Elitenmigration – ein blinder Fleck in der Mehrsprachigkeitsforschung?

Autor:
Erfurt, Jürgen; Amelina, Maria

Aufsatztitel:
Elitenmigration – ein blinder Fleck in der Mehrsprachigkeitsforschung?

Heftnummer:
75

Seiten:
11-42

Gegenstand des Beitrags ist die Beziehung von Migration und Sprache. Diese wird jedoch nicht in einem allgemeinen Sinne, sondern aus einem spezifischen Blickwinkel beleuchtet, um gleichermaßen Wahrnehmungs- wie Forschungslücken sichtbar zu machen. Die Spezifik besteht darin, dass einerseits Migrationsprozesse im Hinblick auf das Sprachverhalten von hochqualifizierten Migranten untersucht werden, jene also, die als Angehörige der Bildungs- oder Funktionseliten migrieren, die als ausländische Akademiker angeworben oder im Auftrag von Firmen oder Institutionen in andere Länder geschickt werden; andererseits, dass der Fokus auf deren Sprachpraxis und insbesondere deren Mehrsprachigkeit gerichtet wird. Dabei geht es darum zu untersuchen, was es bedeutet, hochqualifiziert, Migrant und mehrsprachig in einem zu sein. Folgende Fragen rücken in den Mittelpunkt: Welche Strategien verfolgen Hochqualifizierte, um mit sprachlicher Differenz umzugehen? Wie setzt sich ihr sprachliches Repertoire zusammen und wie setzen sie es ein, um ihre Qualifikation auf dem Markt der Möglichkeiten zur Geltung zu bringen? Mit welchen sprachlichen Hindernissen und Schwierigkeiten sind sie als Migranten konfrontiert? Da bislang nur wenige sprachwissenschaftliche Studien zu dieser Problematik vorliegen, versucht dieser Beitrag zu identifizieren, worin die sprachwissenschaftlichen Zugriffsweisen und die Forschungsperspektiven auf diesem Feld bestehen. Hierbei spielen a) die Prozesse des sprachlichen Ausbaus, insbesondere die Mehrschriftigkeit und der Ausbau der sprachlichen Register, b) die Prozesse und Kulturtechniken des Umgangs mit anderen Sprachen, c) die Positionen und Funktionen von Mehrsprachigen unter den gegebenen sprachlichen Rahmenbedingungen sowie d) die Dynamik der Konfiguration des sprachlichen Repertoires eine zentrale Rolle. 

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