AutorInnen:
Christoph Bräuer & Melanie Brinkschulte

Aufsatztitel:
OBST 88: Akademisches Schreiben – Lehren und Lernen: Einleitung

Heftnummer:
88

Seiten:
7-12

Einleitung

Akademisch schreiben zu können, ist eine zentrale Schlüsselkompetenz, um ein Studium erfolgreich abzuschließen. Als komplexes Zusammenspiel von Fähigkeiten und Fertigkeiten muss eine akademische Textkompetenz (Schindler/ Siebert-Ott 2012) nicht nur beherrscht, sondern zuallererst gelernt und gelehrt werden. Mit dieser Feststellung sind zugleich drei Fragen in der Diskussion um das akademische Schreiben angestoßen: Die Frage nach den zu beherrschenden Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Frage nach dem Ort ihres Erlernen im Übergang von Schule zu Hochschule und die Frage nach den Formaten ihrer Vermittlung.

Akademische Textkompetenzen sind in den vergangenen Jahren zu einem Gegenstand intensiver Forschung in der Fachdidaktik Deutsch – exemplarisch sei auf die Projekte „AkaTex“ der Universitäten in Siegen und zu Köln und „Eristische Literalität“ der Universität Gießen sowie auf die Studien von Steinhoff (2007) und Pohl (2007) hingewiesen – und in der interdisziplinär ausgerichteten Angewandten Schreibwissenschaft (z. B. Girgensohn 2007) geworden. Daran anknüpfend, versammelt der vorliegende Band unterschiedliche Ansätze, die die Vermittlung propädeutischer Bildung im Übergang von Schule zu Hochschule modellieren und evaluieren. Die Interventionskonzepte und Forschungsprojekte reagieren damit auf die Probleme Studierender im akademischen Schreiben an Hochschulen. Sie begegnen damit aber auch bildungspolitischen Forderungen, die ihrerseits durch die Didaktik kritisch zu beleuchten sind. Viele administrative Vorgaben, die gerade in Hinblick auf schulische Propädeutik gemacht werden, erscheinen vor dem Hintergrund der Komplexität akademischer Textkompetenz kaum einlösbar und überfordern Lehrkräfte und Schüler*innen der Oberstufe gleichermaßen (vgl. Steinmetz 2013). Auch dies zeigt der vorliegende Band in kritischer Perspektive. Aus bildungspolitischer Sicht ist dennoch ein wesentlicher Schritt für die deutschsprachige Schreibausbildung getan: Akademisches Schreiben ist als komplexer Lerngegenstand sowohl in Schule als auch Hochschule anerkannt. Für die bundesdeutsche Bildungsadministration lässt sich so zeigen, wie sie akademische Schlüsselkompetenzen zum Bildungsauftrag sowohl für Schule als auch für die Hochschule macht, um den Übergang für Lernende zu erleichtern.

 

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