Regionale Bildungs- und Sprachplanung – Die Beispiele Sheffield und FörMig

Autor:
Gogolin, Ingrid & Neumann, Ursula

Aufsatztitel:
Regionale Bildungs- und Sprachplanung – Die Beispiele Sheffield und FörMig

Heftnummer:
74

Seiten:
39-54

Die Entwicklung von de facto mehrsprachigen Gesellschaften in Europa – die gleichwohl ein einsprachiges Selbstverständnis pflegen können (vgl. Gogolin 1994) – ist zwar ein historisch keineswegs neues Phänomen, hat aber durch Migrationen eine größere Dynamik erhalten. Die europäischen Gesellschaften haben sich in unterschiedlicher Weise mit Migration und ihren gesellschaftlichen Folgen auseinandergesetzt. Sie haben insbesondere gesellschaftliche Inklusion der Zuwandernden verschieden gefasst: im einen Extrem als gesamtgesellschaftliche Aufgabe (so etwa Schweden und Großbritannien), im anderen als Bringeschuld der Zuwandernden (so etwa Deutschland). Ein gewichtiger Teil dieser unterschiedlichen Migrationsregimes ist die Inklusion der Kinder von Zuwandernden in das jeweilige Bildungssystem. In einigen europäischen Ländern gelingt es, insbesondere die sog. Zweite Generation von Zuwandernden so zu fördern, dass ihre Benachteiligung gegenüber Nichtgewanderten gering ist. In der Bundesrepublik Deutschland ist der Nachteil der im Land Geborenen und Aufgewachsenen höher als der von selbst zuwandernden Kindern oder Jugendlichen. Dies, so eine leitende These unserer Forschungsarbeit, ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass eine systematische Sprachbildungspolitik und -praxis in Deutschland bislang nicht etabliert wurde...

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