HEXAGLOT Sprachkurs Englisch EuroPlus+ Flying Colours (Multimedialer und interaktiver Englischkurs für Selbstlerner in drei Stufen: Einsteiger, Grundkenntnisse I, Grundkenntnisse II)

HEXAGLOT GmbH

EuroPlus+ ist ein Produkt der Fa. Young Digital Poland, Gdansk. Die Textversion beruht auf dem Sprachkurs Flying Colours, von Judy Garton-Sprenger und Simon Geenall, hg. Heinemann Publishers (Oxford) Ltd 1990-1992. Die 3 CD-ROMs sind zu beziehen über die Firma HEXAGLOT GmbH, Sportallee 41, 22335 Hamburg.

Preis: DM 248,-

Es war für mich sehr erhellend zu erfahren, "daß unter dem, was über die neuen Medien geäußert wird, manches in nahezu identischer Form wieder auftaucht, was man bei ihrer 'Implementierung' über die (jetzt) alten gesagt hat." 1So glaubten Kritiker beim Medienwechsel zwischen Handschrift und Druck "größere Unverbindlichkeit und Entpersönlichung" sowie "freies und damit unverdaubares, ja unkontrollierbares Vagieren von Wissen" konstatieren zu müssen;2 wiesen zudem "auf die Anfälligkeit für Informationsverluste" und "den sinkenden Wert der einzelnen Information angesichts der steigenden Kommunikationsflut" hin,3 sahen "das Neue als reine Mode", beklagten "ästhetische Defizite und 'Entsinnlichung', weil man nichts mehr 'in der Hand'" habe, und befürchteten schon damals "eine Schädigung der Augen."4 Die Befürworter des Medienwechsels heben damals wie heute "auf günstige Kosten, leichtere Handhabbarkeit, bessere ('unbegrenzte') Speichermöglichkeiten, größere Reichweite, größeren Öffentlichkeitsgrad und damit 'volksbildende' Eigenschaften" ab.5

An derlei oft "kritiklos euphorische"6 Argumente, speziell die 'leichtere Handhabbarkeit' oder auch die Bildungsvorteile, fühlt man sich auch erinnert, wenn man den Firmenprospekt des HEXAGLOT-Sprachkurses EuroPlus+ liest. Demnach wird hier "ein leistungsfähiger, interaktiver Kurs" angeboten, der dem User "helfen wird, die englische Sprache für Schule, Freizeit und Beruf leicht zu beherrschen. Das autodidaktische Konzept, die Lehrthemen und die Sprachlaborfunktionen sichern schnelle Lernerfolge."

Auf der Rückseite der CD-Hülle heißt es ferner: "Sein reicher Sprachschatz mit Vokabeln, Redewendungen, Grammatikerklärungen wird unter anderem mit Hilfe von Videoclips verschiedener Situationen vermittelt. Eine Sprachlaborfunktion mit Aussprachekontrolle sorgt für echtes 'Learning by speaking'."
Folgende Funktionen werden (ebd.) noch besonders hervorgehoben:

  • "Umfassendes Sprachmaterial (für rund 450 Stunden intensiven Lernens)
  • 20 verschiedene Übungs- und Testarten
  • Lehrthemen aus Kultur und Alltag
  • Sprachausgabe von Wörtern, Sätzen, Dialogen
  • Sprachlaborfunktion mit Aufnahmemöglichkeiten für präzises Aussprachetraining
  • Videosequenzen mit Alltagssituationen
  • Hunderte von farbigen Fotos und Illustrationen
  • Div. Unterfunktionen: Wörterbuch, unregelmäßige Verben, Buchstabierübungen
  • Deutsche Bedienerführung"

Dem Firmenprospekt bzw. Benutzerhandbuch zufolge bietet die erste CD "umfassendes Sprachmaterial für rund 150 Stunden" "zum Einstieg in die englische Sprache." Die zweite CD beinhaltet einen "Aufbaukurs für alle, die bereits gute Grundkenntnisse der englischen Sprache besitzen" ("fortgeschrittene Anfänger") in einem Umfang von ebenfalls rund 150 Stunden. Die dritte CD ist "für Selbstlerner" gedacht, "die bereits Englischkenntnisse besitzen"; das Sprachmaterial dieser "Mittelstufe" soll wiederum "für rund 150 Stunden intensiven Lernens" hinreichen.

