Was die Wörter uns verraten. Kleine Geschichten rund um die Sprache

Sanders, Willy

München: C.H.Beck'sche Verlagsbuchhandlung 2000

Anekdotische Episoden - kleine Sprachgeschichten am Rande der großen Sprachgeschichte - darum geht es dem Autor. Für ihn ist die allgemeine Sprachkultur menschlicher Gemeinschaften wie ein Spiegel ihrer Denkart und Bildung. Und genau diesen will er uns vorhalten; will uns eintauchen lassen in längst vergangene Zeiten mit ihren besonderen Sprachmerkmalen. Aber auch Versprecher, Dialekte, höfische Redensart und Alltagssprache werden uns näher gebracht. Oberstes Ziel ist es immer, möglichst vielen interessierten Menschen zu vermitteln, was Sprachwissen schafft. Viele Facetten der Sprache sollen auf einer Forschungsreise in die Sprache beleuchtet werden.

Im ersten Kapitel geht es denn auch um Sprache im Mittelalter; um Latein kontra altdeutsche Volkssprache. In kleinen Anekdoten erfahren wir viel über das Leben der Mönche und Gelehrten, über die Schwierigkeiten der Verschriftlichung und über die ersten Verständigungsprobleme. Fremdsprachenkenntnisse waren damals schon von Vorteil!

Weiter geht die Forschungsreise zu den Merkwürdigkeiten unserer Vorstellung von Rechts und Links. Darüber kramt der Autor längst Vergessenes und Hochinteressantes aus der Schatztruhe der Sprachgeschichte. Der Leser erfährt, welche historischen Bedeutungen in diesen kleinen, scheinbar unwichtigen Wörtchen mitschwingen.

Über einen kurzen Ausflug in die Dialektik kommen wir zu Höflichkeit und Etikette. Kaum haben wir die Troubadours und Minnesänger des Mittelalters kennengelernt, erleben wir auch schon den Untergang der privilegierenden Höflichkeit. Willy Sanders lässt uns aber nicht ohne die Kenntnis der sprachlichen Mittel, die das höfliche Reden entscheidend prägten, unsere Sprachreise fortsetzen.

Kurz - wie sollte es auch anders sein - behandelt er die Sprachkürze. Er verblüfft mit der These, dass unsere Bewusstseinsspanne drei Sekunden beträgt. Unter dem Titel "Versprecher, Verdenker und das Zungenspitzenphänomen" erklärt er uns, wie es zu den oft komischen Versprechern kommt oder warum uns schon mal ein Wort auf der Zunge liegt und wir es nicht aussprechen können.

Die Reise endet im Kapitel mit der humorvollen Überschrift: "Von der Leberwursteinfachheit zur Kaviartistik". Alltagssprache und Sonntagssprache kommen hier zu Wort. Dem Kapitel ist ein Zitat von Fritz Mauthner vorangestellt: "Die Sprache im geselligen Verkehr nähert sich im Wirtshaus, im Handel, im Krieg und im Liebeskampf der Leberwursteinfachheit. Sie nähert sich in der feinsten Salonkonversation hervorragender, geschätzter Leute dem Kunstwerk" (S. 111).

Die 142 Seiten, die das Buch umfasst, haben mir viel Neues verraten, das mich auch nach dem Studium des Buches zum Denken anregt. "Was die Wörter uns verraten" ist höchst interessant und trotzdem gut verständlich geschrieben. Es entführt uns auf eine Reise in die Sprache und letztendlich zu den Menschen, die sich der Sprache bedienen.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Gabriele David . Jahr: 2003

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