OED - Oxford English Dictionary 2nd Edition auf CD-ROM

Oxford University Press

tl_files/bilder/lernsoftware/oed.jpg

Umfeld: Welche Lexika stehen uns zur Verfügung?

Als ich im ersten Semester meines Studiums einen Dozenten fragte, welches englische Lexikon wirklich perfekt sei, antwortete er: "Die Oxford English Dictionary (im folgenden OED genannt), keine Frage. Nur können Sie die sicher nicht bezahlen und haben wohl auch keinen Schrank, der für die vielen Bände groß genug wäre."

Nach dieser ehrlichen, aber leider sehr unbefriedigenden Antwort habe ich mich dann mit den geläufigen Provisorien abgefunden, um im Übersetzungsseminar oder in Fachtexten bzw. wissenschaftlicher Literatur die genaue Bedeutung englischer Wörter nachzuschlagen. Zunächst wäre da mein "Bertelsmann Englisch Professor" im Taschenformat; eine elektronische Spielerei, die bei sehr einfachen Wörtern auch ebenso einfache Übersetzungen liefert. Eine ziemlich oberflächliche Lösung, die auf den ersten Blick zwar praktisch, aber leider didaktisch nicht sehr wertvoll ist. Zweisprachige Lexika sind nämlich nur auf den ersten Blick eine Erleichterung. Durch den ständigen Wechsel zwischen beiden Sprachen wird man leicht irritiert und hat größere Schwierigkeiten, sich in die Fremdsprache einzufinden.

Mit dem beliebten Langenscheidt (gedruckt oder in elektronischer Form z.B. in der LexiROM von Microsoft) findet man sicher eher das, was man sucht, doch auch er ist zweisprachig und verfügt nur über einen sehr begrenzten Wortschatz (Englisch-Deutsch 100.000 Stichwörter, elektronische Version je Sprache 60.000 Stichwörter). Mein "Webster's New Encyclopedic Dictionary" (Printversion mit 200.000 Einträgen insgesamt) war günstig in der Anschaffung, läßt sich wegen des Gewichtes aber kaum ohne späteren Bandscheibenschaden aus dem Regal nehmen - ziemlich unpraktisch also. Außerdem ist Webster's eher für Amerikanisten geeignet (auch die Lautschrift ist amerikanisch).

Die "American Heritage Dictionary" (im folgenden "AHD" genannt, elektronische Version in der "Bookshelf 95" mit über 200.000 Stichwörtern) ist momentan das einzige elektronische Lexikon, das sich in Bedienung und Leistungsumfang auch nur annähernd mit der OED vergleichen läßt. Leider ist auch hier die Lautschrift amerikanisch; dafür werden die Wörter auf Wunsch vorgesprochen.

Funktionsumfang: Was Sie erwarten dürfen

Durch die Umsetzung auf CD-ROM werden die Such- und Anzeigemöglichkeiten eines Lexikons optimal ausgenutzt. Sicher kennen Sie das eine odere andere Lexikon auf CD, doch die Abfrageoptionen der OED sind vielfältiger als alles, was Sie bisher gesehen haben. Die 20 Bände sind ungekürzt auf der CD enthalten. Es gibt nur den puren Text; keine Bilder, Sounds oder andere multimediale Beigaben, für die ob der Datenmengen auch kein Platz mehr bliebe. Immerhin reicht der 616.500 Wortformen starke Wortschatz der OED bis in das 12. Jahrhundert zurück. 2,4 Millionen Zitate dienen nicht nur der Begriffsillustration, sondern ermöglichen auch einen tiefen Einblick in die Geschichte der englischen Sprache und Kultur. Die Zitate stammen u.a. aus Zeitschriften, Zeitungen, politischen Reden, Manuskripten, Tagebüchern und natürlich der Bibel.

Die komplexeste Suchmöglichkeit bietet die

  • Wortsuche

Hier kann man nicht nur nach einem Wort selbst suchen, sondern auch nach Redewendungen, "Variant Forms" (falls z.B. nur das Präteritum eines Wortes bekannt ist), nach der phonetischen Schreibweise, dem griechischen Ursprung, einem bestimmten Datum / Zeitraum oder gar nach "Part(s) of Speech" (z.B. Prä- und Suffixen).

tl_files/bilder/lernsoftware/oed1.jpg

Abbildung: Part of Speech-Suche

Haben Sie das gewünschte Wort gefunden, können Sie entscheiden, ob nur dessen Bedeutung oder auch seine Herkunft bzw. Zitate, die das gesuchte Wort enthalten, angezeigt werden sollen. Haben Sie ein Wort im Ergebnisfenster nicht verstanden, so kommen Sie über die Querverweis-Funktion zur Definition.