Idealerweise müßten diese Angaben seitens des Herstellers anhand eines weitestgehend anerkannten Kriterienkatalogs für die Beurteilung von Software überprüft werden. Da es aber "im fachwissenschaftlichen Bereich noch keinen festen und praxiserprobten Kriterienkatalog für CD-ROMs" gibt,7 kann zur Offenlegung der angelegten Bewertungsmaßstäbe hier nur auf die potentiellen Kriterien verwiesen werden, die Rüdiger Brandt aufgelistet hat.8 Diese sollen, soweit es bei der Rezension eines Sprachkurses sinnvoll erscheint,9 Beachtung finden.

Darüber hinaus werde ich mich bemühen, dem neuen Medium gegenüber weder einen "kritiklos euphorischen" noch einen "überkritisch konservativen" Standpunkt einzunehmen.10 Diese Grundhaltung gebietet schon die Tatsache, daß wir uns heute in einer "Umbruchssituation" befinden, die es mit sich bringt, "daß vieles noch im Erprobungsstadium ist und daß man daher weder absehen kann, ob Mängel nicht doch behebbar sein werden, noch, ob sich die rein technischen Entwicklungs m ö g l i c h k e i t e n angesichts der Unvorhersehbarkeit der Änderung der gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Bedingungen, in welche der technische Fortschritt eingebettet ist, auch überall in tatsächlichen Fortschritt niederschlagen werden."11 Diese stets um eine gewisse Distanz bemühte Grundhaltung des Rezensenten sollte bei den nachfolgenden Bewertungen immer mitbedacht werden, auch wenn es (zunächst und auf den ersten Blick) um rein Technisches geht.

1. Technisches

Die auf der Rückseite der CD-Hülle erwähnten Systemvoraussetzungen, die im Benutzerhandbuch unter I, 1.2 noch genauer spezifiziert werden, entsprechen dem zur Zeit gängigen technischen Standard:

  • "IBM-kompatibler PC ab 80386
  • ab Windows 3.1
  • ab 4 MB RAM (8 MB für Windows 95)
  • SVGA-Grafikadapter und -monitor mit einer Bildauflösung von mindestens 800x600 sowie einer Palette von 256 Farben
  • Soundkarte (am besten 16 Bits)
  • Double Speed CD-ROM Laufwerk
  • Festplatte: mindestens 10 MB freier Speicherplatz"
  • Eine Hardware-Ergänzung dürfte mithin im Normalfall nicht erforderlich sein. In der obigen Liste wird allerdings vergessen zu erwähnen, daß zur vollen Nutzung des EuroPlus+ Programm-Sets ja auch ein Mikrofon erforderlich ist.

Getestet wurde die Software auf einem Pentium (133 MHz) mit 32 MB RAM, 8x CD-ROM-Laufwerk unter Windows 95 und einem 17-Zoll-SVGA-Monitor (mit High-Color [16 Bit]) und einer 16 Bit-Soundkarte, also einer - vom größeren Monitor abgesehen - zum augenblicklichen Zeitpunkt (Mitte 1997) durchschnittlichen Ausstattung.

2. Installation

Die Installationsanweisungen befinden sich auf der linken Innenseite des Firmenprospekts, der den CDs beiliegt. Die Anweisungen sind zwar sehr knapp gehalten, aber dennoch hinreichend, da das Installationsprogramm den User sicher durch die gesamte Installation führt. Im Test war die Installation beim ersten Versuch erfolgreich. Der Kurs kann übrigens auch für mehrere Benutzer installiert werden, was wichtig für den Einsatz in Schulen wäre.

