Gedichtanalyse als didaktisches Problem. Gibt es eine Alternative zur Form-Inhalt-Interpretation?

Autor:
Lösener, Hans

Aufsatztitel:
Gedichtanalyse als didaktisches Problem.
Gibt es eine Alternative zur Form-Inhalt-Interpretation?

Heftnummer:
76

Seiten:
83+105

„Die Daktylen spiegeln den tänzerischen Charakter der Verse wider“, „Die dunklen u-Laute entsprechen der düsteren Stimmung der Strophe“, solche und ähnliche Feststellungen kann man in Musterinterpretationen für den Deutschunterricht immer wieder lesen. Sie implizieren ein bestimmtes Modell von Form und Inhalt, das den Umgang mit Gedichten in der Schule bis heute prägt. Sprachtheoretisch beruht es auf einer Projektion des Zeichenprinzips auf die Äußerungsebene: Der Text wird als Zusammensetzung aus einer Form- und einer Inhaltseite verstanden. Obwohl diese Vorstellung bei Gedichten an Ihre Grenzen stößt, hat die Form-Inhalt-Interpretation alle hermeneutischen Krisen – jedenfalls was den Deutschunterricht anbelangt – unbeschadet überstanden und wird vor allem in den höheren Klassen der weiterführenden Schulen nach wie vor als einzig mögliche Form der Gedichtanalyse gehandelt. Der folgende Beitrag fragt nach den Gründen dieser ungewöhnliche Erfolgsgeschichte (1 Stärken und Schwächen eines Erfolgsmodells), geht den rhetorischen Mustern nach, die das Verfahren charakterisieren (2 Eine Methode als Diskurs) und schlägt eine mögliche Alternative für den analytischen Umgang mit Gedichten im Unterricht vor (3 Sechs Fragen für die Lektüre eines Gedichts).

Zurück