicht nur in der ersten Welt der Realität, sondern auch in der zweiten Welt der Massenmedien viel bewegt. Vieles ist anders, vieles ist schneller geworden. Und die Veränderung geschieht schneller, als Wissenschaftler darüber schreiben. So sind die Forschungsberichte über die deutsche Sprache in Massenmedien (Brandt 1985, Nail 1985, Schmitz 1987, Straßner 1980) teilweise bereits überholt. "Die sich am Ende des Zeitalters der Abschreckung selbst überlassenen, industriellen Massenmedien haben, genauso wie die übrige Massenproduktion während der letzten Jahre, den Schritt vom Notwendigen zum Überflüssigen vollzogen und zu guter Letzt sogar den zu schmutziger Regellosigkeit und zu immer unerbittlicheren internen Kämpfen" (Virilio 1994:10f).

Mediale Techniken, Institutionen und Produkte entwickeln sich im Überfluß und rasant. Zum einen sind computergestützte, vor allem auch interaktive neue Medien dabei, die herkömmlichen Massenmedien Presse, Hörfunk und Fernsehen als Leitmedium abzulösen (Forschungsbericht Schmitz 1995). Zum anderen haben sich auch unabhängig davon die traditionellen Massenmedien in den letzten Jahren auf vielerlei Weise differenziert und geändert. Beim massenmedialen Fernsehen gehen neue Entwicklungen vor allem auf die Vermehrung des Programmangebots und die politisch gewollte "Deregulierung" zurück, das heißt auf die Einführung eines "dualen Systems" harter Konkurrenz von öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern (Bleicher u.a. 1993). Das mediale Angebot wird äußerlich umfangreicher und innerlich kleinflächiger: mehr soll schneller und aktiver wahrgenommen werden. Dabei gibt der immer komplexere, Aufmerksamkeit heischende Werbespot das Maß vor. Kloepfer/Landbeck (1991) beschreiben ihn als avantgardistischen Vorreiter schneller Ästhetisierung des gesamten europäischen Fernsehprogramms. Ablenkung wird stärker betont als Orientierung, delectare mehr als prodesse.

3. Flotte private und vergleichsweise erhabene öffentlich-rechtliche Nachrichten

Innerhalb des gesamten Programmangebots hat sich in den vergangenen zehn Jahren besonders auch das Spektrum der Fernsehnachrichten vielfältig und grundsätzlich geändert. Anfang 1984 wurde in der Bundesrepublik Deutschland das duale Rundfunksystem eingeführt. Neben die öffentlich-rechtlichen Institutionen (ARD und ZDF), die auch öffentlich kontrollierten Bildungs- und Informationsaufgaben verpflichtet sind, traten eine Reihe privater Fernsehanstalten (zuerst SAT.1 und RTLplus), die solche Aufgaben allenfalls nachrangig erfüllen. Sie finanzieren sich aus Werbeeinnahmen und richten ihr Programmangebot folglich auf möglichst hohe Einschaltquoten aus. Die großen privaten Sender treten dabei in unmittelbare Konkurrenz zu den traditionsreichen öffentlich-rechtlichen Anstalten. Deshalb streben die großen Privaten ein äußerlich gleichwertiges Vollprogramm mit eigenen Nachrichtensendungen an. Gleichzeitig soll das Programm aber viel leichter konsumierbar und unterhaltsamer sein. Trotz rühmlicher Ausnahmen wird es oft seicht, kleinflächig und reißerisch. Die herkömmliche Trennung der Bereiche Information und Unterhaltung wird nach amerikanischem Vorbild aufgehoben. Derartig neu entstehendes "infotainment" verändert Nachrichtensendungen auch inhaltlich; und formal werden sie salopper präsentiert.

In der Folge haben sich die öffentlich-rechtlichen Programme im großen und ganzen dem Konkurrenzdruck unterworfen und oft genug dem vermeintlichen Publikumsgeschmack angepaßt, den die privaten unterstellten oder erzeugten. Für öffentlich-rechtliche Nachrichtensendungen gilt das noch am wenigsten; und erstaunlicherweise blieb die "Tagesschau" als traditionsreiches Aushängeschild ruhmreicher deutscher Fernsehgeschichte fast unangetastet. Immer mehr wurde sie ein bleibendes Monument inmitten schnellebiger Hektik der Fernsehprogramme. Der private Kritiker (Dieter Lesche, ehemaliger Chefredakteur bei RTL aktuell) drängt: "Die Tagesschau ist längst ein Fossil und gehört ins Fernsehmuseum. Man muß heute ganz neue Wege gehen." (RTL extra 1/94:32; zit. nach Wissenberg 1995:0). Der öffentlich-rechtliche Verteidiger (Ulrich Deppendorf, Chefredakteur von ARD-Aktuell) beharrt: "Solange die Tagesschau beim Publikum diesen Erfolg hat, wird sich an ihr nichts ändern." (am 2.2.1995 im Gespräch mit André Wissenberg, zit. nach Wissenberg 1995:0)

Es gibt zwei inhaltsanalytische Vergleiche der Hauptnachrichtensendungen von ARD, ZDF, SAT.1 und RTLplus. Krüger (1985; vgl. 1992) untersuchte eine Woche im Februar 1985, und Schatz (1988) wertete zwei Wochen im Herbst 1985 und eine Woche aus dem April 1986 aus. Beide Arbeiten zeigen eine Tendenz zur Entpolitisierung bei den privaten Fernsehnachrichten, und zwar in dreierlei Hinsicht. (1) Der Anteil politischer Nachrichten dominiert bei ARD und ZDF eindeutig und ist in der "Tagesschau" am größten, während er bei den beiden untersuchten privaten Sendern deutlich kleiner ist. Demgegenüber bevorzugt RTLplus "human interest"-Themen und sensationelle Ereignisse wie z.B. Katastrophen und Unglücke, aber auch Sportberichte; SAT.1 betont wirtschaftliche Themen. (2) SAT.1 und insbesondere RTLplus berichten deutlich seltener über Aktivitäten von Personen und Institutionen der Politik. Dafür kommen öfter sonstige Prominente und "einfache Leute" zu Wort. Insgesamt treten Akteure häufiger in privaten Rollen auf. (3) Politische Kontroversen und Bewertungen schließlich findet man sehr viel häufiger in öffentlich-rechtlichen als in privaten Nachrichten (s. auch Faul 1988).