3. Das Hauptprogramm

Nach dem ersten Start des Sprachkurses erscheint das Hauptprogrammfenster, das vier Leisten besitzt und grundsätzlich unverändert bleibt. In einer Titelleiste sind zur besseren Orientierung stets Level, Unit und Lektion angegeben, die gerade bearbeitet werden. Darunter befindet sich eine Menüleiste, die es ermöglicht, eine Lektion des Kurses sowie alle mit den Übungen verbundenen Fenster zu öffnen, um damit lernen und sich anhand des Sprachmaterials überprüfen zu können. Von dieser Menüleiste aus können auch die Tools aufgerufen werden. Hierbei handelt es sich um eigenständige Programme, auf die übrigens - was sehr hilfreich ist - auch zugegriffen werden kann, wenn das Hauptprogramm nicht geöffnet ist. (Auf die Tools, wie z.B. den Browser, wird unter dem Abschnitt Zubehör näher eingegangen.)

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Leider kann nur eine Lektion auf einmal geöffnet werden, da bei Öffnen einer neuen Lektion die alte automatisch geschlossen wird. Dieser Nachteil kann allerdings durch den weiter unten noch zu besprechenden Browser weitgehend ausgeglichen werden, da er die Möglichkeit bietet, verschiedene Übungen zu einem bestimmten Thema aus mehreren Lektionen zusammenzustellen. Jede Lektion enthält zwischen 20 und 30 Übungen. Erfreulicherweise können über das Menü Üben bis zu 10 Übungsfenster gleichzeitig geöffnet werden.
Das Hauptprogramm besitzt drittens eine Tastenleiste, mit deren Hilfe die häufigsten Befehle erteilt werden können, ohne die einzelnen Menüs aufrufen zu müssen. Über das Menü Ansicht kann die Tastenleiste ein- oder ausgeschaltet werden.

Neben diesen drei am oberen Bildrand angeordneten Leisten gibt es am unteren Rand des Hauptprogrammfensters eine hilfreiche Statuszeile, die einen kurzen Hilfetext anzeigt, sobald man die Befehle aus den Menüs oder eine Taste aus der Tastenleiste anklickt. (Selbstverständlich gibt es auch ein eigenständiges Hilfemenü, über das ausführliche Hilfe angefordert werden kann. Der dortigen Empfehlung, das übersichtlich aufgebaute, mit hilfreichen Querverweisen versehene und im ganzen gut lesbare Benutzerhandbuch [52 Seiten] auszudrucken, sollte übrigens unbedingt Folge geleistet werden: nur so ist die bestmögliche Orientierung sichergestellt.) Wird ein Befehl aus den Menüs Einführung, Lernen oder Üben markiert, zeigt die Statusleiste an, um was für einen Typ von Übung es sich handelt. Auch die Statuszeile kann mit Hilfe des Menüs Ansicht ein- und ausgeblendet werden.

Im ganzen erinnert die grafische Präsentation an den von Microsoft und anderen führenden Software-Herstellern vorgegebenen Standard. Zudem lassen sich Schriftgröße und -art sowie Tonsatzattribute und Hintergrundfarbe ändern. Über die zum Teil grelle Farbgebung läßt sich freilich streiten: Sie wird sicherlich, auch wenn sie dem Trend der Zeit entspricht, gerade von erwachsenen Usern, für die der Kurs ausdrücklich auch vorgesehen ist, als nicht unbedingt hilfreich empfunden.

4. Aufbau

Der Hexaglott Sprachkurs Englisch, der eine Multimediatechnik benutzt, die außer herkömmlichen Texten auf der Anwendung von Farbgrafiken, Ton und Video beruht, ist wie folgt aufgebaut:

Die bereits erwähnten drei Stufen gliedern sich in jeweils sechs Kapitel. Ein einzelnes Kapitel ist wiederum in sechs Lektionen untergliedert, wobei die jeweils letzte Lektion als Wiederholungslektion konzipiert ist. Die Lektion ist also der "Grundbaustein des Sprachkurses" (cf. Benutzerhandbuch, I, 3.2). Jede Lektion besteht aus einer Reihe verschiedener Übungen. Die Übung ist der kleinste Teil des Kurses, wobei jede Übung der besseren Übersicht wegen ihr eigenes Fenster besitzt. Jedes Übungsfenster kann wiederum bis zu vier Fenster enthalten, die "Segmente" genannt werden. Nur jeweils ein Segment kann im Übungsfenster aktiv sein. Die Segmente sind naturgemäß nicht sehr groß, so daß sich bei längeren Übungen bzw. größeren Bildern der Nachteil ergibt, immer nur Bruchstücke konkret vor Augen zu haben.

