AutorInnen:
Konrad Ehlich

Aufsatztitel:
Sprach(en)aneignung – mehr als Vokabeln und Sätze

Heftnummer:
83

Seiten:
21-37

Der Beitrag plädiert für einen Blick auf die ein- wie mehrsprachige Sprachaneignung, der sich nicht auf den engen Bereich von Grammatik und Lexikon beschränkt. Die Aneignung von Sprache wird als eine komplexe Ermöglichung kommunikativen Handelns durch das Kind gesehen. Mit dem Konzept der Basisqualifikationen werden unterschiedliche Aspekte eines breiten Qualifikationenfächers benannt. Einsprachig aufwachsende wie mehrsprachig aufwachsende Kinder gestalten die Aneignung dieser Handlungsmöglichkeiten im kommunikativen Handeln selbst. Bildungsinstitutionen können die Aneignungsprozesse fördern – leider aber auch hinderlich dafür sein. Sprachensensibilität der Lehrpersonen und Kenntnisse über die komplexen Wechselverhältnisse der verschiedenen Basisqualifikationen sind für einen aneignungsförderlichen Unterricht wichtig. Verfahren zur Bestimmung der individuellen Fortschritte in der Aneignung der Sprachen und zu den Fördererfordernissen und -möglichkeiten stellen eine große Herausforderung dar, die vor mehreren Schwierigkeiten steht. Die wichtigsten sind die Prozessualität von Sprachaneignung und die Gewinnung von individualisierbaren, interpretierten Ergebnissen. Der gegenwärtige Stand in der Entwicklung von Verfahren ist wenig befriedigend. Vor allem fehlt es an einer praxisoffenen Grundlagenforschung. Angesichts dieser Situation sind alle Beteiligten zu einem umsichtigen und vorsichtigen, zugleich aber stetigen analytischen wie pädagogischen Handeln aufgefordert.

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