Sammelrezension zu Duden Deutsche Rechtschreibung, Bertelsmann Neue Rechtschreibung, LexiRom und Encarta

Sammelrezension zu

DUDEN - DIE DEUTSCHE RECHTSCHREIBUNG (CD-ROM, DM 78,00)
BERTELSMANN - DIE NEUE DEUTSCHE RECHTSCHREIBUNG (CD-ROM DM 39,90)
LEXIROM (CD-ROM Version 2.0, ca. DM 349,00)
ENCARTA (CD-ROM, ca. DM 219,00) mit ENCARTA-Weltatlas (CD-ROM, ca. DM 149,00)

Die Besprechung dieser fünf CDs soll nicht die Diskussion um Sinn und Unsinn der Rechtschreibreform, die ja stel-lenweise einem Glaubenskrieg ähnelt, weiterführen. In dieser Diskussion sind von mehr und minder kompetenter Seite zahlreiche Argumente angeführt worden, die hier nicht zur Debatte stehen sollen. Vielmehr geht es um die Ausstattung und Nutzbarkeit von vier elektronischen Nachschlagewerken, die samt und sonders für LinguistInnen wie für Laien von Interesse sein dürften.

Die Duden-CD enthält die 20. und 21. Auflage des Rechtschreib-Dudens. Sie ist Bestandteil der Reihe PC-Bibliothek und kann durch zahlreiche Nachschlagewerke (Wörterbücher und Lexika) ergänzt werden. Die Systemvoraussetzungen sind nicht besonders hoch (386er Prozessor, mind. 4 MB RAM, mind. 2,5 MB freier Speicherplatz, CD-ROM-Laufwerk), so daß die CD ohne große Schwierigkeiten auf den meisten PCs installiert werden kann.

Der Benutzer kann entscheiden, ob er Wörter im alten Duden (20. Auflage), im neuen Duden (21. Auflage) oder in beiden Werken gleichzeitig nachschlagen möchte. Das gleiche gilt für die Regeln; auch diese können getrennt (alt, neu oder alt und neu) ausgewählt werden. Der Sinn dieser Option ist allerdings äußerst zweifelhaft. Sucht man nämlich in beiden Auflagen gleichzeitig, so erhält man auch für die Vielzahl der nicht veränderten Schreibungen zwei Einträge, die freilich identisch sind. Da die Einträge aus der 21. Auflage die Änderungen (wie im Buch) ohnehin farblich kennt-lich machen und ein Umschalten auf den entsprechenden Eintrag der 20. Auflage erlauben, auch wenn diese Auflage gar nicht ausgewählt ist, kann der "Normalnutzer" seine Suche grundsätzlich auf den neuen Duden und die entsprechenden Regeln beschränken. Lediglich für lexikologisch ambitionierte Nutzer mag die parallele Suche einen gewissen Reiz haben. Sie wird jedoch vom Programm in einer exzessiven Fenster-Technik umgesetzt, die in jeweils sehr kurzen Abständen dazu führt, daß der gesamte Bildschirm von zahlreichen geöffneten Fenstern übersät ist, was die Übersichtlichkeit erheblich einschränkt. Hierzu ein Beispiel: Die Suche in beiden Auflagen des Dudens nach dem Wort Koprolith führt zu folgendem Ergebnis: in einem ersten Fenster bekommt der Nutzer mitgeteilt, daß Koprolith zweimal gefunden wurde. Um einen dieser Einträge und die in ihnen erwähnten Regeln anzusehen, muß auf den gewünschten Eintrag geklickt werden. Dies führt zur Öffnung eines weiteren Fensters, das denselben Text wiedergibt. Allerdings sind die Links (Verweise) auf die Regeln jetzt aktiviert. Um diese Regeln anzusehen, müssen die Links wiederum angeklickt werden, was wieder jeweils ein neues Fenster öffnet.

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Der Menüpunkt "Schreibtisch aufräumen" ist daher nicht von ungefähr in das Programm integriert, sondern dringend notwendiges Hilfsmittel, um den "Durchblick" des Nutzers angesichts der vielen Fenster zu erhöhen.