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Um das Material einer Lektion durchzuarbeiten, wird ein Zeitaufwand - verglichen mit dem Sprachunterricht einer Schule - von etwa vier (Schul-)Stunden veranschlagt (cf. ebd.). Bei Wiederbenutzung des Programms öffnet sich automatisch diejenige Lektion, an der zuletzt gearbeitet wurde.

Mit Hilfe des Fensters Öffnen kann man jederzeit den Aufbau des Kurses gut überschauen, da hier eine Liste der Lektionen aller drei Stufen angezeigt wird. (Der Stoff der jeweiligen Lektion ist allerdings nur verfügbar, wenn die entsprechende CD-ROM eingelegt ist.)

Ein Vorteil dieses Sprachkurses besteht sicherlich in der großen Vielfalt von Übungs-typen. Die Übungen sind generell in die beiden Gruppen "Lernübungen" und "Übungstests" aufgeteilt. Als erste Übung öffnet sich automatisch die sog. Lesson Information, die eine kurze Übersicht über die jeweilige Lektion bietet. Grundsätzlich gilt, daß das Übungsfenster stets in zwei Hauptbestandteile gegliedert ist: Der obere Teil ist immer eine Testanweisung, im unteren Teil ist der Test zu lösen. Bei Übungstests wird auch stets die zur Lösung benötigte Zeit angegeben. Die Gruppe der Übungstests ist in drei Untergruppen unterteilt: die Gruppe der Einzelübungen, der Aufnahmeübungen und der Übungen mit mehreren Fragen. Meistens bestehen die Übungsfenster aus Multimediasegmenten.

Die Gruppe der Lernübungen hat die Funktion, das jeweils neue Material einer Lektion vorzustellen. Hier ist mithin keine Beantwortung erforderlich. Allerdings wird das Material der Lernübungen in den Übungstests in aller Regel abgefragt.

Außer der bereits erwähnten Lesson Information umfaßt die Gruppe der Lernübungen folgende Typen:

  • Language Information: Diese Übung enthält Informationen über sprachliche und grammatische Inhalte der aktuellen Lektion
  • Phrase: Unter dieser Rubrik ist eine Liste wichtiger Tonsätze mit Beschreibung zu finden
  • Vocabulary: Hier sind die neu eingeführten und zu lernenden Wörter aufgelistet
  • Picture: Hier sind die Namen von Bildern mit Beschreibungen aufgeführt
  • Text: Dieser Übungstyp enthält zwei Multimediasegmente, die für längere Texte oder Informationen vorbereitet sind
  • Dialogue: Hier ist ein Dialog eingefügt.

In der Gruppe der Übungstests kommen die Einzelübungen, die immer nur aus einer Frage bestehen, am häufigsten vor. Die verschiedenen Übungstypen sind:

  • Chart: Hier sind die leeren Felder einer Tabelle auszufüllen
  • Cloze: Hier müssen die Lücken im Text ausgefüllt werden
  • Connection: Hier sind die Felder zweier Spalten miteinander zu verbinden
  • Identification: In diesem Übungstyp sind Wörter oder Sätze im Text zu markieren
  • Dialogue Insert: Hier müssen fehlende Aussagen eines Dialogs eingesetzt werden
  • Picture Labelling: Bei dieser Übungsart sind die leeren Beschriftungen eines Bildes auszufüllen
  • Jigsaw: Hier sind Textfragmente in der korrekten Reihenfolge anzuordnen.

Bei den Übungen mit mehreren Fragen muß eine Tastenleiste zur Fragenwahl benutzt werden, die z.B. anzeigt, ob die Frage beantwortet oder nicht beantwortet ist. Bei dieser Untergruppe gibt es folgende Typen:

  • Question: Hier muß auf vorgegebene Fragen geantwortet werden
  • Multiple Choice: Aus mehreren Möglichkeiten ist die richtige Antwort herauszusuchen
  • Dictation: Schreiben nach Diktat
  • Ordering: Wörter einzelner Sätze sind in die richtige Reihenfolge zu bringen.

