Alfons Lernsoftware

Rezension: Alfons Lernsoftware Deutsch: 1. und 2. Schuljahr (Version 2.0)

Schroedel Schulbuchverlag GmbH

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Worum geht's?

ALFONS Lernsoftware Deutsch gehört zur ALFONS-Lernprogramm-Reihe, die es auch für die Unterrichtsfächer Mathe und Englisch gibt. Die Programme gelten ausschließlich als "Lernsoftware" und heben sich schon von ihrem Selbstverständnis her von sogenannter "Edutainment-Software" deutlich ab. So geht es bei ALFONS nicht darum, "Abenteuer" zu erleben oder spannende Aufgaben zu lösen. ALFONS kann vielmehr als "elektronisches Übungsbuch" verstanden werden, das für den Nutzer (im folgenden "das Kind") eine große Auswahl an Lektionen bereit hält.Das entsprechende Programm für das Fach Deutsch, hier in der Version 2.0 für das 1. und 2. Schuljahr, beinhaltet die Bereiche ABC (z.B. Ordnung der Buchstaben des Alphabets, Unterscheidung von Selbst-, Mit-, Um- und Doppellauten), Lesen (Leseübungen), Wortschatz (z.B. Abschreiben, auswendig Schreiben von Wörtern, die nach 6 bzw. 12 Sekunden verschwinden), Rechtschreibung (z.B. Übung zur Buchstabensynthese, Groß- und Kleinschreibung) sowie Sprachlehre (z.B. Übungen zu Wortpaaren, Satzarten und -zeichen).

Der  Ablauf der unterschiedlichen Übungen ist immer gleich und denkbar simpel: Hinter grauen Kästchen (die Anzahl läßt sich zwischen vier, neun und 16 wählen), die jeweils per Tastendruck oder Mausklick angewählt werden können, verbergen sich einzelne Fragen, die rechts auf dem Bildschirm erscheinen und nacheinander beantwortet werden müssen. Erst wenn alle Fragen gelöst sind, wird das Ergebnis eingeblendet. Ein fröhliches Gesicht steht dabei für eine richtig gelöste Aufgabe, ein trauriges Gesicht erscheint dann, wenn die Antwort nicht richtig war. In diesem Fall fordert das Programm dazu auf, die falsch beantwortete Frage erneut zu beantworten. Gelingt dies auch nach dem zweiten Versuch nicht, meldet sich ALFONS und gibt dem Spieler eine Erklärung, die beispielsweise für die Lektion "Buchstaben A bis Z" so aussehen kann:

»Du siehst am Bildschirm O_a. Nun mußt Du lesen und dort, wo die Lücke ist, den Laut "m" sprechen. Wenn ein richtiges Wort entstanden ist, dann paßt ein "m" hinein: Oma

Wenn's auch nach dem dritten Anlauf nicht klappt, liefert das Programm die richtige Antwort mit der Bemerkung: "So wär's richtig gewesen".

Die Übungen lassen sich beliebig zusammenstellen. Dazu kann aus einem Menü der Lernstoff ausgewählt werden; für manche Übungen gibt es sogar verschiedene Schwierigkeitsgrade. 

Bewertung

Die Arbeitsumgebung von ALFONS ist sehr nüchtern und einfach gestaltet. Bis auf die grauen Kästchen und die jeweiligen Übungsfragen gibt es auf dem Monitor nichts zu sehen. Gelegentlich werden auch einfache Bilder in Zeichentechnik eingeblendet, etwa bei Bilderrätseln. Kurzum: Bei jeder Übung ist der Bildschirmaufbau nahezu völlig identisch. Das kann den Nachteil haben, daß ALFONS - gemessen mit manch anderen Lernprogrammen (beispielsweise der COMLES-Familie von Cornelsen) - langweilig und trocken wirkt. Das mag gleichzeitig aber auch den Vorteil haben, daß durch die simple Programmgestaltung die Übungen zwangsläufig in den Mittelpunkt gerückt werden. Das Kind muß sich daher mehr oder weniger auf die Aufgaben konzentrieren. Die Möglichkeit (oder Gefahr), daß sich das Kind in irgendwelchen Spielereien verzettelt, die nichts mit den Zielen der Software gemeinsam haben, kann bei ALFONS von vornherein ausgeschlossen werden.

