Wie Texte wirken. Anleitung zur Analyse von journalistischer Sprache

Linden, Peter

Bonn: ZV Zeitungs-Verlag Service 1998

 

In vier Kapiteln gibt der Autor Journalisten und Redakteuren einen Einblick in eine mögliche Methodik der Textanalyse journalistischer Sprache. Er stellt dar, wodurch Texte wirken. Dabei beginnt er mit der kleinen Einheit "Wort", um im weiteren Verlauf zur nächst größeren Einheit, dem Satz, und schließlich zur Analyse ganzer Texte überzugehen. Alle Kapitel beginnen mit einer Kurzinformation zu den im Kapitel bearbeiteten Themen.

Das erste Kapitel " Wie Wörter wirken" beschäftigt sich ausschließlich mit der Wichtigkeit von Wörtern in einem Text. Es gibt Aufschluss darüber, wie zum Beispiel Klänge eine gewisse Stimmung beim Leser erzeugen und welche unterschiedlichen Assoziationen bei einem Wort ausgelöst werden können. Hierzu gibt er zahlreiche Beispiele ( vgl. S. 13 f. u.a.) und geht auch auf  sprachwissenschaftliche Probleme ein, die im journalistischen Beruf eine große Rolle spielen. Als Beispiel dafür nennt er das Wortfeld sagen, welches viele bedeutungsähnliche Wörter im Verbund hat (vgl. S. 19), und gibt unterschiedliche Differenzierungen wie die Antonyme wahr-unwahr, emotional-sachlich, laut-leise an. Des Weiteren geht er auf die Wortarten ein, wobei er feststellt, dass die am häufigsten genutzten Wörter Artikel und Partikel sind, die den Sätzen zwar eine Struktur verleihen, an sich selbst allerdings keine Bedeutung haben. Erst Verben sowie auch Adjektive bringen Bewegung in den Satz und machen den Text für den Leser interessant. Dies macht der Autor sehr anschaulich an einigen Beispielsätzen (vgl. S. 30-32) deutlich.

Im zweiten Kapitel geht der Autor auf die nächst größere Einheit der Sprache, die Sätze, ein. Zunächst gibt er eine unzureichende Definition von "Satz", um daraus die Frage ableiten zu können, wie ein Satz funktioniert. Das wird dann Gegenstand der folgenden Untersuchung sein. Es werden sieben Komponenten aufgezeigt, in denen der Satz als komplexes Gebilde zu analysieren versucht wird. Diese Komponenten sind: Satzperspektive, Satzlänge, Satzbau, Satzmodalitäten, Satzaspekte, Satzmängel und Strukturelemente, welche sehr anschaulich und eingehend vom Autor erklärt werden.

Das dritte Kapitel bietet einen Einblick in die systematische Analyse journalistischer Texte. Als Einstieg definiert der Autor  zunächst einmal die Aufgabe eines Journalisten wie folgt: Im Journalismus gehe es um die Abbildung von Wirklichkeit, ein Journalist müsse demnach ein schon vorhandenes Bild in einen linearen Text verwandeln und nicht selbst ein neues Bild kreieren (S. 61). Trotzdem bleibe die Faktenwahl subjektiv, da der Redakteur selbst recherchiere und Fakten auswähle, die er für erwähnenswert halte. Auch hier bedient sich der Autor wieder seiner aufzählenden Vorgehensweise, indem er, wie auch im vorherigen Kapitel, Texte in sieben Komponenten unterteilt, die er mit Beispielen aus diversen Zeitungen sinnvoll zu erklären weiß. Die Komponenten, die beachtet werden müssen, um den Einstieg in einen Text sinnvoll gliedern, planen und gestalten zu können, sind: Faktendiagramm, Darstellungsformen, Personendiagramm, Ortsdiagramm, der erste Satz, der erste Absatz und die Textstruktur.

Am Ende des dritten Kapitels zieht der Autor ein Fazit, in dem er das bisher Erläuterte nun in eine Beziehung zueinander setzt: "Wer seinen Text gut plant, hat Freiraum, semantische und syntaktische Mittel inhaltlich motiviert einzusetzen. Wer schlecht plant, benötigt die Sprache, um strukturelle Fehler auszugleichen" (S. 85). Dieses Fazit leitet geschickt zum vierten und letzten Kapitel "Exemplarische Textanalysen" über, welches einen sinnvollen Abschluss dieses Buches darstellt.

Dieses vierte Kapitel ist, anders als die vorherigen Kapitel, noch praxis- und anwendungsbezogener. Es fasst alles bisher Dargestellte abschließend sinnvoll in einigen beispielhaften Textanalysen noch einmal zusammen, indem die Beispieltexte mit Hilfe der bisher erarbeiteten Aspekte auf Textstruktur, Satzstruktur und Wortwahl untersucht werden. Somit stellt das letzte Kapitel einen passenden Abschluss des Buches dar, da es eine konstruktive Hilfe beim Erstellen eigener Texte bietet.

Insgesamt gibt das Buch eine Vorstellung davon, was sich hinter journalistischem Schreiben verbirgt. Der Autor konstruiert systematisch den Weg einer Anleitung zur eingehenden Textanalyse. Der Aufbau ist linear und gut strukturiert und findet einen passenden Abschluss im praxisorientierten letzten Kapitel. Die Sprache ist leicht verständlich. Fremdwörter werden vermieden, um störendem Nachschlagen während des Lesens vorzubeugen. Wichtige Aspekte sind als Merksatz oder Frage am Rand einer jeden Seite festgehalten. Dank der vielen Beispielsätze, welche farbig abgehoben sind, und der alltäglichen Beispiele aus Zeitungsartikeln ermöglicht das Layout dem Leser einen guten Überblick und dadurch ein schnelles Wiederfinden von Informationen.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Hannah Knopf. Jahr: 2002

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