Die Untergruppe der Aufnahmeübungen, von der es zwei Varianten gibt, verlangt jeweils eine Tonbandaufnahme. Die beiden Varianten sind:

  • Phrase Record: Hier müssen vorgegebene Sätze nachgesprochen werden
  • Dialogue Record: Hier muß die fehlende Rolle eines Dialogs aufgenommen werden.

Anders als bei den vorherigen Übungen kann der Computer die Aufnahmeübungen nicht überprüfen. Damit ist ein entscheidender Nachteil solcher Selbst- bzw. Fernlernkurse benannt, dem auch die Verfasser multimedialer Sprachkurse noch weitgehend hilflos gegenüberstehen, wie eine bezeichnende Formulierung im Benutzerhandbuch offenbart, wo es hierzu heißt: "Die Qualität Ihrer Aussprache können Sie später verbessern, wenn Sie sie mit der Stimme des Lektors vergleichen." (I, 5.5). Indirekt wird damit ja nicht nur eingeräumt, daß die Lernenden letztlich doch nicht ohne Lehrkraft auskommen; vielmehr wird das beim Fremdsprachenlernen äußerst gravierende Problem übergangen, daß die Benutzer sich im Eigenstudium u.U. eine falsche Aussprache angewöhnen, die im nachhinein nur sehr schwer zu korrigieren ist.

Freilich bietet auch der Hexaglott-Sprachkurs die Möglichkeit, die eigenen Sätze aufzunehmen und sie mit den vorgegebenen, übrigens stets von Muttersprachlern gesprochenen Aufnahmen zu vergleichen. Dazu dienen ja gerade die zuletzt genannten Übungstypen. Zudem gibt es noch das Hilfsmittel Tape Recorder, das nach Auffassung der Hersteller ganz gezielt zur Ausspracheübung eingesetzt werden soll. Im sog. Tonformmodus des Programms Tape Recorder wird mit einem Fenster gearbeitet, das zwei wellenförmige Kurven (kurz Tonformen genannt) enthält, die die graphische Darstellung des dazugehörigen Tons sind. Die obere Tonform stellt die Aufnahme des Native Speakers dar, die untere die des Learners. Im Benutzerhandbuch heißt es hierzu wörtlich (II, 4.6): "Die Grundidee des Programms Tape Recorder ist es, Ihnen die ursprünglichen Aufnahmen schwieriger Sätze vorzuspielen und Ihnen die Möglichkeit zu geben, Ihre eigene Version aufzunehmen und mit dem Original zu vergleichen. Ihr eigenes Ohr kann Aussprachefehler am ehesten entdecken, und durch Übung und Vergleich des Originals mit der Kopie werden Sie nach und nach Ihre Aussprache verbessern können." Es ist schon ein starkes Stück, wenn in dieser Weise - nur um die Mängel auch der modernsten Multimediatechnik nicht eingestehen zu müssen - die Tatsachen derart verdreht werden. Es braucht hier gewiß nicht weiter diskutiert zu werden, daß das eigene Ohr des Anfängers oder auch fortgeschrittenen Schülers die Aussprachefehler eben nicht am ehesten entdeckt. Das glatte Gegenteil ist der Fall! Und eine bloße graphische Darstellung der Aussprache hilft, wie auch der oben zitierte Hinweis der Verfasser auf einen Lektor beweist, zumindest bei der Korrektur der Feinheiten der Aussprache nicht sehr viel weiter. Übrigens wird mit dieser graphischen Tondarstellung ausdrücklich geworben: Sie ist sogar auf dem Cover der CD-Hülle abgelichtet!