Dabei handelt es sich keineswegs um deutsche Sonderentwicklungen. Heyn (1985) zeigte in einer Inhaltsanalyse von Nachrichtensendungen aus verschiedenen Ländern, daß bei privaten Anbietern grundsätzlich ein geringerer Anteil an politischer Berichterstattung als bei öffentlich-rechtlichen Programmen zu finden ist (vgl. auch Behrens 1988).

Die Präsentationsform bei SAT.1 und RTLplus orientiert sich an der amerikanischen "news show" und trägt Schatz u.a. zufolge entscheidend mit zu einer "Popularisierung" und "Privatisierung" des Nachrichtenangebots bei (Schatz/Immer/Marcinkowski 1989; vgl. auch Krüger 1985). Anders als in den öffentlich-rechtlichen Sendungen ("Tagesschau" und "heute") werden die Nachrichten im Studio von mehreren Personen präsentiert, die modisch und teilweise leger gekleidet sind, sich duzen und kleine Scherze und Gags erlauben. Manchmal sind die Nachrichtenbeiträge auch mit Musik unterlegt. Die einzelnen Beiträge dauern bei den privaten Sendern kürzer, und die gesamte Sendung ist kurzatmiger und schneller. Dagegen wirkt die "Tagesschau" behäbig.

Die Sprache öffentlich-rechtlicher und privater Fernsehnachrichten ist bisher nicht intensiv verglichen worden. Die sprachpflegerischen Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge von Förster (1994), der von 1987 bis 1993 die ZDF-Nachrichtenredaktion beraten hat, könnten mit etwas anderen Schwerpunkten auch für private Nachrichten gelten. Immerhin wird der intuitive Eindruck eines klaren Unterschiedes zwischen öffentlich-rechtlicher und privater Nachrichtensprache von der wenngleich grobkörnigen Zehn-Tage-Studie von Frank/ Klingler (1987) bestätigt. Danach wirkt die Sprache der ZDF-Nachrichten monoton, kühl, vernünftig und emotionslos, die der RTLplus-Nachrichten dagegen lebhaft, salopp und von Ironie und Superlativen durchzogen. Kepplinger/Staab (1992) weisen auf "Kneipen-Jargon" (ebd.48), lockere Präsentation und Moderatoren-Geplauder im Aktuellen von RTLplus hin. In der "Tagesschau" kommt derlei nicht vor.

4. Immer das gleiche: die "Tagesschau"

Aller Veränderung der Massenmedien und der Fernsehnachrichten zum Trotz bleibt die "Tagesschau" ein Monument der Beharrung, und eben das ist das Geheimnis ihres Erfolgs. Man erwartet von ihr einen ebenso aktuellen wie objektiven Überblick über das wichtigste Geschehen des Tages. Jeder, der etwas aufmerksam auch nur ein Dutzend solcher Sendungen verfolgt hat, spürt oder ahnt, daß da irgendwie immer das gleiche vorkommt: Politiker besuchen einander, Verhandlungen werden geführt oder platzen, Konfliktherde schwelen, Bomben gehen hoch, Flugzeuge stürzen ab, Wechselkurse schwanken, und zum Schluß etwas Erfrischendes aus Sport oder Kultur. Man sieht sprechende Köpfe, sitzende Zuhörer, einfliegende Hubschrauber, sich öffnende Wagentüren, herzliches Händeschütteln, brennende Häuser, verstopfte Straßen. Man hört Textstücke wie: "Ich bin der Meinung, Hauptstreitpunkt war, hat veröffentlicht, er betonte, forderte, zweikommafünf Prozent angeboten, Proteste fortsetzen, zu Zwischenfällen kam es nicht, werden morgen fortgesetzt werden, ist heute zurückgetreten, als Grund nannte er, bleibt abzuwarten, so hieß es, wurde heute offiziell mitgeteilt, hat Unterstützung für seine Friedensinitiative erhalten, ist am Nachmittag zu einem dreitägigen Staatsbesuch eingetroffen, Unterredungen hatten am Vorabend mit einem festlichen Abendessen begonnen, noch immer von einer Ölpest bedroht, neun Menschen starben, hundert wurden verletzt, Überfall ist heute unblutig zu Ende gegangen, ihre Pforten geöffnet, plant einschneidende Änderungen, hat Hilfe zugesagt, amtlicher Mittelkurs festgesetzt, Arbeitslosenquote stieg, geht davon aus, gewiß nicht einfach." All das durchsetzt von zahllosen Personennamen, Zahlen, Zeit- und Ortsangaben.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, daß die "Tagesschau" auf gewisse Weise tatsächlich immer das gleiche bringt. Man vergleiche einmal diese beiden Originaltexte aus der Hauptausgabe vom 18.1.1978 bzw. vom 5.1.1988:

  • "Die Gefangenenhilfsorganisation amnesty international hat heute in London einen Bericht über die Situation politischer Häftlinge in Südafrika veröffentlicht. Daß politische Häftlinge bei Verhören von der Sicherheitspolizei gefoltert werden, sei in Südafrika an der Tagesordnung."
  • "Die Gefangenenhilfsorganisation amnesty international hat heute in London einen Bericht über die Folterung von Kindern vorgelegt. (?) Jugendliche aus Südafrika, die sie in langem Polizeigewahrsam erlitten haben."

Das Beispiel ist nicht mit besonderer Gehässigkeit ausgesucht worden. Vielmehr gibt es für fast alle "Tagesschau"-Passagen, auch 1995 noch, reihenweise solche Geschwistertexte, die vor einem Monat oder auch vor zwanzig Jahren schon gesendet wurden, und das obwohl die Welt sich unterdessen doch mächtig verändert hat. Nun könnte man denken, daß "Tagesschau"-Texte von irgendeinem Vorjahr oder von einem beliebigen anderen Tag mehr oder weniger abgeschrieben werden. Tatsächlich aber wird jeden Tag frisch formuliert, und zwar von einer zweistelligen Anzahl erfahrener und gut bezahlter Redakteure und Korrespondenten. Woher also die verblüffende Ähnlichkeit, die in der Tat alle "Tagesschau"-Texte untereinander verbindet und sie sofort als solche ausweist?

