Wort und Sprache. Beiträge zu Problemen der Lexikographie und Sprachpraxis

Langenscheidt Verlag (Hg.)

Berlin und München: Langenscheidt 1981

 

Dieses Buch wurde 1981 zum 125jährigen Bestehen des Langenscheidt-Verlags veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht das Wort als wichtigstes Element der Sprache. Außerdem wollte der Verlag mit diesem Buch auch Themen der Zukunft anreißen, um so zu zeigen, dass fortschrittliches Denken schon immer zu seiner Tradition gehörte. Das Buch gliedert sich in zwei Haupteile. Der erste Teil beschäftigt sich mit der Lexikographie und der zweite mit der Sprachpraxis. Die einzelnen Kapitel stammen jeweils von verschiedenen Autoren. Am Ende eines jeden Kapitels finden sich Literaturhinweise. Das Buch schließt mit Kurzbiographien der Verfasser.

Das erste Kapitel „Lust und Leiden an Wörterbüchern“ von Helmut Scheffel befasst sich mit Wörterbüchern und ihrem Nutzen. Es wird auf den literarischen Übersetzer eingegangen und die Frage geklärt, inwieweit dieser auf Wörterbücher angewiesen ist. - Das zweite Kapitel „Hilft der Computer dem Übersetzer oder vernichtet er seinen Arbeitsplatz?“ von Friedrich Krollmann beschäftigt sich mit dem Computer als Hilfsmittel für den Menschen bei der Übersetzung auf der einen Seite, aber auch als Gefahr einer möglichen Enthumanisierung des Arbeitsplatzes auf der anderen Seite. Die Entwicklung von der Wörterbuch-Datenbank bis zur vollmaschinellen Übersetzung wird aufgezeigt. - Das dritte Kapitel „Wörterbuch, Wörterbuchmacher, Wörterbuchprobleme“ von Walter Voigt geht auf die geschichtliche Wörterbuchentwicklung ein. Dabei werden Probleme aufgezeigt, die bei der Entstehung des Wörterbuchs auftreten können. Als Beispiel wird hier der riesige Wortschatz der Sprachen genannt, dem auch das größte Wörterbuch nicht gerecht werden kann. Weiterhin wird dem Leser ein Blick hinter die Kulissen des Langenscheidt-Verlags gewährt. - Das vierte Kapitel „Der Mikrocomputer als Dolmetscher“ von Anton Schmuck untersucht elektronische Übersetzungsgeräte, zeigt ihre Problematik auf und stellt deren zukünftige Entwicklung dar. - Das fünfte Kapitel „Erlebte Sprachen“ von Mario Wandruszka befasst sich mit den Wortfeldern „Lust“ und „Glück“.Es wird gezeigt, wie sich vergleichbares Erleben in verschiedenen europäischen Sprachen unterschiedlich ausdrückt. Sprache und ihre Bedeutung ist abhängig von der jeweiligen Situation.

Das sechste Kapitel „Nicht nur historische Anmerkungen zum Englischunterricht“ von Thomas Finkenstaedt ist das erste Kapitel zum Thema „Sprachpraxis“. Es geht ein auf die Geschichte der sprachpraktischen Ausbildung im 19. Jahrhundert im Vergleich zur Entwicklung des Langenscheidt-Verlags. - Das siebte Kapitel „Eine Sprache für Europa?“ beschäftigt sich mit einer Einheitssprache für Europa. Der Autor macht deutlich, dass eine solche Sprache weder „machbar noch wünschenswert“ ist. Es werden Daten zum Fremdsprachenbedürfnis von Industrie und Handel sowie von Individuen aufgezeigt. Zielvorstellung für den Autor ist ein vereintes, aber regionalisiertes Europa mit verschiedenen Sprachen. - Das achte Kapitel „Fremdsprachen in der Bundesrepublik Deutschland und Deutsch als Fremdsprache“ von Harald Weinrich beschäftigt sich ebenfalls mit der Vielsprachigkeit. Er stellt die Fremdsprachenpolitik der Bundesrepublik in Frage und geht auf die Bedürfnisse an Fremdsprachen und die zahlreichen Sprachlernwilligen in der Gesellschaft ein. Anschließend erläutert er die deutsche Sprache als Fremdsprache. - Das neunte Kapitel „Die Muttersprachen unserer Gastarbeiter“ von Heinz F. Wendt zeigt Eigenheiten des Neugriechischen, Serbokroatischen und Türkischen im Vergleich zum Deutschen. Durch die Analyse derer Grammatik kann man für Deutsch lernende Ausländer Bezüge zu ihrer Muttersprache herstellen und Brücken bauen, die das Erlernen erleichtern. - Das zehnte Kapitel „Der Feldzug gegen Babel“ von Paulo Ronai erläutert das Bestreben der Menschen nach einer allgemeinen Verständigung durch eine Universalsprache. Der Autor geht auf die Schwierigkeiten bei der Etablierung einer solchen Sprache ein. - Das elfte und letzte Kapitel „From World English to Semi-English“ von R. J. Quinault betrachtet konkrete Versuche, die englische Sprache in einer vereinfachten Form zur Einheitssprache zu machen. Diese werden untersucht und bewertet. Zum Schluss stellt der Autor heraus, das auch heute noch nach Wegen gesucht wird, die englische Sprache als Weltsprache durchzusetzen.

Das Buch bietet einen guten Einblick in verschiedene Themenbereiche der Lexikographie und der Sprachpraxis. Es ist leicht verständlich und aufgrund seiner Themenvielfalt auch recht interessant zu lesen. Da es bereits 1981 erschienen ist, sind manche Aussagen veraltet und teilweise auch nicht mehr richtig. Trotzdem überwiegt der Teil, der sich mit immer noch aktuellen und gut nachvollziehbaren Dingen befasst. Insgesamt halte ich das Buch für eine gute Anregung, sich intensiver mit Themen zu befassen, die einen näher interessieren.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Johanna Lange. Jahr: 2001

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