Wörter machen Leute. Magie und Macht der Sprache

Schneider,Wolf

6.Aufl. 1996. München: R.Piper GmbH & Co.KG (1.Aufl.1976)

 

Wolf Schneider, Jahrgang 1925, ist der meistgelesene lebende Stillehrer der deutschen Sprache. Von den siebzehn Büchern, die unter seinem Namen erschienen sind, beschäftigen sich fünf ausschließlich mit dem Thema Sprache. Für seine Arbeit als Journalist, Schriftsteller und Sprachkritiker erhielt er unter anderem 1994 den "Medienpreis für Sprachkultur" der Gesellschaft für deutsche Sprache.

In seinem vorliegenden Buch überwindet Schneider zwei Hürden der Sprachwissenschaft. Erstens, indem er Sprache und Sprachgebrauch der theoretischen Trockenmühle, die die moderne Linguistik für den Laien und automatisierten Sprachgebraucher darstellt, entreißt und in einen lebendigen Kontext stellt, in welchem er die vielschichtigen Bedeutungen von Wörtern erläutert. Zweitens, indem er Entstehung, Struktur, Funktion und Beeinflussungsmechanismen von Sprache in einem belletristischen Schreibstil mit wissenschaftlichem Anspruch ins Bewußtsein führt, in welchem sie schließlich durch die von Schneider herausgefilterten Nuancen dem Leser eine neue Sprachwelt und Gebrauchsmöglichkeiten derselben eröffnet.

Das Buch ist mit seinen 432 Seiten in acht Überkapitel, die sich wiederum in kleinere Unterkapitel unterteilen, und den Anhang gegliedert, wobei sowohl thematische als auch argumentative Überschneidungen betreffs der Kapitelthematiken den roten Faden des Buches bilden und Komplexität, aber auch Dialektik der Sprache als lebendige, pulsierende, sich ständig verändernde Größe menschlicher Kommunikation begreiflich machen.

Durchgängig läßt Schneider die Intelligenzia der Literatur, der Psychologie, Philosophie und natürlich der Sprachwissenschaften, von Heinrich Böll und Christian Morgenstern über Platon, Cassirer, Freud und Marx bis zu Noam Chomsky, zu Wort kommen und untermauert, belegt und veranschaulicht mit Hilfe vielfältiger Zitate die Erkenntnisse seines Buches.

Eine herausragende Literaturliste und ein Lexikon sprachwissenschaftlicher Begriffe ergänzen den Text und bilden so das systematische Handbuch als Dreingabe zur fesselnden Lektüre.

Grundsätzlich ist zu sagen, daß es Schneider tatsächlich gelingt, einen "Aha-Effekt" nach dem anderen beim Leser zu erzeugen, wenn es darum geht, ihm aufzuzeigen, was Sprache im Gebrauch von Politik, Werbung und natürlich im täglichen Umgang miteinander bewirken kann und welche Bedeutung sie deshalb für einen jeden hat. So ist Schneiders Buch auch als ein Aufruf zu einem bewußteren Umgang mit Sprache zu verstehen, weshalb die Moral von der Geschichte lautet: "Erst denken, dann reden."

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Sascha Kreklau . Jahr: 1996

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