Doch was bietet die Duden-CD-ROM ansonsten dem Benutzer? Vor allem die vielfältigen Suchmöglichkeiten verdienen positive Erwähnung. Zunächst kann man in einer alphabetischen Liste suchen, die alle Einträge enthält. Diese Suche kommt der konventionellen Suche in einem gedruckten Buch am nächsten. Des weiteren findet sich ein Menü-punkt "Schreibtisch durchsuchen", in dem sowohl die Suche nach bestimmten Stichwörtern als auch die Volltextsuche (Suche nach allen Einträgen, in den das gesuchte Wort vorkommt) aktiviert werden können. Ebenfalls verfügt dieser Menüpunkt über die Option "Schreibungstolerante Suche", die bei Aktivierung Rechtschreibunsicherheiten bei den Suchbegriffen ausgleichen hilft: *Rytmus, *Kolege und *Schiffre werden beispielsweise vom Programm erkannt, und die Suche führt hier zu den richtigen Einträgen. Daß das Programm durch eine vom Benutzer zu definierende Tastenkombination aus anderen Anwendungen heraus gestartet werden kann, versteht sich bei moderner Windows-Software schon fast von selbst.

Was also ist das Fazit? Ist die PC-Bibliothek lediglich mit dem Rechtschreib-Duden bestückt, scheint sie mir kaum einen Vorteil gegenüber der Buchausgabe zu haben. Möglicherweise geht die Suche per Hand in vielen Fällen sogar schneller vonstatten. Betrachtet man zudem den Preis, für den man auch zwei gedruckte Bände aus der Duden-Reihe erwerben könnte, so stellt sich die Frage, was denn überhaupt für den Kauf dieser CD-ROM sprechen könnte. Interessant dürfte die Nutzung der PC-Bibliothek erst dann werden, wenn man sie mit weiteren Nachschlagewerken bestückt und dann für die parallele Suche in mehreren Wörterbüchern bzw. Lexika nutzen kann. Spätestens dann nämlich kann die Technik ihre Trümpfe ausspielen.

Ähnlich wie die Duden-CD ist auch das Konkurrenz-Produkt von Bertelsmann aufgebaut. Die Systemvoraussetzungen sind etwas höher. Mindestausstattung ist ein 486/66 PC mit 4 (besser 8) MB Arbeitsspeicher. "Die neue deutsche Rechtschreibung" umfaßt neben dem Wörterbuchteil noch einen separaten Regelteil sowie zusätzlich einen Grammatik- und einen Tabellenteil. Die Bedienung des Programms ist etwas gewöhnungsbedürftig, da einige Bedienungselemente an ungewöhnlichen Stellen untergebracht sind und die diversen Pfeiltasten, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen, zumindest in der Eingewöhnungsphase tatsächlich leicht verwechselt werden können.

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Was den Wörterbuchteil angeht, so gibt es hier einige grundsätzliche Unterschiede zum Duden. Zunächst wird nicht so systematisch auf Regeln verwiesen. Die zahlreichen sich ergebenden Änderungen bei der Silbentrennung etwa werden farblich markiert, ohne daß jedesmal auf die entsprechenden Regeln verwiesen wird. Dafür werden innerhalb des Wörterbuchteils wichtige Regeln abgedruckt, die also nicht erst durch Umschalten auf den Regelteil auf dem Bildschirm erscheinen. Diese Art der Verknüpfung von Wörterbuch- und Regelteil scheint mir durchaus im Sinne der NutzerInnen zu liegen, die in den meisten Fällen ja konkrete Fragen zur Rechschreibung haben und nicht zusätzlich in einem separaten Regelteil nachschlagen wollen. Eine Möglichkeit, die Regeln separat anzuschauen, bietet das Programm zusätzlich. Weiterhin werden im Wörterbuchteil die Konjugations- bzw. Deklinationstypen der Wörter mit angegeben. Durch Anklicken dieser Hinweise lassen sich schnell die entsprechenden Konjugations- bzw. Deklinationstabellen einblenden. Diese Möglichkeit dürfte z. B. für SchülerInnen von Interesse sein. In besonderem Maße gilt dies auch für die separat auszuwählenden Grammatik- und Tabellenteile. Während der Grammatikteil Worterklärungen zu grammatischen Termini bietet, die untereinander durch zahlreiche Links verbunden sind, finden sich im Tabellenteil ausführliche Deklinations- und Konjugationsschemata.

Auch die Bertelsmann-CD läßt sich von anderen Anwendungen aus starten, bei einer entsprechenden Installation sogar, ohne die CD einlegen zu müssen. Das Installationsprogramm bietet sogar die Möglichkeit, einen Button zur direkten Umschaltung aus einem Textverarbeitungsprogramm zu installieren. Wer diese Möglichkeit wählt, findet danach in der von ihm vorher benannten Textverarbeitung eine Schaltfläche, die ihn bei Bedarf direkt zum Rechtschreib-Programm von Bertelsmann bringt.