Wir haben die "Tagesschau" über fast zwanzig Jahre hinweg beobachtet und insbesondere den vollständigen Text der Hauptausgaben von zwei Monaten (1978 und 1988; ca. 110.000 Wörter) unter anderem mit den klassischen Mitteln der linguistischen Datenverarbeitung, Statistik und Textanalyse analysiert, zerlegt, neu zusammengesetzt, ausgezählt und von allen Seiten gesichtet (Schmitz 1990a). Jeder dieser beiden Monate (ohne Wetterbericht) enthält rund 55.000 Wörter. Das ist so viel wie in einem Taschenbuch von etwa 140 Seiten, beispielsweise Max Frischs "Homo faber". Diese Menge (und sogar ein halber Monat) genügt bereits, um die wesentlichen Besonderheiten der Sprache unserer Fernsehnachrichten herauszufinden. Über viele Jahre hinweg bleiben sie gleich. Die "Tagesschau" sagt nämlich mit immer gleichen Worten immer nur das gleiche.

Wieso merkt man das nicht als normaler Fernsehzuschauer? Erstens, weil sie in so kurzer Zeit so furchtbar viel sagt, daß man das allermeiste schon unmittelbar nach der Sendung vergessen hat. Zweitens, weil sie ihre immer gleichen Standardelemente jeden Tag aufs neue mischt: jede Sendung ist ein neues Spiel mit alten Karten. Und drittens, weil Eigennamen und Zahlen den alten Text auf neue Situationen beziehen - wie wechselnde Variablen in immer gleiche mathematische Formeln eingesetzt werden. Das obige Südafrika-Beispiel zeigt, wie diese Variablen ihren aktuellen Wert oft überhaupt nur durch die - über allen Zweifel erhabene, also eigentlich überflüssige - Versicherung erhalten, alles sei tatsächlich heute passiert. (Jede Meldung enthält durchschnittlich einmal das Wort "heute"; das ist jedes 163. Wort: etwa dreizehnmal so viel wie sonst in schriftlichen deutschen Texten üblich. Etwa ein Siebtel der Textmenge sind Eigennamenwörter, jedes vierundvierzigste Wort ist ein Zahlwort.)

5. Die Textproduktion der "Tagesschau"

Die Textproduktion der "Tagesschau" folgt einem einfachen, den Redakteuren nicht bewußten Regelwerk, das rastlos immer gleiche Elemente aus begrenzten Repertoires auswählt und beliebig aneinanderreiht. Das gilt auf drei Ebenen. (1) Stets kommen die gleichen Themen vor (Gipfeltreffen, Rücktritt vom Amt, Tarifverhandlungen, Unruhen, Überschwemmungen usw.). (2) Stets, und zwar unabhängig vom Thema, gibt es gleichartige Zugangsweisen zum Gegenstand der Nachricht, also allgemeine Arten und Weisen, in denen ein darzustellender Sachverhalt aufbereitet wird. Dazu gehören etwa Ort-, Zeit-, Quellenangabe, Vorgeschichte, Reaktion, Folgen, Konsequenzen, Ausmaß im historischen oder statistischen Vergleich usw. Empirisch lassen sich 38 solche nachrichtentypische Züge isolieren. Innerhalb einer Meldung können sie in fast beliebiger (also nicht etwa logisch oder konventionell festgelegter) Reihenfolge kombiniert werden. (3) Und stets, auch dies weitgehend unabhängig vom Thema, werden die gleichen sprachlichen Floskeln benutzt - sowohl in der Sprache zitierter Personen als auch in den redaktionseigenen Texten. Auf allen drei Ebenen gibt es ein mehr oder weniger großes, aber jedenfalls abzählbares und strikt begrenztes Repertoire von Möglichkeiten, aus dem jeden Tag eine neue Ziehung und Mischung erfolgt. Wie bei den Lottozahlen kennt man alle Kugeln schon vorher, weiß aber nicht, welche wirklich fallen und in welcher Reihenfolge sie das tun.

Schauen wir uns hier vor allem den dritten Bereich an, also die sprachliche Gestalt. Sowohl der gesamte Aufbau einer Meldung als auch ihre sprachliche Formulierung schöpfen jeweils aus einer begrenzten Anzahl von Möglichkeiten, die weitgehend unabhängig vom Thema in fast völlig freier Variation kombiniert werden können.

Dabei sind Sätze die zentralen Einheiten der Textproduktion. Der erste Satz einer Meldung enthält den Kern der eigentlichen Nachricht, auf den sich der Rest der Meldung letzten Endes in irgendeiner Weise bezieht. Dies ist das einzige Mittel, das die Einheit der ganzen Meldung garantiert, und zwar nur als thematische (nicht aber etwa sprachliche oder erzählerische) Kohärenz. Außer dem ersten Satz können grundsätzlich alle Sätze einer Meldung in beliebiger Reihenfolge aneinandergehängt werden. Nach fast jedem Satz könnte man aufhören oder ebensogut noch ein paar Sätze hinzufügen; auch die Reihenfolge der Sätze könnte weitgehend beliebig umgestellt werden, ohne daß jemand daran Anstoß nähme. (Ich habe das oft auf verschiedene Weise ausprobiert, und jeder Leser mag das einmal auf eigene Faust versuchen.) Das ist anders als in allen anderen Textsorten. Telefonbücher etwa, Gebrauchsanweisungen oder Erzählungen haben einen wohlorganisierten Aufbau. "Tagesschau"-Meldungen haben zwar einen markierten Anfang, indem ihr erster Satz als der wichtigste dem Rest der Meldung eine inhaltliche Perspektive gibt. Darüber hinaus aber keine formale oder inhaltliche Organisation: keinen Höhepunkt etwa und kein erkennbares Ende. (Auf diese Weise wird unter anderem eine der obersten Regeln des Nachrichtenjournalismus, nämlich Kürzbarkeit von hinten nach vorn, auch unter den erschwerten Bedingungen dieser Fernsehnachrichten erfüllt, wo eine Meldung aus mehreren verschiedenen, jeweils für sich kürzbaren Textsorten bestehen und obendrein dennoch sehr kurz sein kann. Püschel (1992:248-251) sieht ein "Clusterprinzip" am Werke, das ein höheres Maß an Textorganisation erfordere.)

