Linguistica ancilla mediorum? Sprachwissenschaft und Medien 1960 – 2010: Von kühler Distanz zu teilnehmender Beobachtung & von Textmaterial zu multimodaler Verblendung

Autor:
Schmitz, Ulrich

Aufsatztitel:
Linguistica ancilla mediorum? Sprachwissenschaft und Medien 1960 – 2010: Von kühler Distanz zu teilnehmender Beobachtung & von Textmaterial zu multimodaler Verblendung

Heftnummer:
78

Seiten:
113-127

In den letzten fünfzig Jahren ließen technische Entwicklungen und zunehmende gesellschaftliche Komplexität eine Vielfalt medialer Kommunikationsformen entstehen. Innerhalb des gesamten kommunikativen Geschehens gewann Sprachgebrauch in Medien erheblich an Einfluss und Beweglichkeit. Fortschreitende innere Differenzierung der Sprache, Flexibilisierung von Wortschatz und Morphosyntax, Fragmentierung von Texten sowie Hybridisierung von Medien- und Textsorten erweiterten das Spektrum linguistischen Interesses, befeuerten die pragmatische Wende weg von einer fast ausschließlichen System – hin zu einer starken Gebrauchsorientierung und erforderten sowohl interdisziplinär angelegte als auch empirisch anspruchsvollere Methodik. Die Auflösung der herkömmlichen Grenzen zwischen verschiedenen Kommunikationsmodi (Schriftlichkeit und Mündlichkeit, Text und Bild) zwingt die Sprachwissenschaft, ihre mediengeschichtlich bedingte Fixierung auf Schriftsprache hinter sich zu lassen.

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