Autorin:
Stephanie Risse

Aufsatztitel:
Zu deiktischen und phorischen Prozeduren beim Sprechen über Geschichte

Heftnummer:
82

Seiten:
113-131

Im vorliegenden Artikel werden aus funktional-pragmatischer Sicht Überlegungen zu einigen Aspekten der Diskussion zum ‚kollektiven Gedächtnis‘ (M. Halbwachs) in Bezug auf historisch bedeutsame Ereignisse angestellt. Es geht um das sprachliche Verfahren, das als „leeres Sprechen“ (Welzer et al. 2002) bezeichnet wird, das aber bei genauerer linguistischer Analyse als Phorik und Deixis bestimmt werden kann. Dies wird an zwei unterschiedlichen Beispielen verdeutlicht, die zwar historisch unverbunden sind, die aber in ihrer Funktion für das kollektive Gedächtnis der jeweiligen Gruppe, einmal der Tiroler und zum anderen der Deutschen, durchaus vergleichbar sind. Als Grundlage dienen zum einen ein Interview mit dem Tiroler Erfolgsautor Felix Mitterer über zwei für die regionale Identität bedeutsame Persönlichkeiten der Tiroler Geschichte (Andreas Hofer und Michael Gaismair), zum anderen die Analysen von Welzer/Moller/Tschuggnall (2002) über Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis der Deutschen, illustriert an Interviews mit drei Generationen (Zeitzeugen der Zeit des NS, deren Kinder und Enkel). Da davon auszugehen ist, dass die Geschichte des NS im Gegensatz zur Tiroler Regionalgeschichte besser bekannt sein dürfte, wird im ersten Teil die Analyse der Verweisstrukturen im Interview Mitterers in einen ausführlicheren historischen Exkurs eingebettet.

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