Hier ein willkürliches Beispiel vom 31. 10. 1986 (ohne den ersten Satz dieses Filmberichts): "Bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen heute wurden mindestens 80 Studenten und Polizisten verletzt. 8000 Beamte der sogenannten Anti-Aufruhr-Polizei griffen mit Wasserwerfern und Tränengas ein. Mehr als 1400 junge Leute hat die Polizei abgeführt. Die Studenten wehrten sich mit Steinen und Molotowcocktails." Sinnvolle Meldung? Der Sinn widerspricht jedenfalls nicht dem der tatsächlich gesendeten, dergegenüber unsere Version zuerst den fünften, dann die erste Hälfte des zweiten, dann den sechsten und dritten Satz bringt und den vierten und siebten ganz wegläßt. Man kann die Textstücke auch schadlos in noch anderer Weise mischen, obgleich sich die Originalfassung sogar durch einen überdurchschnittlich komplizierten Textaufbau auszeichnete. Und daß die Meldung aufhört, merkt der Zuschauer erst, wenn die nächste begonnen hat.

6. Die Satzproduktion der "Tagesschau"

Die Tagesschau legt also keinen Wert auf Textzusammenhang. Und im Textmaterial der einzelnen Sätze selbst gibt es, abgesehen von den variablen Eigennamen, Zahlen, Orts- und Zeitangaben, fast nur häufig benutzte Bausteine, die - auch hier wieder weitgehend unabhängig vom Thema - immer wieder und in beliebiger Mischung aneinandergereiht werden. Die "Tagesschau" schöpft aus einem Fundus sprachlicher Bedeutungen in Gestalt immer wiederkehrender semantischer Stereotype, mit deren Hilfe die Wirklichkeit dargestellt werden soll und die in mehrstufiger hierarchischer Schachtelung zum laufenden Text zusammengesetzt werden.

Die "Tagesschau" hat - ob ihre Autoren das wissen oder nicht - ein Standardrepertoire immer wiederkehrender Textmuster zur Verfügung (z.B. 'x und y sind zerstritten'), die stilistisch nur leicht variiert werden (z.B. 'x und y zeigten sich zerstritten') und in die bestimmte, einfache tagesspezifische Bestandteile nur noch eingesetzt zu werden brauchen, vor allem Ortsangaben, Institutionsbezeichnungen sowie Eigennamen von Personen (u.U. mit zugehörigen Funktionen, z.B. "US-Präsident Clinton"). Wechselt man im Text einer viele Jahre zurück liegenden Sendung die damals aktuellen gegen heute aktuelle Namen aus, so wäre fast jeder bereit, den Text für den gestrigen oder heutigen zu halten. Und in der Tat könnte die "Tagesschau" in manchen Fällen den alten Text bis auf die Eigennamen fast wörtlich abschreiben und ohne Wahrheitsverlust oder sonstigen Schaden im laufenden Monat unterbringen. "Bei seinem anschließenden Gespräch mit Staatspräsident Mitterand hob Kohl die Rolle eines starken Europas als gleichberechtigter Partner der USA hervor." 28. Oktober 1986? 4. Mai 1995? Man lese "Giscard" statt "Mitterand" und "Carter" statt "Kohl", und man hat den Wortlaut des 6. Januar 1978. Das ist kein Einzelfall. In ähnlicher Weise kann man es bei der überwältigenden Mehrheit aller "Tagesschau"- Sätze erfolgreich probieren. Wann wurde wohl dieser Beispielsatz gesendet: "Rundherum zerstritten zeigten sich heute Regierungskoalition und Opposition im Bonner Bundestag." ?

Wenn man die semantischen Stereotype, aus denen die einzelnen Sätze der "Tagesschau" zusammengebaut werden, nach ihrer Bedeutung ordnet, erhält man die 23 (themenunabhängigen) Bedeutungsfelder der "Tagesschau": Standpunkt, Wahrheit & Ermittlung, Sprechen & Entscheiden, Freundschaft & Bruch, Beziehung & Konflikt, Kampf & Konkurrenz, Amt & Rücktritt, Macht & Freiheit, Recht & Regel, (Un)Ordnung & Plan, (Dis)Kontinuität, Zeit, Anwesenheit-Fortbewegung-Besuch, Aktiv & Passiv, Mühe-Hindernis-Fortschritt, Zuversicht & Gefahr, Sicherheit & Abwehr, Unglück-Schaden-Tod, Gewalt & Verbrechen, Alltag-Technik-Arbeit-Handel, Geld, Quantität & Qualität und schließlich eine kleine Gruppe mit inhaltsarmen Sätzen ("So ist es.").

Jeder Satz enthält an herausragender (methodisch identifizierbarer) Stelle ein "tagesschau"-typisches sinnzentrierendes Wort, das ihn vorrangig einem dieser 23 Bedeutungsfelder zuweist. Zu diesen Wörtern gehören etwa: verständlich, abrücken, öffentlich, untersuchen, erklären, Forderung, Gespräch, Meinungsverschiedenheit, Verhältnis, Streit, Demonstration, wählen, Verantwortung, Opposition, verhaften, rechtswidrig, Affäre, vertagen, eröffnen, schnell, versammeln, begrüßen, aktiv, mitwirken, scheitern, Ergebnis, befürchten, abwenden, fehlen, verletzt, Brandstiftung, Täter, einweihen, Arbeitsplatz, Geld, Prozent, höher, günstig. Gut 450 solcher Stichwörter kennzeichnen drei Viertel aller Sätze. Dadurch, daß sie immer wieder vorkommen, bilden sie sozusagen das semantische Rückgrat der "Tagesschau": an ihnen erkennen wir, daß wir uns in der Welt der "Tagesschau" (und nicht etwa eines Romans oder auch einer Tageszeitung) befinden. An ihnen kristallisiert sich in jedem Satz eine andere Umgebung, die freilich ihrerseits wie aus der Lostrommel aus einem feststehenden Repertoire sprachlicher Möglichkeiten und Versatzstücke zusammengemischt ist und dann nur noch mit aktuellen Daten (Eigennamen, Zeit- und Ortsangaben) gewürzt zu werden braucht.

