Lyrik in Verbindung mit Populärmusik

Autor:
Olsen, Ralph; Stoller, Maximilian

Aufsatztitel:
Lyrik in Verbindung mit Populärmusik

Heftnummer:
76

Seiten:
125-139

Im Jahre 2001 veröffent­lichten die Musikproduzenten Schönherz & Fleer erstmalig eine Lyrik-CD (Bis an alle Ster­ne), in der sie Gedichte von Rainer Maria Rilke von bekannten Persönlichkeiten lesen und Popmusik einfließen ließen. Gestützt auf einen Ästhetik-Begriff, der alltagskulturelle Phänomene in die Betrachtung aufnimmt, wird am Beispiel der Pop-Vertonung eines dieser Gedichte das spezifisch Ästhetische dieses modernen Konglomerates in literatur- und musikwissenschaftlicher Perspektive herausgestellt.
Rainer Maria Rilke, der deutsche Innigkeitsapostel, lag allzu lange bleischwer auf germanistischen Seziertischen oder war das Erbauungsfutter für pathetisch ausschweifende Damenseelen. Nun, seit Jahren schon, ist er – in einer etwas rauheren Umgebung – umringt von einer Schar deutscher Hiphop- und Filmgrößen. (http://www.hr-online.de/[…]b) Was geschieht, wenn ein Gedicht Rainer Maria Rilkes von einem bekannten Musiker rezitiert und dies gleichzeitig mit modernen Popmusikklängen verbunden wird? Die ausgesprochen hohen Verkaufszahlen der CD‘s, die zum so genannten Rilke-Projekt gehören, lassen eindeutig eine positive Aufnahme erkennen. Dem gegenüber gibt es immer wieder Stimmen, die in diesem Zusammenhang von einer Verschandelung deutscher Dichtkunst sprechen. Mit diesem Beitrag soll unter Anwendung literatur- und musikwissenschaftlicher Verfahren versucht werden, sich einem Musik-Lyrik-Konglomerat, das offenbar soziokulturelle Rezeptionsdifferenzen hervorruft, anzunähern.
Damit widmet sich der vorliegende Beitrag einem Forschungsbereich, der generell nur selten und äußerst vorsichtig betreten wird: dem Verhältnis von literarischer Sprache und Musik. Dieses Vorhaben ist ein Hineinwagen auf ein „Niemandsland zwischen zwei traditionsreichen Einzeldisziplinen“ (Scher 1984, 9). Erst unter Verwendung eines neueren Ästhetik-Begriffs können ‚alltagskulturelle‘ Phänomene, die weithin von den verschiedenen Wissenschaften ignoriert und bisweilen verachtet werden, angemessen untersucht werden. Insbesondere die Frage nach dem Ästhetischen der Popularmusik gehört zum ‚blinden Fleck‘ (vgl. von Appen 2007, 15-43) diesbezüglicher Forschungen.

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