Der Deutschunterricht 4/2005: Sehflächen lesen

Schmitz, Ulrich; Renner, Ursula (Hrsg.) (2005)

Seelze: Friedrich Verlag 2005.

 

Inhalt

2         Ulrich Schmitz
            Sehflächen lesen.
            Einführung in das Themenheft

6         Wolfgang Kemp
            Wortillustration oder Strukturillustration?
            Der Utrecht-Psalter als Bilderhandschrift

14       Ursula Renner
            Fundstücke – zu W. G. Sebalds „Austerlitz“

25       Stefanie Kreuzer
            Fotografie : Text. Die frühen visuell-poetischen
            Arbeiten von Jochen Gerz

38       Dietrich Grünewald
            Bild-Sprach-Spiele. Anmerkungen zur Einheit
            Von Bild und Sprache im Comic

51       Konrad Ehlich
            Sind Bilder Texte?

61       Steffen-Peter Ballstaedt
            Text-Bild-Kompositionen im Unterrichtsmaterial

Forum

71       Forschungsbericht
            Michael Baum
            Strenge Aufgaben und heitere Bilder?
            Probleme der Illustration von Lesebüchern

77       Unterrichtsanregungen
            Sascha Reuen
            Fotoromane im Deutschunterricht

85       Forschungsbericht
            Gisela Bürki
            Schriftliche Kommunikationsformen
            Von Zürcher Jugendlichen.
            Umfrage für eine Forschungsarbeit der Lehrerinnen- und
            Lehrerbildung Bern

95       Filmische Sehschule

96       Impressum – Rückschau – Vorschau

Abstracts

06     Wortillustration oder Strukturillustration?
          Das Utrechter-Psalter als Bilderhandschrift

Die Themenstellung dieses Heftes wird am Beispiel des Utrecht-Psalters aufgegriffen, der berühmten karolingischen Bilderhandschrift, die sich eine sehr schwierige Aufgabe stellt: die Psalmen, also den Texttypus Hymnus, zu illustrieren. Die Forschung nennt das angewandte Verfahren Wortillustration. Hier wird etwas anderes behauptet: Die Illustratoren haben mit festem Blick auf die Medien und Formate Buchseite, Text und Bild die Psalmen auf ihre strukturbildenden Angaben hin abgehorcht und ihre Bilder zu selbst tragenden Gefügen ausgebaut. 

        Prof. Dr. Wolfgang Kemp, Hamburg

14     Fundstücke – zu W.G. Sebalds „Austerlitz“

W.G. Sebalds letzter Prosatext „Austerlitz“ (2001) führt nicht nur vor, wie Bilder als Bedingung der Möglichkeit von Erzählen funktionieren, sondern auch, wie das Sehen oder Auffinden von Bildern mit der Produktion von Bedeutung einhergeht. Bildmedialität steht bei Sebald im Dienst einer Gedächtnis- und Erinnerungsarbeit, bei der Bilder „as a token of authenticity“ und bedeutungsvolle Fundstücke dergestalt miteinander in Beziehung treten, dass Schauen und Lesen einander durchkreuzen, ablenken, steigern.

        Prof. Dr. Ursula Renner, Essen

25     Fotografie : Text. Die frühen visuell-poetischen Arbeiten von Jochen Gerz

Die frühen visuell-poetischen Foto/Texte des deutschen Gegenwartskünstlers Jochen Gerz (geb. 1940) zeichnen sich durch irritierende intermediale Konstellationen von Bild und Text aus, die nicht in einem hierarchischen Verhältnis aufzulösen sind und unbestimmt zwischen Authentizität, Fiktionalität und Autoreflexivität changieren. Indem die Fotografien und Texte ihre diversen Bezugsmöglichkeiten immer wieder konterkarieren, korrumpieren sie das bedeutungsgenerierende Bestreben des Kunstbetrachters und sensibilisieren für ihre medialen Qualitäten.

        Dr. Des. Stefanie Kreuzer, Wuppertal

38     Bild-Sprach-Spiele. Anmerkungen zur Einheit von Bild und Sprache
          im Comic

An einer Reihe detailliert kommentierter Beispiele werden Einheit und Beziehungen von Bild und Sprache in Comics beschrieben. Dabei zeigt sich, dass Sprache in geschriebener Form im Comic vorhanden sein kann, aber nicht muss, außerdem jedoch auch unsichtbar als Steuerungs- und Deutungsmittel, als „Sprachdenken“ wirkt. Unterrichtshinweise schließen den Beitrag ab.

                    Prof. Dr. Dietrich Grünewald, Koblenz

51     Sind Bilder Texte?

Angesichts des wachsenden Interesses an Bild wie Text lohnt der Versuch einer genauen Verhältnisbestimmung beider. Der Artikel charakterisiert Bilder wie Texte begrifflich, erörtert Nähe und Differenz von Bild und Text und kommt zu einer negativen Antwort auf die im Titel gestellte Frage. Der Beitrag endet mit einem Plädoyer für eine fächerübergreifende Didaktik der Differenz von Bild und Text.

                    Prof. Dr. Dr. H. C. Konrad Ehlich, München

61     Text-Bild-Kompositionen im Unterrichtsmaterial

Neue Formen der Text-Bild-Komposition in den Medien verlangen produktive und rezeptive Kompetenzen im Umgang mit multikodalen Kommunikaten. Grundlage ist die Kenntnis der kognitiven Prozesse bei der Verarbeitung derartiger Sehflächen. Dazu dienen Befunden zum ersten Eindruck, zur Auswertung mit Blickbewegungen und zur begrifflichen Verarbeitung. Viele Prozesse lassen sich über die Gestaltung von Sprache, Bild und Typographie beeinflussen, In den Lese- und Arbeitsbüchern für den Unterricht finden zwar Bilder in verschiedenen Funktionen zunehmend Eingang, aber komplexe Text-Bild-Kompositionen, wie wir sie aus den Medien kennen, sind noch ausgespart.

            Prof. Steffen-Peter Ballstaedt, Gelsenkirchen

 

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