Germanistik aus Überzeugung

Marc Kleinheyer (Foto privat)

Die richtige Studienwahl ist der Schlüssel zum Erfolg. Ich habe Germanistik aus Überzeugung gewählt, weil es für mich die richtige Kombination aus interessantem Stoff und passenden Fähigkeiten meinerseits war. Nur wer etwas macht, was ihm Freude bereitet, der kann auch wirklich gut darin werden – darum war die Germanistik, und insbesondere die Linguistik, das richtige Fach für mich.

Der Studiengang Germanistik: Sprache und Kultur bietet weitreichende und umfassende Einblicke in die Gesamtheit des Deutschen: Wo kommt die Sprache her, wie hat sie sich entwickelt, wie funktioniert sie genau, wie wird sie angewandt – egal ob im Alltag, bei offiziellen Angelegenheiten oder in der Kunst – und wie wird sie in Zukunft aussehen? Wer die Beantwortung dieser Fragen interessant und spannend findet, dem wird in einem Germanistik-Studium nie langweilig werden.

Ich habe sogar die Erfahrung gemacht, dass im Laufe des Studiums immer mehr Fragen dazukommen – viele, die ich mir ohne den scharfen Blick des Germanisten nie gestellt hätte. Darum war die Fortführung des Studiums im Master SuK ohne Zögern die einzige echte Option für mich.

Neben den fachlichen Inhalten und dem souveränen Umgang mit gesprochenem und geschriebenem Deutsch hat das Studium mir jedoch auch eine Vielzahl anderer Fähigkeiten vermittelt. Germanisten sind gesuchte Allround-Talente, heißt es gerne in Informationsmaterialien. Ob das zutrifft, liegt stark an jedem Studierenden selbst – der Studiengang bietet jedoch genug Möglichkeiten, sich ein umfassendes Profil anzueignen. Logisches Denken gehört ebenso dazu wie wissenschaftliche Akkuratesse, Lösungsfindung in der Debatte, konstruktive Neugier oder Kommunikative Kompetenz, sowohl im Vortrag als auch im Gespräch.

Auch wenn die Germanistik im Gegensatz zu Studienfächern wie Medizin oder Maschinenbau kein klares Berufsbild definiert und dafür gezielt ausbildet, stehen den Absolventen viele Türen offen. Mich selbst hat es einige Zeit ins History Marketing verschlagen, wo ich an der Erstellung von Festschriften und Biographien mitgewirkt habe. Neben der Leidenschaft für das Sprachliche konnte ich hier auch mein Interesse an jüngerer Geschichte mit einbringen. Heute bin ich wieder zu meinen Wurzeln zurückgekehrt, und arbeite und forsche am Germanistischen Institut der Universität Duisburg-Essen. Ehemalige Kommilitonen arbeiten etwa in Public Relations, im Social Media Management oder im Verlagswesen – andere sind im öffentlichen Sektor oder als Lehrer tätig.

Am Studium in Essen mochte ich besonders die Freiheit und Frische, mit der Wissen und Kompetenzen vermittelt wurden. Dieser jungen Universität liegt nicht der Staub einer langen Tradition auf den Schultern, so dass der Umgang mit Studierenden freundlich und aufgeschlossen ist, und auch unkonventionelle Blickwinkel und Ansichten immer gern gesehen werden. Mit den richtigen Ideen, genügend Zielstrebigkeit und Leistungsbereitschaft kann sich jeder Interessierte hier frei entfalten und seinen eigenen Zugang zum Wissen erschließen – und dabei immer darauf bauen, dass ihm hilfreich und kompetent zur Seite gestanden wird. Und dies muss nicht immer im Seminarraum stattfinden: Gern erinnere ich mich an Exkursionen in Museen, um die Texte zu den dortigen Exponaten nach sprachwissenschaftlichen Kriterien zu überarbeiten, oder an Filmseminare in der Duisburger Wolfsburg, bei denen selbst beim Mittagessen die angeregten Diskussionen kein Ende fanden.

Für alle, die es mögen mitzudenken, die mehr als die erste simple Antwort auf ihre Fragen erwarten, die fasziniert von der deutschen Sprache sind – dieses Studium kann euch eine Menge bringen. Um wirklich tief einzutauchen, sind Eigeninitiative und viel Sitzfleisch für die langen Tage in den Bibliotheken unumgänglich - niemand liest in seinem Studium mehr als ein Germanist.

Aber nicht nur trotzdem, sondern vielleicht auch gerade deswegen:

Ich würde es immer wieder machen.