Das Verhältnis von Geld und Ware als Übersetzungsproblem. Luthers Schrift Von Kaufshandlung und Wucher im Spiegel seiner Vorlesung zu Genesis 41

Autor:
Loleit, Simone

Aufsatztitel:
Das Verhältnis von Geld und Ware als Übersetzungsproblem. Luthers Schrift Von Kaufshandlung und Wucher im Spiegel seiner Vorlesung zu Genesis 41

Heftnummer:
81

Seiten:
245-263

Ausgangspunkt des folgenden Beitrags ist die Beobachtung, dass die Diskussion von Geld- und Wirtschaftsfragen in Von Kaufshandlung und Wucher (1524) Parallelen zu einem erweiterten Übersetzungsbegriff aufweist, der die Ermittlung von Werten und Bedeutungen und ihre Übertragung in eine andere Sprache bzw. einen anderen Kontext impliziert. Das Ökonomische erweist sich als Brücke zwischen sozialkritischen Aussagen und geistlichen Betrachtungen, wie an dem Josefsexempel aus Von Kaufshandlung im Vergleich mit einem Abschnitt aus der Genesis-Vorlesung verdeutlicht werden kann. Diese Brückenfunktion lässt sich an Luthers Beschäftigung mit einzelnen hebräischen Wörtern aus dem Bereich des Rechnens und Zählens weiter verfolgen. Da hierbei auch Metareflexe auf seine exegetische Methode erkennbar werden, legt dies nahe, dass semantische Fragen nicht nur für Luther als Exegeten relevant sind, sondern auch seine Textproduktion prägen. Anhand einzelner Stellen aus Von Kaufshandlung wird herausgearbeitet, dass scheinbar eindeutige Aussagen zu Geld und Handel von Anspielungen und Mehrdeutigkeiten durchsetzt sind, die eine vielschichtige Lektüre ermöglichen.

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