5. Inhalt

Das umfassende Sprachmaterial für rund 450 Stunden intensiven Lernens kann hier natürlich nicht im einzelnen begutachtet werden. Grundsätzlich muß jedoch betont werden, daß der Sprachkurs keineswegs speziell für deutsche Lernende konzipiert ist. Die Inhalte nehmen also nicht speziell auf den (kulturellen) Erfahrungshintergrund deutscher Learner Bezug. Zu diesem entscheidenden Nachteil aus Sicht des deutschen Studierenden, dem somit oft die thematischen Anknüpfungspunkte bzw. Identifikationsmöglichkeiten fehlen, kommt ein weiterer hinzu: Die Textfassung, auf der der Sprachkurs beruht (Flying Colours, von Judy Garton-Sprenger and Simon Greenall, Heinemann Publishers Ltd. (Oxford) 1990-1992), ist offensichtlich schon älter. Es gibt z.B. eine Lektion (Level 3, Nr. 22), in der der ehemalige US-Präsident Carter abgebildet ist. Nun mögen erwachsene Studierende diesen Bezug ja noch einzuordnen wissen, sofern sie politisch interessiert sind; jüngere Schüler, für die der Kurs ja ebenfalls angepriesen wird, können erfahrungsgemäß mit solchen für sie schon Geschichte gewordenen Bezügen nicht mehr viel anfangen. Auch insofern fehlen die beim Fremdsprachenlernen so wichtigen Identifikationsmöglichkeiten, und es ist sicherlich kein Zufall, daß die Textfassung (jedenfalls nach den mir vorliegenden Informationen aus dem Buchhandel) schon nicht mehr lieferbar ist.

Andererseits ist einzuräumen, daß die Sachgebiete, die angesprochen werden, ausgesprochen vielfältig sind. Hier ein Auszug typischer Themen:

  • Modern Technology, Media and Communications (Level 1, Lessons 29/30; Level 2, Lesson 19; Level 3, Lesson 2)
  • Leisure Activities, Sport, Festivals, Tourist Information (Level 2, Lessons 2/25; Level 3, Lessons 19/25 and 26)
  • Geography, Environment, Climate (Level 2, Lessons 11/13; Level 3, Lesson 15)
  • Works of Art, Theatre and Plays, Love and Romance, A Story of Suspense (Level 2, Lesson 22; Level 3, Lessons 16/24 and 30)
  • The Press, Advertising (Level 3, Lessons 3/4 and 27)
  • Business and Finance, Jobs, Working Conditions, Standard of Living (Level 3, Lessons 6 - 9 and14)
  • Social Situations, Lifestyles, Homelife, Education, Health Services (Level 3, Lessons 5/10/12/13 and 29)
  • Politics and Government, Law and Order (Level 2, Lesson 27; Level 3, Lesson 22)

Die Sachgebiete führen in der Tat "in viele interessante Themen aus dem täglichen Leben und der Kultur aller Kontinente ein" (Handbuch, I, 2.2). Das mag, wie von den Herstellern beansprucht, motivierend wirken (zumindest sofern die Lerner landeskundlich bzw. politisch und nicht primär literarisch interessiert sind). Dennoch ist die im Benutzerhandbuch (I,1.1) vorangestellte Behauptung, daß das Lernprogramm "auf einen der weltbesten Englisch-Sprachkurse" zurückgreife, mit Vorsicht zu genießen; zumal sich bei der Umstellung der Textfassung auf Software12 der eine oder andere (Rechtschreib-)Fehler eingeschlichen hat. So passiert es z.B., daß "tree" statt "three" aufgeführt wird: typischerweise ein Fehler, der durch automatische Korrektur nicht aufzuspüren ist. Abgesehen von solchen, zumeist nicht gravierenden Fehlern ist das Sprachmaterial jedoch nicht nur was die Lexik angeht, sondern auch grammatikalisch und idiomatisch korrekt; die auf der Soundkarte gespeicherte Aussprache der verschiedenen (männlichen und weiblichen) Sprecher perfekt.

Im übrigen darf natürlich nicht vergessen werden, daß des dem Kurs in erster Linie (insbesondere auf den Stufen 1 und 2) um die Vermittlung von Grammatik geht, die von der Progression her umsichtig und im ganzen souverän präsentiert wird und dem Benutzer die Möglichkeit bietet, gemäß seinem individuellen Lerntempo fortzuschreiten. Hierin besteht ja ein ganz entscheidender Vorteil moderner multimedialer Kurse.