Was ist an dieser CD zu kritisieren? Trotz des vergleichsweise günstigen Preises sollte eine gedruckte Bedienungsanleitung beiliegen, die zumindest bei der Installation behilflich ist. Auch bei den ersten Schritten wäre eine solche Anleitung mit einigen Beispielen hilfreich. Dies scheint mir bei der Duden-CD eindeutig besser gelöst. Ebenfalls gilt dies für die bereits erwähnte Option "Schreibungstolerante Suche", die leider nur die Duden-CD bietet. Dennoch - für "NormalnutzerInnen", die sich lediglich schnell über die aktuelle Rechtschreibung informieren wollen, sich nicht als Hobby-Lexikologen betätigen möchten und nicht unbedingt auf die Tradtitionsmarke "Duden" fixiert sind, scheint mir das Bertelsmann-Produkt durchaus eine Überlegung wert zu sein. Dies resultiert neben dem günstigen Preis hauptsächlich aus der einfacheren Benutzerführung und aus den zusätzlichen Tabellen, die eine Fülle nützlicher Informationen enthalten. Auch der "Bücherschrank 3.1", in dem sich "Die neue deutsche Rechtschreibung" befindet, kann mit einer Reihe weiterer Nachschlagewerke bestückt werden, so daß eine parallele Suche in verschiedenen Nachschlagewerken erfolgen kann.

Wie so etwas in der konkreten Anwendung aussieht, das zeigt die Neuauflage der "LexiROM" (Version 2.0), die für DM 349,00 den Besitzer wechselt. Sie enthält folgende Werke:

  • Meyers Lexikon in drei Bänden
  • Weltatlas
  • Langenscheidts Taschenwörterbuch Englisch
  • Duden Rechtschreibung (20. und 21. Auflage)
  • Duden: Das Fremdwörterbuch
  • Duden: Die sinn- und sachverwandten Wörter.

Die enthaltenen Videos, Tondokumente und animierten Illustrationen freilich erfordern eine höhere Rechnerleistung. Die auf der Packung angegebenen Mindestvoraussetzungen (486 SX/33 Prozessor, 4 MB RAM, CD-ROM-Laufwerk, Soundkarte, VGA+Grafik) dürften kaum ausreichen, um mit der LexiROM auch nur einigermaßen komfortabel arbeiten zu können. Mindestens 8 MB RAM und ein 486/66 Prozessor sind empfehlenswert, um mit einem multimedialen elektronischen Nachschlagewerk in angemessener Geschwindigkeit arbeiten zu können.

Ähnlich wie bei der PC-Bibliothek kann man zunächst angeben, wo man suchen lassen möchte. Sucht man beispielsweise in allen Büchern nach Koprolith, so werden zwei Einträge gefunden, einer im Rechtschreib-Duden, einer im Duden-Fremdwörterbuch.

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Die Stärken der LexiROM werden nun sofort deutlich. In einem Fenster wird der Benutzer über die alte und neue Rechtschreibung informiert. Das Anklicken der jeweiligen Links führt geradewegs zu den entsprechenden Regeln, ein Klicken auf den "Zurück"-Button führt zurück zum ursprünglichen Eintrag. Also keine Fensterflut wie auf der Duden-CD, sondern ein klares, benutzerfreundliches Konzept kennzeichnet die neue Version der LexiROM. Auch hier gibt es eine Volltextsuche, die alle Bücher nach einem Wort (oder einer Wortkombination) durchsucht. Immerhin 112 Einträge ergibt etwa die Volltextsuche nach Goethe, 32 die nach Linguistik. Des weiteren ist eine detaillierte Suche möglich, in der vorab angegeben wird, ob man nur Einträge mit Videos, Tondokumenten, Bildern oder Tabellen suchen möchte. Das Anschauen der Videos setzt allerdings eine entsprechende Rechnerleistung sowie einen leistungsfähigen Monitor mit entsprechender Grafikkarte voraus.

