Wie man Sprache (n) lernt.

Merten, Stephan

Frankfurt am Main: Europäischer Verlag der Wissenschaften, 1997

Merten gibt einen Überblick über die wichtigsten Theorien der Spracherwerbsforschung der Erst- und Zweitsprache von ihrem Anfang bis hin zu den neuesten Hypothesen. Er stellt ihre Entwicklung und die Wichtigkeit der Einbeziehung anderer Wissenschaften für die Spracherwerbsforschung dar. Zudem möchte er dem Leser praktische Anleitungen für einen erfolgreichen Sprachenunterricht an die Hand geben.

Das erste Kapitel "Wie der Mensch zu Sprache kommt: Fragen nach dem Ursprung beim Individuum und bei der Gattung" berichtet über die Versuche, Rückschlüsse aus der Ontogenese auf die Phylogenese zu machen. Herders Theorie wird erläutert, derzufolge Sprache nicht gottgegeben ist, sondern der Mensch sie selbstständig entwickelte. Zudem werden die Theorien Otto Jespersens dargestellt.

Im zweiten Kapitel: "Gehirn und Sprache" werden zunächst Aufbau und Funktionsweise des Gehirns sowie die Aufgaben seiner verschiedenen Bereiche erläutert, um auf die Lokalisationstheorien hinzuführen, die sich seit dem 19. Jahrhundert entwickelten. Von dort verweist es auf die jüngsten Forschungen über Konnektionismus und neuronale Netze.

Das dritte Kapitel "Spracherwerb und Evolution" behandelt sowohl Ernst Haeckels biogenetisches Grundgesetz  als auch Martin Braines Pivot-Grammatik.

"Erstspracherwerb", das vierte Kapitel, referiert die Theorien Jean Piagets (Spracherwerb und geistige Entwicklung des Menschen), Lew S. Wygotskis (Spracherwerb und soziale Entwicklung des Menschen), Eric Lennebergs (Spracherwerb und physische Entwicklung des Menschen), Burrhus F. Skinners (Spracherwerb als Verhaltenserwerb) und Noam Chomskys (Mentalismus und Spracherwerb).

Im fünften Kapitel "Zweitspracherwerb"  wird erklärt, dass über dieses Thema bereits seit dem 17. Jahrhundert geforscht wird, aber erst seit einigen Jahrzehnten intensiv. Merten stellt die wichtigsten Hypothesen (Kontrastivhypothese, Identitätshypothese, Interlanguage-Hypothese, Monitor-Theorie und Ergänzungstheorie) vor und bewertet sie anschließend.

Das siebte Kapitel "Sprachen in der Schule" hat die Wichtigkeit des interkulturellen Lernens, der interkulturellen Kommunikation sowie die Gedanken des Erziehungswissenschaftlers Wolfgang Klafki dazu zum Inhalt.
"Anregungen für den Unterricht", das achte Kapitel, befasst sich mit praktischen Beispielen für den Unterricht (Deutsch als Muttersprache und Deutsch als Fremdsprache).

Zum Schluss erklärt der Autor, dass der Sprachenlerner nicht nur die Formalien einer Sprache erlernt, sondern auch einen Einblick in die Kultur der Sprachgemeinschaft erhält. Zudem erwähnt er, dass die Sprachenerwerbsforschung heute noch viele Fragen offen lässt, insbesondere im Hinblick auf den Erwerbsprozess des konkreten Individuums.

Es folgen Literaturverzeichnis und Index.

In jedem einzelnen Kapitel stellt Stephan Merten die unterschiedlichen Theorien und Hypothesen chronologisch geordnet einander gegenüber und kommentiert sie anschließend. Er korrigiert sie teilweise mit den Argumenten der dargestellten neueren Theorien und Hypothesenn aber auch anhand seiner eigenen Ergebnisse.

Das Buch ist besonders geeignet für Leser, die sich einen schnellen Überblick über die Theorien der Erst- und  Zweitspracherwerbsforschung verschaffen möchten und/oder praktische Beispiele für die Gestaltung ihres Sprachunterrichts suchen. Die Theorien werden relativ kurz dargestellt, was einen groben Überblick ermöglicht. Wer sich aber ausführlich über die verschiedenen Forschungsrichtungen erkundigen möchte, wird die Darstellungen für zu kurz befinden.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Stephanie Soukarnou . Jahr: 2002

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