Umgekehrt (bottom-up) betrachtet: Es gibt ein festes Inventar texttypischer Seme, die teils als einzelne Wörter (z.B. "offenbar"), teils als stilistisch variable Syntagmen (z.B. "steht unmittelbar bevor", "versicherte heute, daß", "als Grund nannte er", "beendete seine x-tägige Reise nach y") realisiert werden. Insbesondere schöpft die "Tagesschau" aus einem festen Repertoire von 14 imaginären Tableaus (z.B. "Reise und Begegnung", "Tod, Unglück, Unwetter") sowie 255 kleinen Bedeutungsfeldern (die zu jenen 23 großen Bedeutungsfeldern gruppiert werden können). Zu ihnen gehören jeweils bestimmte, immer wiederkehrende sprachliche Formulierungen, die - tableau- und feldüberschreitend - untereinander in weitgehend beliebiger Reihenfolge zu ganzen Sätzen zusammengemischt werden können.

Der größte Teil des Textes (auch der meldungseröffnenden Sätze) wird also sozusagen in freier Kombination aus einem semantischen Baukasten zusammenmontiert, dessen Bauteile untereinander vollständig kompatibel sind. Wollte man sie, um in der Metapher zu bleiben, nach Gebrauch wieder einordnen, so passen sie in einen zweidimensionalen Bedeutungsraum (mit den Koordinaten "Heil/Unheil" und "viel/wenig Bewegung"), dessen Koordinatenpunkten sämtliche nicht-deiktischen Sprachstücke, aus denen die Sätze bestehen, eindeutig zugeordnet werden können.

Auf diese Weise wird das Symbolfeld (Bühler 1934:149 et passim) der "Tagesschau"-Texte konstruiert. Dabei entstehen Variablen fürs Zeigfeld, in welche die deiktischen Sprachstücke einzusetzen sind. Deren Menge kann man sich als eine einfache Datenbank vorstellen. Darin stehen insbesondere Eigennamen und eigennamenähnliche Wörter; sie machen ein Siebtel aller laufenden Wörter im Text aus. Diese inaginäre Datenbank muß zwar grundsätzlich variabel sein, braucht aber, zum Beispiel innerhalb eines Jahrzehnts, in großen Bereichen (z.B. Namen von Institutionen und Ländern) fast nie und in den anderen Bereichen (z.B. Personennamen) nur vergleichsweise selten aktualisiert zu werden. Das gilt auch für die Wahrscheinlichkeit ihres Vorkommens im Text.

Mit diesem Wissen nun, das aus empirischen Untersuchungen tatsächlich gesendeter Texte gewonnen wurde, können wir unverwechselbare "Tagesschau"-Texte jetzt auf gedankenlos-technische Weise verfassen. Aus dem Setzkasten der "Tagesschau" verknüpfe man beispielsweise das semantische Stereotyp F4.4 (Partner; unsere Numerierung) mit Tableau T6.1 (Verhandlung) und erhält als Bedeutungskern etwa "Tarifpartner gehen wieder an Verhandlungstisch". Dann menge man die Kombination F11.10 (Überraschung) und T1.4 (dafür-dagegen sein) hinzu und erhält als Ergänzung etwa "Überraschend ist x gegen t". Durch Instantiierung der Variablen ergibt sich der tatsächlich gesendete Satz: "Nach dem überraschenden Nein der Hafenarbeiter zum neuen Lohnabkommen gehen die Tarifpartner wieder an den Verhandlungstisch." In ähnlicher (hier nicht detailliert zu beschreibender) Weise lassen sich so gut wie alle "Tagesschau"-Sätze, mögen sie von der Redaktion, von Korrespondenten oder von interviewten Persönlichkeiten stammen, aus ein und demselben begrenzten und mehr oder weniger unveränderlichen Repertoire von Bedeutungsstücken erzeugen.

7. Nachrichten aus der Maschine

Im Prinzip also kann der Text einer "Tagesschau"-Meldung und auch einer ganzen Sendung nach einfachen Regeln durch eine weitgehend zufällige Ziehung und Mischung aus einem begrenzten Vorrat darstellerischer und sprachlicher Möglichkeiten erzeugt werden. Denn tatsächlich hat jede beliebige nicht ganz kleine Menge wirklich gesendeter "Tagesschau"-Texte (z.B. ein Monat) an der gleichen Diskurswelt teil und unterscheidet sich von anderen gleich großen Stichproben lediglich durch andere Mischung der Stücke aus gleichem Symbolfeld, durch andere indexikalische Elemente (insbesondere andere Eigennamen) und durch stilistische Variationen in nebensächlichen Details. Ein einmal entsprechend programmierter Computer mit Zugriff auf eine von Zeit zu Zeit aktualisierte Datenbank für relevante Eigennamen könnte auch in zehn oder zwanzig Jahren noch sendefähige Texte erzeugen.

Kurzum: Wenn man sich die sprachliche Konstruktion der Fernsehnachrichten etwas genauer anschaut, so zeigt sich ein - gemessen an Themenspektrum, Informationsfülle, Ansehen und redaktionellem Aufwand der "Tagesschau" - ziemlich simpler Mechanismus, den man recht leicht maschinell nachbauen kann. Man braucht dafür nicht einmal auf Verfahren der Künstlichen-Intelligenz-Forschung zurückzugreifen (Schmitz 1990b).

Das Programm dafür arbeitet im Prinzip so, daß es unter Beachtung der üblichen thematischen und dramaturgischen Komposition einer Sendung für jeden einzelnen Satz in mehreren Schritten die "tagesschau"-möglichen Bedeutungselemente weitgehend per Zufallsgenerator zusammenmischt und erzeugte Variablen (für Eigennamen etc.) mit tagesaktuellen Daten belegt. Gäbe es noch eine entsprechende Bildmaschine, so könnte die "Tagesschau"-Redaktion wegrationalisiert werden. (Überhaupt, sagt der sowjetische Psychologe A. N. Leontjew (1982:107), sei es das Schicksal von Operationen, also solchen - instrumentellen - Elementen von Handlungen, die keinem bewußten Ziel untergeordnet sind, "daß sie früher oder später zu Funktionen von Maschinen werden.")

