Wie das Kind sprechen lernt

Bruner, Jerome

Bern: Verlag Hans Huber 1987

 

Jerome Bruners Hauptanliegen ist es darzustellen, wie und wodurch das Kind Sprache und gleichzeitig die es umgebende Kultur erlernt. Das Phänomen Sprache kann daher nur unter Einbezug der Kultur verstanden werden, da Sprache und Kultur eng miteinander verbunden sind. Im Vorwort erklärt Bruner, dass er sein Interesse darauf richtet, wie kleine Kinder beim Spracherwerb unterstützt werden.

In den ersten beiden Kapiteln beschreibt er den Weg von der vorsprachlichen zur sprachlichen Kommunikation. Er geht hierbei von einer angeborenen Sprachbegabung aus. Bruner erklärt, dass die Sprachlernmechanismen (LAD) nur funktionieren können, wenn ein Erwachsener sich mit dem Kind in ein inszeniertes Ablaufmuster (z.B. Spiel) begibt. Dieses stellt eine Art Hilfssystem zum Spracherwerb (LASS) dar. Aus den Wechselbeziehungen zwischen Sprachlernmechanismen und Hilfssystem ergibt sich der Spracherwerb des Kindes.

Diese Wechselbeziehung wird anhand von zwei Fallstudien veranschaulicht, nämlich „Richard“ und „Jonathan“ – zwei Jungen, die der englischen Sprachgemeinschaft angehören. Hier richtet Bruner sein Hauptaugenmerk auf die Entwicklung des Verweisens/Bedeutens und des Bittens innerhalb der ersten beiden Lebensjahre. Er wählte den Übergangszeitraum von vorsprachlicher zu lexiko-grammatischer Kommunkation, da ab der Bewältigung dieses Prozesses die Konventionalisierung weitaus schnellere Fortschritte macht. Daher kann der Schritt zur sprachlichen Kommunikation auch als Schlüsselereignis bezeichnet werden.

Im letzten Kapitel werden die Ergebnisse der Fallstudien zusammengefasst und zusätzlich einige Aspekte genauer herausgearbeitet, insbesondere die Quellen für die Kontinuität von vorsprachlicher und sprachlicher Kommunikation.

Mit diesem Buch richtet sich Bruner sowohl an Experten als auch an interessierte Laien. Er verwendet nicht unnötig viele Fremdwörter und Fachbegriffe. Man sollte sich durch die klare Strukturierung und Sprache aber nicht dazu verleiten lassen, den Inhalt (inbesondere den des theoretischen Teils) als „leicht verdaubar“ abzutun. Denn jemand ohne Hintergrundwissen im Bereich der Sprachentwicklungspsychologie erhält viele neue Informationen, die erst einmal verarbeitet werden müssen. In diesem Fall hilft einem das Glossar schon ein Stück weiter. Hat man nach diesem Buch noch das Interesse, sein Wissen zu vertiefen, so sind die Anmerkungen hilfreich. Insgesamt fand ich dieses Buch sehr interessant, besonders durch die Fallstudien.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Britta Siebert. Jahr: 2001

Zurück