Zusätzlich zur Wortsuche sind noch folgende Abfragen möglich:

  • Volltextsuche
    Erstaunlich schnell wird ein Wort (oder nur ein Teil davon) in der gesamten OED gesucht.
  • "Definition-Term"-Suche
    Suchen Sie zum Beispiel eine bestimmte gelbe Blume, dann geben Sie "flower" und "yellow" ein, und die OED sucht nach allen Definitionen, in denen diese Wörter vorkommen.
  • Suche nach Zitaten
    Sie können nicht nur nach dem im Zitat vorkommenden Wort, sondern auch nach Autor und Datum des Zitats suchen.

Was immer Sie bei der Arbeit mit der OED entdecken, können Sie übrigens mit der Exportfunktion in RTF-fähige Textverarbeitungen übernehmen. RTF (Rich Text Format) ist ein beliebtes Format, um Dateien zwischen verschiedenen Anwendungen oder gar Systemen auszutauschen zu können. Die meisten Textverarbeitungen (z.B. MS-Word, Lotus Ami Pro oder Claris) unterstützen dieses Format.

Praxis: Was unterm Strich übrig bleibt

Ich hatte nun drei Monate lang Gelegenheit, mit der OED zu arbeiten, und kann nur sagen, daß ich zu 90 Prozent wirklich begeistert bin. Bei der unglaublichen Datenmenge kann man über die hohe Suchgeschwindigkeit nur staunen. Ich habe das Lexikon auf Herz und Nieren geprüft und bin beinahe immer fündig geworden. Was ich nicht bei der gewöhnlichen Wortsuche gefunden habe, konnte über Phrasen- oder "Part of Speech"-Suche ermittelt werden.

Trotz all der sprachlichen Leckerbissen (z.B. herrliche Formulierungen aus dem Altenglischen) werden all diejenigen enttäuscht sein, die nach modernen Begriffen - besonders aus der Welt der Computer - suchen, denn die 2nd Edition ist schon 1989 herausgegeben worden. Deshalb werden Sie aktuelle Wörter wie "information highway" oder "isdn" vergeblich suchen.

Bis auf dieses Manko (an dessen Beseitigung hoffentlich bald gearbeitet wird) ist die OED rundum empfehlenswert. Schade, daß ich die Testversion nach drei Monaten zurückschicken mußte...

Preis

DM 1.275,-

Windows ISBN: 0-19-861260-5

Macintosh ISBN: 0-19-961727-9

Lieferumfang

  • CD ROM
  • Installationsdiskette
  • 2 Handbücher  

Diese Hard/Software brauchen Sie:

Windows:

  • 386 SX
  • DOS ab Version 3
  • 4 MB RAM (8 MB empfohlen)
  • CD ROM mit Microsoft CD-Treiber
  • 2 MB freierPlattenspeicher
  • Windows 3.1 oder höher (ich habe problemlos unter Windows 95 arbeiten können)
  • Microsoft-kompatible Mouse
  • VGA- oder SVGA-Monitor

Macintosh:

  • 68030er Prozessor
  • System 6.07 oder höher
  • Erweiterung für TrueType-Schriften (integriert in System 7)
  • 2 MB RAM (mindestens)
  • Mac-kompatibles CD ROM
  • CD-Treiber Version 4.0 oder höher
  • Monitor (mindestens 12 Zoll)

Pluspunkte

  • vielfältige Abfrage- und Anzeigemöglichkeiten
  • geringe Hardwareanforderungen
  • schnelle Suche (auch Volltext)
  • Zitate aus beinahe allen Lebensbereichen

Nachteile

  • viel zu teuer
  • aktuelle Wörter fehlen; ein Update wäre dringend erforderlich

This review would not have been possible without support of some very kind people at Oxford University Press / Electronic Publishing. Thank you very much. Our department is looking forward to featuring forthcoming software products.

Rezensiert von Elisabeth Cölfen. Jahr: 1996

Zurück