AutorInnen:
Reisigl, Martin

Aufsatztitel:
Österreichischer Rechtspopulismus im Zeitalter von Mediendemokratie und medialer Erlebnisgesellschaft

Heftnummer:
86

Seiten:
71-99

Der Beitrag diskutiert und illustriert am Beispiel der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) und insbesondere ihres Parteichefs Heinz-Christian Strache, wie Rechtspopulismus und Mediokratie aufs Engste verbunden sind. Er beginnt mit einer begrifflichen Bestimmung von „Populismus“ als inhaltsbezogenen und medienabhängigen Modus der politischen Artikulation und einer allgemeinen Erläuterung der Kommunikationsabhängigkeit des Populismus. In diesem Zusammenhang wird die Rolle der Darstellungsfunktion, Appellfunktion, phatischen Funktion und emotiven bzw. expressiven Sprachfunktion für Populismus aufgezeigt. An ausgewählten Beispielen aus dem österreichischen Kontext entfalten sich dann allgemeine Reflexionen dazu, wie in der modernen politischen Außenkommunikation mittels neuer digitaler Medien und bisher unüblicher Kommunikationsformate (z. B. Facebook, Comics, Rap-Songs) die Logik der Medien – mit ihren Prinzipien der Selektion und Präsentation – den Bereich des Politischen kolonisiert. Dabei wird dargestellt, wie etwa auf Facebook private Nähe zwischen dem populistischem Leader und seinen Anhänger_innen virtuell simuliert und wie das Anklicken des Like-Buttons zu einem sportlichen Wettkampf und einer Pseudowahl hochstilisiert wird. Welche Gefahren von der massenmedialen Virtualisierung der Demokratie zudem ausgehen, wird in der Analyse eines islamophoben FPÖ-Comics offensichtlich, der dem Prinzip der kalkulierten Ambivalenz folgt, um durch die Fiktionalisierung und Narrativisierung einer agitatorischen islamophoben Politik dem strafrechtlichen Tatbestand der Verhetzung nur knapp zu entgehen. Die Ergebnisse der exemplarischen Analysen stützen die Vermutung, dass das deliberative Potential der neuen elektronischen Medien von einer rechtspopulistischen Partei wie der FPÖ kaum genutzt wird.

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