Grammatisierung beim Lesen?

Autor:
Funke, Reinold

Aufsatztitel:
Grammatisierung beim Lesen?

Heftnummer:
73

Seiten:
97-117

Der Beitrag definiert Grammatisierung beim Lesen als Identifikation syntaktischer Strukturen durch Lesende. Er setzt sich mit zwei Forschungstraditionen auseinander, die auf empirischem Weg die Frage zu beantworten versucht haben, welche Bedeutung die Identifikation syntaktischer Strukturen für Leseverstehen hat. Die erste dieser Traditionen orientiert sich am Begriff der syntaktischen Bewusstheit
(syntactic awareness) im Sinne einer metakognitiven Aufmerksamkeitszuwendung. Ihre Schwäche liegt darin, dass sie die Beachtung syntaktischer Merkmale mit der von Formeigenschaften gleichsetzt. Eine zweite, ältere Tradition geht von einem sprachtheoretisch fundierten Begriff von syntaktischer Struktur aus, unterscheidet aber nicht hinreichend zwischen sprachlicher und metasprachlicher Ebene. Im Fazit wird ein Vorschlag für einen neuen Ansatz zur prozessnahen empirischen Überprüfung des Ausmaßes, in dem Lesende syntaktische Strukturen beim Lesen erfassen, skizziert.

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