Wieviele Zuschauer die mangelnde Übereinstimmung derart vollautomatisch erzeugter Nachrichten mit dem tatsächlichen Tagesgeschehen bemerken würden, wäre ein Experiment wert. Legt man aber Wert nicht nur auf die formale Authentizität, sondern auch auf den sachlichen Wahrheitsgehalt der Sendung, so könnten, was den Text angeht, ein oder zwei Halbtags-Redakteure ihren Arbeitsplatz behalten, um der Maschine zu Beginn der Textproduktion (also etwa zehn Minuten vor Sendungsbeginn) einige Fragen zu beantworten (Politiker-Reise oder Bundestagsdebatte? Kohl oder Jelzin? usw.).

Wohlgemerkt: es handelt sich hier nicht um Satire, sondern um arg gerafft zusammengefaßte Ergebnisse einer langjährigen und methodisch strengen empirischen Untersuchung. Wieso aber, fragt man sich dann, arbeitet die "Tagesschau"-Textredaktion auf eine Weise, die sich verhältnismäßig leicht maschinell simulieren läßt?

8. Routine und Weltbild

Das liegt nicht an besonderer Dummheit oder Hinterlist der Redakteure, sondern an den pragmatischen Bedingungen der Nachrichtenproduktion. Fernsehnachrichten werden unter beruflichen Bedingungen formuliert, die eine routinierte Textproduktion offenbar geradezu erzwingen. Unter hoher Arbeitsteilung und oft enormem Zeitdruck (manchmal werden Texte noch während der Sendung umformuliert) muß die Nachrichtenredaktion einen möglichst inhaltsreichen, unpersönlichen und wahren, leicht änderbaren und leicht kürzbaren Bericht von genau festgelegter Dauer (z.B. dreizehneinhalb Minuten) über eine große Fülle teils sehr verschiedenartiger Ereignisse verfassen, die wenige Stunden oder auch Minuten vorher erst stattfanden. Teamwork, Tempo, Informationsfülle, Objektivität, Flexibilität, Kürze, Aktualität - das sind gegensätzliche Ansprüche, die nicht alle zugleich völlig befriedigt werden können. Private Sender verzichten meist auf die Strenge besonders der Objektivitätsforderung und können deshalb salopper sein. Die besondere Textform der "Tagesschau" hingegen bietet eine rationelle Prozedur zur bestmöglichen Erfüllung aller Anforderungen.

Insbesondere erlaubt die effektive Technik gemäßigt-aleatorischer Textproduktion aus Fertig- und Halbfertigteilen, die Spannung zwischen Aktualitätsdruck und Objektivitätsanspruch wenn nicht wirklich aufzulösen so doch zumindest auszuhalten. Werden Texte nämlich in einem "Routineprogramm" - so nennt Luhmann (1971:118) Entscheidungsabläufe, in denen bestimmte Informationen die Wahl bestimmter Kommunikationen auslösen - verfaßt bzw. redigiert, so spart das erstens Zeit und vernichtet zweitens subjektive Spuren individueller Autoren. Daß die Routine, technisch betrachtet, weitgehend vom Zufall gesteuert wird, läßt sie jeden Tag unerwartete Ergebnisse erzeugen, die man für aktuell hält.

Unter dem Druck pragmatischer Sachzwänge, die sich aus den Erwartungen an die Fernsehnachricht ergeben, hat sie also ein technisches Verfahren zur industriellen Produktion von Sinn erfunden. Und das führt Ideologisches mit sich.

Zum einen erscheint nämlich das Bild der Welt, das da produziert wird, als ebenso immun gegenüber subjektivem Einfluß wie diese selbst. Unveränderlichkeit der Verhältnisse und Beliebigkeit der Ereignisse sind zwei Seiten derselben Welt zufallsgesteuerten Schicksals. Konstruktionstechnisch verteilen sie sich auf das feste Repertoire der Bedeutungselemente bzw. die Aleatorik ihrer Mischung, sprachlich auf die im Text immer wiederkehrenden stereotypen Floskeln bzw. die täglich aktuellen Namen und Zahlen. Geschehen bedeutet, um in der Sprache von André Jolles' (1930) Abhandlung über "Einfache Formen" zu reden, Notwendigkeit als Zufall.

Zum anderen muß das Baumaterial eines Textes natürlich zu dessen Bauweise passen. Und wenn die Bauweise die kaum eingeschränkte Kombination aller Stücke mit allen erlaubt, so müssen die Stücke auch ihrem Sinn nach universell kompatibel sein: wie ein offenes Puzzle, dessen Teile in beliebiger Kombination ein Bild ergeben. Die semantischen Bauteile des "Tagesschau"-Textes sind tatsächlich, was hier nicht im einzelnen vorgeführt werden kann, auf diese Weise zerstückt. (Im Sinne von Husserl (1913:267): "Die Einteilung eines Ganzen in eine Mehrheit sich ausschließender Stücke nennen wir eine Zerstückung desselben.")

9. Katastrophe in Stücken

Nehmen wir nur ein Beispiel: die Katastrophe. "Die amerikanische Millionenstadt New York steht vor einer Katastrophe." So lautet der erste Satz einer Meldung. (Ist das überhaupt eine Nachricht?) "Katastrophe", "steht (be)vor" kennen wir als typische "Tagesschau"-Floskeln. Katastrophen könnten auch "drohen" oder allerlei anderes tun, die Stadt oder sonst wer könnte auch vor einem "Streik", einem "Jubiläum" oder ähnlichem stehen. Hören wir, was die "Katastrophe" ausmacht: "Wegen des Schneefalls sind alle Flughäfen geschlossen." So der zweite Satz. Es folgt einer über die Kosten für Überstunden der Stadtreinigung (2,5 Millionen Mark), einer über fehlende Blutkonserven in Krankenhäusern und dann allerlei über Schneestürme in anderen Teilen der USA. Die "Katastrophe" (die ja noch gar nicht eingetreten ist) dient also als sachlich unbegründetes Merkzeichen, nicht als erklärender oder erklärter Begriff.