Was sind nun die Kritikpunkte an dieser CD? Wie für die Duden- und Bertelsmann-CD gilt auch hier, daß das Speichermedium CD bei weitem nicht effektiv genutzt wird. Bedenkt man die immense Speicherkapazität einer CD-ROM, dann mutet die Auswahl für die LexiROM etwas befremdlich an. Warum z. B. nur ein dreibändiger Meyer und nur Langenscheidts Taschenwörterbuch ausgewählt wurden, bleibt den KäuferInnen verborgen. Was im übrigen die so beliebten Videos, Tondokumente und Animationen angeht, so läßt sich über ihren Informationswert trefflich streiten. Sicherlich ist es nützlich, englische Wörter von Muttersprachlern vorgesprochen zu bekommen, und auch die Fotos und Tondokumente zu Adenauer, Brandt, Schmidt und Kohl beispielsweise runden die jeweilige Information ab. Über die Auswahl der unterschiedlich langen Tondokumente kann man durchaus geteilter Meinung sein. Die allen Einträgen zu Ländern beigefügten Aufnahmen der jeweiligen Nationalhymnen klingen ausgesprochen synthetisch. Ebenfalls läßt die Tonqualität einiger klassischer Musikbeispiele stark zu wünschen übrig. Auch die Auswahl der Abbildungen bleibt zufällig. Einige Animationen (mit Ton unterlegte Trickfilme) dagegen sind durchaus nützlich: Die Erklärungen der Funktionsweise von Compact Discs oder Kernreaktoren, um nur zwei willkürlich ausgewählte Beispiele zu nennen, gewinnen ganz erheblich durch die bewegten Bilder und den dazu gesprochenen Text.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Auswahl der Links. Im Artikel Johann Wolfgang von Goethe findet sich zwar ein ganzer Abschnitt "Freundschaft zu Schiller", einen Link zu Schiller jedoch sucht man vergebens. Entsprechendes gilt für den Schiller-Eintrag. Derartige Merkwürdigkeiten sind kein Einzelfall: im Eintrag Frankfurter Schule taucht beispielsweise Jürgen Habermas auf, einen direkten Querverweis aber gibt es nicht. Im Artikel zu Habermas gibt es ebenfalls keinen Link zu Frankfurter Schule, dafür aber zu Kritische Theorie. Dort schließlich gibt es einen Link zu Frankfurter Schule. Die hier zugrunde liegende Systematik bleibt das Geheimnis des Verlags, es scheint jedoch beinahe, daß Eigennamen grundsätzlich nicht als Querverweise genutzt werden (bei Fichte kein Verweis auf Schelling und Hegel, bei Marx kein Verweis auf Engels, bei Wagner kein Verweis auf Nietzsche, bei Daimler kein Verweis auf Benz usw.)

Der Eindruck, den diese CD hinterläßt, ist zwiespältig. Einerseits bekommen NutzerInnen hier ein brauchbares Nachschlagewerk, dessen einfach zu handhabende Suchfunktionen ihnen eine Menge Blätterei in verschiedenen Büchern abnehmen könnten. Angesichts des relativ hohen Preises jedoch wünschte man sich neben den ausgewählten Duden-Bänden eine ausgewachsene Enzyklopädie statt der hier angebotenen drei Lexikonbände. Auf den integrierten "Weltatlas" würde man dafür gerne verzichten.

Ist man zu diesem Verzicht bereit, dann bietet sich "Encarta 97" an, die ebenfalls aus dem Hause Microsoft stammt. Als Mindest-Systemvoraussetzungen werden genannt: 486/DX33 Prozessor, Windows 3.1, 8 MB Arbeitsspeicher, 20 MB freier Festplattenspeicher (für Windows 95 und Windows NT teilweise höhere Werte), Bildschirm mit Super-VGA und 256 Farben, Soundkarte mit Lautsprechern bzw. Kopfhörer und CD-ROM-Laufwerk. Wie bei den anderen Produkten gilt auch hier: Höhere Rechnerleistung und mehr Arbeitsspeicher sind keinesfalls von Nachteil und erhöhen die Freude an der Arbeit ganz erheblich.

Was hat "Encarta 97", das die anderen Nachschlagewerke nicht haben? "Encarta 97" ist eine ausgewachsene Enzyklopädie mit einer Textmenge, die einem 29bändigen Nachschlagewerk entspricht. Sie umfaßt mehr als 27.000 Artikel, die mit über 6.000 multimedialen Elementen angereichert sind: 29 Videos, 91 Tabellen, 766 Audios, 5.401 Abbildungen, 483 Karten, 129 Diagramme und 72 Animationen finden sich auf der CD. Man bewegt sich hier quantitativ in Dimensionen, die denen der in Deutschland verbreiteten Brockhaus-Enzyklopädie mehr als entsprechen. Die Bildschirmober-fläche ist ansprechend gestaltet und übersichtlich.

