AutorInnen:
Haß, Ulrike

Aufsatztitel:
Kochen als enzyklopädische Herausforderung

Heftnummer:
87

Seiten:
17-44

In diesem Beitrag wird untersucht, auf welche Weise Wissen übers Kochen in enzyklopädischen Lexika sprachlich realisiert wird. Dazu müssen erstens das spezifische Potenzial des Themas Kochen, zweitens die Textsorte Enzyklopädie sowie drittens ein für diese Untersuchung angemessener Begriff von Wissen näher bestimmt werden. 

Das Thema Kochen stellt einen besonders interessanten Grenzbereich dar, in dem sich alltägliches und fachliches, prozedurales und propositionales Wissen vermischen bzw. aufeinandertreffen. Dieser Grenzbereich stellt das enzyklopädische Schreiben vor Herausforderungen, die im Laufe der Enzyklopädie-Geschichte unterschiedlich beantwortet worden sind.

Zur Textsorte ‚enzyklopädisches Lexikon‘ existieren bisher kaum linguistische und noch weniger lexikografische Forschungen, wie es sie zu Wörterbüchern gibt. Enzyklopädien sind bisher v. a. im Rahmen der Geschichtswissenschaft als eine nützliche und diskursrelevante Quellengattung eingeordnet und ausgewertet worden. Es ist zwar unmittelbar ersichtlich, dass es in Enzyklopädien verschiedene Artikeltypen gibt und dass Artikel zu Personennamen, geografischen Namen und vielen historischen Themen vorzugsweise chronologisch strukturiert sind, aber für Themen aus der universellen Domäne des Kochens liegt die Struktur des Artikeltexts nicht von vorneherein fest. Als typische enzyklopädische Art der Themenentfaltung ist eine Mischung aus Deskription und Explikation erwartbar, doch wird zu zeigen sein, dass durchaus auch appellative Sprachhandlungen vorkommen, wie sie für Kochrezepte, d. h. Anleitungstexte, typisch sind.

 

Zurück