6. Zubehör

Außer dem Hauptprogramm enthält der Hexaglott Sprachkurs EuroPlus+ noch fünf weitere, eigenständige Programme, sog. Tools, von denen zwei, das Programm Tape Recorder sowie das Programm Browser, schon angesprochen wurden. Da die Toolprogramme in den meisten Fällen genauso wie das Hauptprogramm funktionieren, soll hier nur auf Grundsätzliches eingegangen werden.

Es handelt sich bei den Tools um "Hilfsmittel bzw. Werkzeuge" (cf. Benutzerhandbuch II,1), die unabhängig von der Hauptanwendung benutzt werden können. Sie können aufgerufen werden, indem man auf die Symbole in der EuroPlus+-Programmgruppe im Windows-Programmanager klickt oder die Befehle aus dem Menü Tools verwendet. Das Sprachmaterial der Tools ist zwar teilweise mit dem des Hauptkurses verknüpft, bezieht sich aber nicht auf ein bestimmtes Kapitel oder eine bestimmte Lektion. Dies ist ein nicht unbeträchtlicher Vorteil, denn auf diese Weise können die Toolprogramme jederzeit und unabhängig vom Hauptprogramm verwendet werden.

Der bereits kurz angesprochene Browser ermöglicht es, den Sprachkurs nach inhaltlichem und grammatischem Material zu durchsuchen. So kann man z.B. einen Übungs-typ oder auch einige vorgegebene Schlüsselwörter (wie beispielsweise Grammar, Vocabulary, Topic) auswählen, die sich auf bestimmte Übungsinhalte beziehen. Der Browser sucht dann alle gewünschten Übungen heraus und öffnet sie. Die Übungen können dann genau wie im Hauptprogramm benutzt werden.

Das Audio Dictionary umfaßt, in Listen gegliedert, alle Wörter des Sprachkurses. Jede Vokabel ist mit einer kurzen Übersetzung und einem erläuternden Text plus Beispielsatz versehen. Zudem ist jedes Wort als Tonaufnahme verfügbar. (Hierbei ist allerdings zu bedenken, daß nur der Ton für das Vokabular der jeweils im Laufwerk befindlichen CD zu hören ist.) Man kann im Dictionary nicht nur problemlos nach einem Wort suchen (mit Hilfe einer alphabetischen Indexleiste am oberen Rand des Programmfensters sowie einer komfortablen Suchfunktion), sondern ihm auch neue Wörter hinzufügen.

Außer dem bereits näher erwähnten Tool-Programm Tape Recorder (cf. oben, Abschnitt 4) gibt es noch die beiden Programme Spelling Teacher und Irregular Verbs.

Der Spelling Teacher ist insbesondere für den Anfänger relevant. Er kann benutzt werden, um das englische Alphabet zu lernen und die Fertigkeit im Buchstabieren zu verbessern. Er analysiert auch die häufigsten Buchstabierfehler. Er hat die Form eines einfachen Dialogfeldes und besitzt kein Menü. Die Buchstaben können durch Anklicken der entsprechenden Tasten auf der im Fenster "Spelling Teacher" angezeigten Tastatur auch hörbar gemacht werden. Durch drei Typen von Buchstabiertests kann die Buchstabierfähigkeit auch überprüft werden. Ein umfassender Testbericht listet z.B. auf, welcher Buchstaben am häufigsten falsch benannt wurde.

Das Tool-Programm Irregular Verbs stellt Listen nicht nur unregelmäßiger Verben, sondern auch unregelmäßiger Adjektive und Substantive zur Verfügung. Jedem Wort sind Beispielsätze zur Erläuterung seiner Bedeutung und idiomatischen Verwendung beigefügt. Außerdem besitzt jedes Wort eine Sprachausgabe.

Bis auf die mit den in Abschnitt 4 aufgeführten Einschränkungen für den Tape Recorder sind sämtliche Toolprogramme, insbesondere der Browser und das Audio Dictionary, in der Tat - wie das Benutzerhandbuch zu Recht betont - äußerst hilfreiche Werkzeuge.