Vierzehn Tage vorher kämpfen andernorts, nämlich "370 Kilometer vom Ort des Zusammenstoßes" zweier Schiffe entfernt, "Arbeiter mit Strohballen gegen die drohende Ölpest." Drohend? Ölpest? Hundertmal gehört, also was gibt's heute neues? "Die große Katastrophe ist jedoch bisher ausgeblieben." Ein typischer "Tagesschau"-Satz, so wie "Zu Zwischenfällen kam es nicht" oder "Beschlüsse wurden heute nicht gefaßt" - manchmal will sich die Wirklichkeit einfach nicht der Action-Sucht der Nachricht fügen. Im nächsten Satz wird, ungewöhnlich genug, eine Begründung angekündigt (die immerhin einen Zusammenhang zwischen zwei Sätzen herstellen würde). Er lautet: "Grund: der größte Teil des ausgelaufenen Öls treibt noch immer im Indischen Ozean." Das gilt offenbar nicht als Katastrophe - doch halt, wir lesen zu genau, wir suchen nach Zusammenhängen, wo es keine gibt. Ein paar Sätze weiter taucht das Leitmotiv, das keines ist, noch einmal auf: "Im nachhinein wirkt es fast wie ein Wunder, daß nicht längst eine größere Katastrophe zu verzeichnen war." War dies also doch eine?

Egal. Darum geht es gar nicht. Es geht um Distanz, um die Aura distanzierter Objektivität ("zu verzeichnen") gerade des unmittelbaren Augenzeugen, dessen Rolle das bildreiche Medium ja stellvertretend für uns übernimmt. Sie wird durch die Technik zusammenhangloser Mischung altbekannter Floskeln erreicht. Gäbe es in der "Tagesschau" Geschichte, zumindest einen Zusammenhang zwischen gestern und heute, so erzeugte solche Distanz das "Gefühl des Erhabenen", welches "die Ruhe der Anschauung trotz der Bedrängnis der nackten Existenz erlangt" - so Blumenberg im "Schiffbruch mit Zuschauer" (1979:58f unter Bezug auf Schopenhauer). Wo aber nicht ein Schiffbruch vor Augen steht, sondern Stücke von beliebig vielen davon vorgezeigt werden, heißt Distanz: Objektivität als Teilnahmslosigkeit.

So weit das Beispiel, ein beliebiges unter zahllosen.

Ganzheit, hierarchische Ordnung oder Zusammenhang wird, abgesehen von der grammatischen Korrektheit jedes einzelnen Satzes, in der "Tagesschau" auf keiner Ebene hergestellt. Und Zusammenhang soll auch nicht hergestellt werden. Gerade in ihrer Stückhaftigkeit, die Zusammenhang positivistisch leugnet, gibt sich die Fernsehnachricht als ein über Zweifel erhabenes, objektives Bild der relevanten Tageswirklichkeit. Ja, Objektivität und Zerstückung scheinen einander zu bedingen: Zusammenhang erscheint als Deutung, Zusammenhanglosigkeit als Eigenschaft der abgebildeten Welt.

Nicht narrativ, sondern industriell erzeugt die "Tagesschau" Sinn. Es ist, seit über vierzig Jahren schon, der Sinn der Postmoderne: die Akzeptanz nämlich formaler Kompatibilität aller Bruchstücke (von denen es nur einen begrenzten Vorrat gibt), die Ideologie des Zusammenhangs der Zusammenhanglosigkeit.

10. Lebenswelt und Monument

Private Fernsehnachrichten gehen noch einen Schritt weiter. Sie verzichten auf die Illusion von Zusammenhang und Objektivität. Die Unauflöslichkeit des Widerspruchs von Aktualität und Objektivität hatte der "Tagesschau" gerade eine innere Textform aufgeprägt, die Orientierung durch tägliche Bestätigung des immer Gleichen schafft. Private Sender wollen zuallererst die Aufmerksamkeit des Zuschauers an sich binden. Deshalb soll auch Information vor allem unterhaltsam sein. Weitere Ziele sind dem untergeordnet. Private Sender unterhalten durch Ablenkung, öffentlich-rechtliche orientieren durch Wiederholung. Werden die flott unterhaltenden die ernst wiederholenden ablösen?

Assmann (1991) zufolge hat Kultur zwei Gesichter. Die eine Seite heißt die "Lebenswelt", nämlich "die unscheinbare Welt des Gebrauchs und Verzehrs, der Grundstrom unauffälliger Verrichtungen und Verständigungen, das Substrat alltäglicher Gegenstände und Gewohnheiten". Die andere Seite heißt das "Monument", nämlich "die »scheinbare« Welt der auf Sichtbarkeit und Dauer, Ehrfurcht und Verehrung, Imposanz und Bedeutung und, nicht zuletzt, auf Erinnerung angelegten Zeichen, die sich bewußt und scharf vom Hintergrund des Alltäglichen abheben" (ebd.11). Auf den ersten Blick können wir unsere zwei Typen von Fernsehnachrichten in dieses grobe Schema einordnen. Die flotten privaten gehören eher zur ?flüssigeren? Lebenswelt des Alltags und die rituelle "Tagesschau" eher zu den ?festeren? Monumenten des Festtags (und sei es auch nur des Feierabends).

"Die Lebenswelt als impliziter Sinnhorizont", so heißt es weiter bei Assmann (ebd.12), "stellt sich unmerklich immer wieder her"; deshalb kennzeichnet sie ein "sich wandelnder Nahhorizont" (ebd.17). Zu ihr gehört der innerhalb einer Kultur selbstverständliche, nicht thematisierte Sockel gemeinsamer Werte und Vorstellungen, auf denen soziales Handeln aufruht (ebd.12). Zur Lebenswelt gehört das alltägliche, dialogische, fließende und flüchtige Wort. Fernsehen insgesamt nun hat trotz seiner institutionellen Ferne daran teil; doch die privaten Nachrichten legen es gerade darauf an, möglichst unmittelbar in das Alltagsleben der Zuschauer einzugreifen.

Kultur als Monument hingegen meint die Seite der Kultur, "die sich inszeniert, die sich für die Mit- und Nachwelt zur Schau stellt, die gesehen, bewahrt, erinnert sein will." (ebd.13) Eindeutig stellt die "Tagesschau" nicht nur den Tag, sondern vor allem sich selbst zur Schau. Sie soll gesehen, nicht unbedingt aber bewahrt und erinnert werden. Das gilt für alle Fernsehnachrichten. Sie sind inszeniert, um Aufmerksamkeit zu heischen. Doch in der Konkurrenz um Aufmerksamkeit (vgl. Franck 1993) sind private schnellebig und modisch, die "Tagesschau" aber beständig und konservativ. Die privaten inszenieren sich in der Manier einer vermeintlichen Lebenswelt, die "Tagesschau" aber als Monument.

