Evolutionäre Merkmale einer Kinesik: Nonverbales Verhalten im Ritualisierungsprozess

Autor:
Steen, Pamela

Aufsatztitel:
Evolutionäre Merkmale einer Kinesik: Nonverbales Verhalten im Ritualisierungsprozess

Heftnummer:
70

Seiten:
49*70

Menschen kommunizieren vornehmlich mittels verbaler oder körperlicher Zeichen. Die Fähigkeit zur Herstellung sprachlicher Symbole zeichnet den Menschen vor allen anderen Lebewesen aus, denn nur er ist dazu in der Lage, über ein gemeinsames arbiträres Zeichensystem zu kommunizieren, dabei von der jeweiligen Situation zu abstrahieren, wie auch diese zu thematisieren. In Face-to-Face-Interaktionen nimmt außerdem die körperliche Präsenz buchstäblich einen wichtigen Raum innerhalb der Kommunikation ein. Es scheint immer noch schwierig, das Phänomen der „nonverbalen“ Kommunikation, das in der Sprachwissenschaft hauptsächlich in Abgrenzung zur Verbal-Sprache untersucht wird, genauer zu erfassen. Dabei wird oft vernachlässigt, dass der menschliche Körper und seine Ausdrucksform über Symptome und indikatorische Signale phylogenetisch gesehen älter ist, als seine Fähigkeit, verbal Symbole hervorzubringen. In der Analyse von Körpersprache müssen daher auch archaische Verhaltensmuster, die sich über phylogenetische Ritualisierungsprozesse im heutigen körperlichen Zeichenrepertoire erhalten haben, berücksichtigt werden. In einer exemplarischen Gesprächsanalyse soll deshalb hier anhand zweier Gesprächsbeispiele versucht werden, das gezeigte nonverbale Verhalten anhand von Ritualisierungsstufen zu erklären und zu klassifizieren. Es wird postuliert, dass diese Ritualisierungsstufen über die semiotischen Übergangsschritte Metaphorisierung, Ikonifizierung, Symbolisierung – Metonymisierung sowie Transposition erfolgen. Diese gesprächsethologische Perspektive auf nonverbales Verhalten erlaubt sowohl Polysemie als auch Bedeutungswandel im Verhalten fassbarer zu machen.

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