Aus dem Paradigma tanzen – Dialogisches Sprechen in der Fremd-/Zweitsprache als Orchester von Stimmen

Autor:
Bolte, Henning

Aufsatztitel:
Aus dem Paradigma tanzen – Dialogisches Sprechen in der Fremd-/Zweitsprache als Orchester von Stimmen

Heftnummer:
69

Seiten:
11-43

Sprechen wird im gängigen kommunikativen Fremd-/Zweitsprachenunterricht als (lexikalisch variierte) Reproduktion von minimalen Modell-Dialogen geübt. Die Einprägung die dabei stattfinden soll, wird in dem geschlossenen paradigmatischen System als hinreichende Voraussetzung für erfolgreiche Teilnahme der Schüler an Zielsprachenkommunkation gesehen. Systematisches Sprechenüben endet in diesem Paradigma konsequenterweise beim Kombinieren solcher durch Reproduktion eingeprägter dialogischen Ausdrucksformen. Dabei findet Ausblendung/Verzerrung von Merkmalen mündlicher Kommunikation statt. Die reproduzierende Aneignungsweise führt auch zu einer systeminhärenten Vernachlässigung der zentralen stimmlich-klanglichen Seite des Sprechens, die sich nicht einfach auffüllend dem Paradigma hinzufügen lässt. Im zweiten Teil wird gezeigt, wie man mit dem Konzept des Orchestrierten Sprechens dekonstruktiv aus dem Paradigma heraustreten kann. Dabei werden Schüler und Lehrkraft selbst zu Produzenten und Gestaltern der Repräsentationen mündlicher Kommunikation. Diese gestalterische Produktion geschieht von der Entwicklung der persönlichen Stimme in der anderen Sprache her. Die Einprägung relevanter Ausdrücke ist eine Konsequenz dieses Prozesses. Mit den Produktionen kann Sprechen dann weitergehend in Kommunikationsaufgaben entwickelt werden.

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