Erklärungen und Beispiele sowie die Hilfefunktion, die über ein rotes "Telefon" abgerufen wird, sind sehr kindgerecht gestaltet. Die Texte sind so formuliert, daß der Spieler das Gefühl haben kann, persönlich angesprochen zu werden. Allerdings ist in einer Lektion, Lektion "Selbstlaut oder Mitlaut", die sonst konsequent durchgeführte Großschreibung des Anredepronomens ("Du hast...") vernachlässigt worden - vermutlich ein Flüchtigkeitsfehler, der für ein Lernprogramm, das speziell für Schreibanfänger konzipiert wurde, allerdings nicht unerheblich ist.

ALFONS Lernsoftware Deutsch hat m.E. einen Schwachpunkt, der vor allem im Hinblick auf die aus fachlicher Sicht sorgfältige Programmgestaltung nicht sein dürfte (getestet wurde die etwas umfangreichere Version mit Schullizenz): Bei einigen Übungen reagiert das Programm nicht auf falsche Groß- und Kleinschreibung, wenn ein vollständiges Wort über die Tastatur eingegeben wird. So kann es vorkommen, daß sich ALFONS beispielsweise in "Leseübung und Rätsel" in der Übung "Was paßt nicht dazu?" auch mit "jUngE" (statt Junge) oder "HaUS" (statt Haus) zufrieden gibt. Etwas ernster wird das Problem dann, wenn statt eines einzelnen Wortes ein vollständiger Satz angegeben wird und das Programm beispielsweise die Variante "Ich brauche Einige Zeit" als richtig durchgehen läßt. Auch bei der "Einsetzübung" achtet das Programm nicht immer darauf, ob der fehlende Buchstabe, wenn er über die Tastatur eingegeben wird, groß oder klein geschrieben wird. Die Groß- und Kleinschreibung wird offensichtlich nur bei solchen Lektionen geprüft, die etwas stärker auf Rechtschreibung im Sinne von "richtig schreiben" abheben wollen (wie z.B. der Bereich "Rechtschreibung").  

Pädagogischer Nutzen?

ALFONS ist eine Lernsoftware und - wie bereits erwähnt - so etwas wie ein elektronisches Übungsbuch: sachlich, direkt und ohne Spielerei. Kritiker würden in ALFONS Lernsoftware ein Musterbeispiel für operationalisiertes Lernen sehen, dem behavioristische Lerntheorien zugrunde liegen. Dieser Einwand ist durchaus berechtigt. Es darf aber nicht übersehen werden, daß Üben nun einmal etwas mit "Pauken" und "Büffeln" zu tun hat - letztendlich geht es ja darum, bereits Gelerntes zu vertiefen, ja in gewisser Weise sogar zu automatisieren. Dies ist auch Ziel von ALFONS. Die Lernsoftware ist so angelegt, daß sie "von einem Kind oder mehreren Kindern selbständig angewendet werden kann", wie es in der Produktbeschreibung heißt. Es geht bei ALFONS keineswegs um die Vermittlung von Wissen, sondern um das Üben bestimmter Lerninhalte. Der Hersteller versteht seine Produkte "als Hilfe für die vielen Eltern, die ihr Kind gezielt unterstützen und fördern möchten". Der Lernstoff läßt sich frei wählen, das Lerntempo bestimmt das Kind selbst.