Alle Fernsehsendungen sind stilisiert. Stilisierung ist "Wille zur Form mit der Absicht der Steigerung von Sichtbarkeit" (Assmann 1991:14). Nur wenige aber sind Monument. "Statuen und Bauwerke, Texte und andere kulturelle Artefakte dürfen als Monumente verstanden werden, wenn sie über die Eigenschaft der Stilisierung hinaus eine an die Mit- und Nachwelt gerichtete Botschaft kodieren. Monument ist, was dazu bestimmt ist, die Gegenwart zu überdauern und in diesem Fernhorizont kultureller Kommunikation zu sprechen." (ebd.14) Gilt das auch für Fernsehsendungen?

Private Programme leben gewöhnlich allein für den Augenblick. Auch die "Tagesschau" ist für den einzelnen Tag gemacht. Wir sahen aber, daß sie aus immer gleicher Quelle schöpft. Ihr Mechanismus hat Geschichte sogar stillgestellt. So gesehen überdauert sie den Tag. Sie ist und bedeutet uns heute das gleiche wie vor zwanzig Jahren; das ist heutzutage ein langer Zeitraum. Als beharrendes Moment in flüchtiger Zeit ist sie schon Monument. Ihr Fernhorizont übergreift Jahrzehnte. Zwar scheint sie für die Gegenwart bestimmt. Je älter sie wird, desto mehr fossiliert sie jedoch. Gleiches gilt für die traditionellen Monumente ja auch. Das Taj Mahal (zum Beispiel) sagt aktuell: ?Meine Frau ist tot, ich liebe sie, wir wollen ewig leben.? Die "Tagesschau" sagt: heute war so, wie es immer war und bleiben wird. Der Unterschied zwischen dem klassischen und dem massenmedialen Monument liegt vor allem im materiellen Substrat. Das Taj Mahal ist aus Stein gebaut und einzigartig; die "Tagesschau" ist bloß elektronisch präsent und jederzeit massenhaft reproduzierbar. Jede einzelne Sendung realisiert die zugrundeliegende, klassisch zeitlose Form.

Wie sieht es nun mit der Sprache aus? Zum Monument gehört, was Bachtin das autoritätsgesicherte, alltagsentrückte, abgeschlossene und unteilbare Wort nennt, deutlich abgehoben, kompakt und träge (ebd.16). Das alles trifft auf die "Tagesschau" zu. Dagegen "Die Sprache des Alltags ist eine Sprache der Nähe, die uns mit den Zeitgenossen verbindet, die des Festtags ist eine Sprache der Distanz, die uns mit den Vorfahren verbindet." (ebd.11) Das irritiert. Die flotten privaten Fernsehnachrichten bemühen sich gerade um Nähe, Anknüpfung an und Eingriff in die Lebenswelt der zuschauenden Zeitgenossen. Die Sprache der "Tagesschau" hingegen ist so distanziert, daß viele Zeitgenossen immer noch offiziöse Regierungsverlautbarung darin hören. Aber Vorfahren?

Vielleicht ist die idealtypische Unterscheidung von Lebenswelt und Monument zu ridige. Es gibt Übergänge und Zwischenformen. Auf der "Suche nach der Vielgestaltigkeit kultureller Sinnprozesse, Erfahrungräume und Zeithorizonte" (Assmann 1991:15) finden wir Fernsehnachrichten irgendwo auf einem Kontinuum, das Alltagswelt und Zeitlosigkeit überspannt. Private Fernsehnachrichten biedern sich an die Lebenswelt an, während die "Tagesschau" sie flieht. Sie bindet uns aber nicht an Vorfahren, weil sie Erinnerung nicht kennt und Erzählung durch ein Verfahren ersetzt. Dieses oben beschriebene Verfahren der Textproduktion ordnet alltägliche Ereignisse in ein (vermeintlich) Unveränderliches ein. Eben das gilt als Leistung des Mythos (z.B. Kolakowski 1974:7,58). Die "Tagesschau" erfüllt mythische Funktionen, gibt aber keinen Mythos an die Hand. Das vermeintlich Unveränderliche, auf das der Mythos einzelne Begebenheiten bezieht, um sie verstehbar zu machen, ist im Falle der "Tagesschau" nicht ein geschlossener Inhalt (eine große Erzählung, eine Geschichte), sondern zunächst eine bloß verfahrenstechnisch geschlossene Form, die alles gleich gültig und längst bekannt macht. Das Monumentale bezieht sich daher nicht auf Geschichte, sondern auf Geschichtslosigkeit: Ereignisse aus Lebenswelten werden als immer gleiche Stücke monumentalisiert.

Deshalb ist die "Tagesschau" ein flüchtiges Monument. Für Assmann (ebd.22) ist mit dem Begriff ?Monument? "alles assoziiert, was als Pol des Festen dem des Flüssigen entgegengesetzt ist." In ihrer sichtbaren Erscheinung ist die "Tagesschau" flüssig, in ihrer seit Jahrzehnten fortgesetzten Wiederholung freilich fest. Eben darin liegt das Geheimnis ihres Erfolgs. Sie ist ein Monument des Alltags. Während private Fernsehnachrichten lebensweltliche Ablenkungs-Bedürfnisse abdecken, befriedigt die "Tagesschau" monumentale Orientierungs-Wünsche in der unüberschaubaren Hektik des täglichen Einerlei.

Damit wird Virilios (1994:62) These relativiert, derzufolge "die Dauer ebenso der natürliche Feind der Medien ist wie das Wasser der des Feuers"; Medien vernichteten all das, "was von Dauer ist und Bestand hat". Inmitten unfaßbarer Beschleunigung der Lebenswelt errichtet die "Tagesschau" ein Monument der Beharrlichkeit. Anders als andere Monumente enthält sie freilich weder Mahnung noch Hoffnung. Sie ist leer und langweilig. Je häufiger und je genauer man sie betrachtet, desto klarer tritt das hervor. Wie Flaubert (1959:248) in einem anderen Monument schreibt: "Der Reiz der Neuheit fiel nach und nach von ihr ab wie ein Kleid, und zum Vorschein kam in seiner ganzen Blöße das ewige Einerlei der Leidenschaft, die immerfort die gleichen Formen und die gleiche Sprache hat."

Literatur

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