7. Gesamturteil

Der Hexaglott Sprachkurs EuroPlus+ Flying Colours nutzt alle zur Zeit verfügbaren Medien. Bis auf gewisse inhaltliche Schwächen sowie die technisch bedingten Einschränkungen bei Einsatz des Toolprogramms Tape Recorder ist der Kurs, der sich insgesamt durch eine behutsame Lernprogression auszeichnet, für Anfänger und Fortgeschrittene, gerade auch für erwachsene Studierende zum Selbstlernstudium durchaus zu empfehlen.

Noch eher scheint er jedoch als begleitendes Arbeitsmaterial neben dem Unterricht z.B. der Schulen des Zweiten Bildungswegs, speziell der Abendreal- und Volkshochschulen, aber auch (in den Vorkursen bzw. der Einführungsphase) der Abendgymnasien und Kollegs geeignet: Zumal sich dann die Probleme beim Gebrauch des Tape Recorders nicht so gravierend auswirken würden; denn dann stünde ja in der Tat der im Handbuch erwähnte Tutor zur Verfügung, der die Aussprache der Lernenden ohnehin regelmäßig kontrolliert.

Ob die für diese Schulformen typische Klientel sich den nicht billigen Kurs jedoch leisten kann (von der Anschaffung einer aufwendigen Computeranlage ganz zu schweigen), ist allerdings zu bezweifeln. Idealerweise müßte der Kurs deshalb von der Schule für größere Benutzergruppen verfügbar gemacht werden13, die in Einzel- oder Partnerarbeit unter behutsamer Kontrolle der Lehrkraft gemäß ihrem individuellen Lernvermögen arbeiten und mit Hilfe eines solchen Kurses sicherlich Fortschritte machen könnten, die im herkömmlichen Unterricht speziell bei lernschwachen Gruppen nicht möglich sind.

Endnoten

  1. So Rüdiger Brandt in einer Rezension über CD-Ausgaben von Lexika in Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, 125. Bd., H. 3 (1996), Stuttgart: Franz Steiner Verlag, S. 330.
  2. Ebd., S. 330f.
  3. Ebd. S. 331.
  4. Ebd.
  5. Cf. ebd., S. 330.
  6. Ebd., S. 330.
  7. Ebd., S. 335.
  8. Brandt führt im einzelnen folgende Punkte auf:
    Qualität der Betriebs- und Gebrauchsanleitung
    Technische Zuverlässigkeit/Handhabbarkeit
    Materielle (und damit funktionale) Haltbarkeit
    Kontinuität der Lesemöglichkeit (neue Hard- und Software kommt immer schneller)
    uchmöglichkeiten
    Kopiermöglichkeiten (Zitattransfer von Textausschnitten in den eigenen Text)
    Druckmöglichkeiten einschließlich Zuverlässigkeit der Zeichensätze und automatischer Formatanpassung an den eigenen Text
    Beigaben zur Buchausgabe, sofern diese sinnvoll und zumindest nicht störend sind. (Cf. ebd., S. 336).
  9. So entfallen ja nicht nur, wie Brandt selbst hervorhebt (ebd., S. 336f.), für eine Rezension wie der hier intendierten ,die Kriterien `materielle Haltbarkeit' und `Kontinuität der Lesemöglichkeit'; das erste kann nur im Rahmen eines intensiven Dauertests überprüft werden; auf das zweite haben die Anbieter von CDs nur eingeschränkte Einflußmöglichkeiten." Auch die unter den Punkten ,Kopiermöglichkeiten" und ,Druckmöglichkeiten" aufgeführten Aspekte sind bei der Rezension eines Sprachkurses nicht sämtlich relevant.
  10. Ebd., S. 330.
  11. Ebd., S. 331.
  12. (die laut Benutzerhandbuch 1995, laut Angabe auf der Rückseite der CD-Hülle 1996 erfolgte und für die Young Digital Poland verantwortlich zeichnet)
  13. (was technisch ja kein Problem darstellt)

Rezensiert von Reiner Küpper. Jahr: 1997

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