AutorInnen:
Schirrmeister, Claudia

Aufsatztitel:
Vermisste Reflektionen: Die Kochbuchrezension im Schatten des Kochbuchs

Heftnummer:
87

Seiten:
93-111

Die Textsorte „Rezension“ entstand mit dem Aufkommen journalistischer Publikationen und der damit einhergehenden bürgerlichen Öffentlichkeit. Zunächst nur für ein wissenschaftliches Publikum verfasst, sind heute Rezensionen über nahezu alle kulturellen Veranstaltungen und Produkten in den diversen ausdifferenzierten Printmedien zu finden. Kurzum: Es wird das rezensiert, was aus Sicht der Herausgeber und Redakteure auf Interesse bei ihrer jeweiligen Leserschaft stoßen könnte. Der Rezensent bewertet und beurteilt in seinem Text, er lobt, kritisiert, empfiehlt den Kauf oder rät davon ab, womit der Rezension auf dem Medienmarkt eine nicht unbedeutende ökonomische Machtposition zukommt. Und die überträgt sich auch auf den Rezensenten; viele umgibt ein Nimbus des Expertentums, sie werden zu gefragten Persönlichkeiten, manche erreichen Starstatus.

Das Kochbuch allerdings schien lange Zeit ein Schattendasein als Rezensionsobjekt zu fristen; die als profan betrachtete Tätigkeit des Kochens erschien nicht angemessen, um mit einem journalistischen Artikel gewürdigt zu werden. Erst im Zuge des sich in den letzten Jahrzehnten entwickelten Prestiges des Kochens und des medialen Hypes um unsere Esskultur sollte auch das Kochbuch, das inhaltlich-formal in die Kategorie der Ratgeberliteratur gehört, zum Rezensionsgegenstand avancieren. Bis auf wenige Ausnahmen jedoch finden sich hier noch kaum elaborierte Rezensionen; Kochbücher werden sozusagen von „Laien“ vornehmlich in Online-Bloggs in einem persönlich-familiären Duktus vorgestellt und diskutiert.

Zurück