Doch die Tatsache, daß alle Übungen (das Programm Deutsch für die 2. Klasse enthält nach Herstellerangaben ca. 130 Übungen) immer nach demselben Schema ablaufen, könnte dazu führen, daß die Begeisterung schon nach einiger Zeit verschwindet. Technisch nutzt das Programm keineswegs die besonderen Fähigkeiten des Computers aus (man denke an multimediale Bestandteile), die letztendlich auch dem Lerneffekt zugute kämen - eine Sprachausgabe wäre zumindest für manche Übungen sicherlich sinnvoll. So gesehen leistet das Programm im Grunde auch nicht mehr als ein gewöhnliches Übungsbuch. Ein Bilderpuzzle, das ALFONS nach jeder abgeschlossenen Lektion als Belohnung bereit hält, kann sich das Kind sicherlich auch aus seinem eigenen Spielzeugschrank nehmen. Auch das "Melodienspiel", das alternativ gewählt werden kann, wird wohl kaum der "Renner" sein, für den es sich lohnt, die Lektionen durchzuackern.

Inhaltlich kann man das Programm als solide bewerten. Sicherlich gibt es Übungen, die für Erstkläßler möglicherweise etwas zu knifflig sein dürften (z.B. "Anzahl der Selbstlaute im Wort"). Doch im großen und ganzen erscheinen Aufgaben und Schwierigkeitsgrad dem durchschnittlichen Leistungsniveau und den schulischen Lernzielen von Primarstufenschülern angemessen.

Empfehlung

Abgesehen von den oben genannten Schwachstellen bezüglich der Groß- und Kleinschreibung ist ALFONS aus fachlicher Sicht gesehen ein solides Übungsprogramm. Es begnügt sich bereits mit einem AT 286 und einer Hercules-Karte - entsprechend nüchtern ist allerdings auch die Aufmachung der Lernsoftware. Da bleibt wahrscheinlich nur jenes Kind längere Zeit vor dem Rechner sitzen, das entweder "förderwillige" Eltern im Nacken sitzen hat oder so etwas wie eine "Einsicht in die Notwendigkeit des Lernens" besitzt - und wer hat das schon in diesem Alter? Wie gesagt: ALFONS ist ein "elektronisches Übungsbuch", das eigentlich nicht mehr leistet als ein gutes Buch in Papierform. Und als ausgesprochen preiswert kann man das Programm nun wahrlich nicht bezeichnen.

Hersteller

ALFONS Lernsoftware
Schroedel Schulbuchverlag GmbH
Hildesheimer Straße 202-206
30519 Hannover

Preis

  • Einzellizenz 1. Schuljahr: ca. DM 79,-
  • Einzellizenz 2. Schuljahr: ca. DM 79,-
  • Schullizenz 1. Schuljahr: ca. DM 295,-
  • Schullizenz 2. Schuljahr: ca. DM 295,-

Diese Hard/Software brauchen Sie:

  • IBM-kompatibler PC (ab AT 286)
  • Grafikkarte: Hercules, EGA oder VGA
  • 640 KB RAM
  • Maus (sehr empfehlenswert!) oder Tastatur
  • Festplatte
  • ab MS-DOS 3.3. Unter MS-DOS 6.0 mit aktiver Option "Double Space" sowie in Verbindung mit speicherresistenten Programmen können (laut Herstellerangaben) Probleme auftreten.

Pluspunkte:

  • sehr zahlreiche und sinnvolle Übungen, die sich beliebig zu einem Lernkatalog fassen lassen
  • einfache Bedienung durch Maus und Tastatur
  • setzt keine große Hardware voraus, was für vor allem für Schulen von Interesse sein könnte, die (falls überhaupt) nur über ältere Rechner verfügen
  • kindgerecht gestaltet

Nachteile:

  • sehr einfache und eintönige Aufmachung des Programms, die schon nach kurzer Zeit Langeweile aufkommen lassen kann
  • Preis-/Leistungsverhältnis erscheint nicht angemessen

Rezensiert von Sascha Reuen. Jahr: 1996  

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