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Um die Fülle von Informationen gezielt durchsuchen zu können, bietet "Encarta" gute Such- und Filterfunktionen. Einschränken kann man seine Suche durch Filter, die gezielt nach bestimmten Wörtern suchen (Volltextsuche), oder man kann die Suche auf Sachgebiete, Medien, Zeit oder Ort einschränken. Natürlich sind diese Filter auch vielfältig kombinierbar. Von den insgesamt 27.511 Artikeln entfallen beispielsweise 2.223 Artikel auf das Sachgebiet "Sprache und Literatur", davon 280 auf das Gebiet "Sprache". Weitere Einschränkungen zur genaueren Themensuche sind leicht definierbar. Wem das zu aufwendig ist, der kann eine der 59 "Themenreisen" antreten und in bereits thematisch zusammengestellten Artikeln herumstöbern. Für alle Artikel gilt: ein Doppelklick auf ein beliebiges Wort führt direkt zum entsprechenden Wörterbucheintrag. Das zugrundeliegende Wörterbuch aus dem Hause Langenscheidt umfaßt 50.000 Einträge. Die neue Rechtschreibung ist hier allerdings nicht eingearbeitet. Neben diesen direkten Nachschlagemöglichkeiten im Wörterbuch sind die Enzyklopädie-Artikel durch umfangreiche Verweisfunktionen (Links) verbunden. Problemlos führt der Weg von Goethe zu Kant oder Schiller, wie man es für die sinnvolle Nutzung einer Enzyklopädie erwarten muß.

Ein Spielzeug der besonderen Art sind die "Interaktivitäten". Hier lassen sich beispielsweise Fraktale zeichnen oder Sehenswürdigkeiten und berühmte Gemälde ansehen. Was allerdings beim bloßen Ansehen von Gemälden "interaktiv" sein soll , das ist mir bis zum Schluß verborgen geblieben.

Ein leidiges Problem aller Enzyklopädie-Besitzer ist in "Encarta 97" gelöst. Bisher war es üblicherweise so, daß spätestens mit dem Erscheinen des letzten Bandes die Informationen der ersten Bände veraltet waren und Ergänzungsbände folgten. Der Besitzer von "Encarta 97" hat dagegen die Möglichkeit, monatlich aus dem Internet Aktualisierungen auf seinen Rechner zu kopieren.

Zu kritisieren gibt es an dieser CD nicht viel. Allenfalls kann man bemängeln, daß die Installationsroutine ohne Rückfrage einige Dateien überschreibt, was nicht unbedingt im Sinne des Nutzers ist. So bringt "Encarta" beispielsweise eine eigene Version von "Video for Windows" mit, die auf der Festplatte installiert wird, ohne zu berücksichtigen, daß sich dort möglicherweise bereits eine aktuellere Version befindet. Was zu den Tonbeispielen der LexiROM gesagt wurde, gilt auch für Encarta. Auch hier wurden die Hymnen der meisten Länder mit einem Gerät eingespielt, dessen Klang fatal an die elektronischen Heimorgeln der ersten Generation erinnert. Da ist es fast ein Trost, daß einige der angezeigten Tonbeispiele sich nicht abrufen lassen - offensichtlich wurde ihre Programmierung schlichtweg vergessen.

Wer im übrigen einen Atlas bei "Encarta 97" vermißt, der greife zum "Encarta-Weltatlas", der mit seinen vielfältigen Darstellungsmöglichkeiten kaum noch Wünsche offenlassen dürfte. Der einzige Pferdefuß bei diesem Produkt: Wer "Encarta 97" erfolgreich auf seinem PC installiert hat, kann nicht sicher sein, auch den zugehörigen Weltatlas nutzen zu können. Dieser läuft nämlich nicht unter Windows 3.x, sondern lediglich unter Windows NT oder Windows 95.

Als Fazit läßt sich festhalten: Wer ernsthaft mit einer elektronischen Enzyklopädie arbeiten möchte, für den ist "Encarta 97" die erste Wahl. Der vergleichsweise moderate Preis ist ein zusätzliches Argument für den Kauf dieses Produktes.

Dr. Thomas Niehr
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Lehrstuhl für Deutsche Philologie und Linguistik
Universitätsstr. 1
40225 Düsseldorf

Diese Rezension erschien auch in der Zeitschrift "Muttersprache", Heft 4/1997, S. 378-382 (Copyright)

Rezensiert von Thomas Nier. Jahr: 1997

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