Didaktik und Linguistik: Wie die Modellierung sprachlichen Wissens und Könnens mit dem Bestehenbleiben oder dem Überwinden von Bildungsschranken zusammenhängt

Autor:
Haueis, Eduard

Aufsatztitel:
Didaktik und Linguistik: Wie die Modellierung sprachlichen Wissens und Könnens mit dem Bestehenbleiben oder dem Überwinden von Bildungsschranken zusammenhängt

Heftnummer:
78

Seiten:
129-142

Der Beitrag konzentriert sich auf einen Aspekt, an dem exemplarisch aufzuzeigen ist, von welcher Art von „Wende“ Sprachdidaktik und Linguistik gleichermaßen profitieren könnten. Ausgangspunkt ist das bildungspolitische Problem, dass der Schulerfolg auch durch die soziale Herkunft der Schüler bedingt ist und dass diese Schieflage mit mangelnden Kompetenzen im schriftlichen Gebrauch der Landessprache Deutsch einhergeht. Bei der Modellierung der Lehr-Lern-Prozesse hätte die Sprachdidaktik die reflektierende Bezugnahme der Lernenden auf ihr eigenes sprachliches Handeln und damit auf die verfügbaren Ressourcen für den Aufbau einer „Sprache zweiten Grades“ in Betracht zu ziehen. Andernfalls wird die Grundidee volkssprachlicher Bildung verfehlt, der Ausbau von Vernakulären zu Bildungssprachen. Einsicht in die Notwendigkeit, schon bei theoretischen Modellierungen Sprachpraktiken systematisch in den Blick zu bekommen, besteht sowohl in der Sprachdidaktik als auch in der Linguistik. Ein wechselseitiger Austausch zwischen den Teildisziplinen ist aber weit entfernt von der irreführenden Vorstellung eines „Didaktisierens der Linguistik“.

Zurück