Was die Wörter uns verraten

Sanders, Willy

München: C.H. Beck Verlag 2000

Das vorliegende Taschenbuch des Sprachforschers Willy Sanders bietet eine unterhaltsame Einführung in die verschiedenen Themengebiete der Linguistik anhand von anekdotenhaft erzählten "Sprachgeschichten".

Im Vorwort macht der Autor deutlich, dass er sich mit diesem Buch durchaus auch an den interessierten Laien wendet, der nicht über sprachwissenschaftliche Vorkenntnisse bzw. den linguistischen Fachjargon verfügt.

In sieben Kapiteln versammeln sich hier amüsante und interessante Geschichten aus den Bereichen der Sprachgeschichte, der Etymologie, der Stilistik und der Psycholinguistik. So erfahren wir, nach einem Vorwort und einer kurzen historischen Einführung (1. Kapitel: "Sprachgeschichten – Sprachgeschichte"), einiges über die ausschließlich menschliche Problematik der Lateralität (Rechts-Links-Problematik; 2. Kap.: "Warum die Schafe zur Rechten und die Böcke zur Linken?") und was diese mit Linguistik zu tun hat. Weiterhin berichtet der Autor über die Entstehung und Vermischung von Platt- und Hochdeutsch (3. Kap.: "Missingsch – jenes halbe Platt"), was es mit der sprachlichen Höflichkeit auf sich hat (4. Kap.: "Höflichkeit im Wandel"), warum in Stilfragen in der Kürze die Würze liegt (5. Kap.: "Ein stilistisches Drei-Sekunden-Gesetz"), wann uns etwas auf der Zunge liegt (6. Kap.: "Versprecher, Verdenker und das Zungenspitzenphänomen"), was unsere Alltagssprache mit Leberwurst zu tun hat (7. Kap.: "Von der Leberwursteinfachheit zur Kaviartistik") und vieles mehr.

Diese allesamt sprachhistorisch durchzogenen Anekdoten eröffnen dem interessierten Leser einen Einblick in die Sprachwissenschaft und bieten einen Abriss der linguistischen Forschungsgebiete. Da die einzelnen Geschichten nicht immer zu Problemlösungen kommen, sondern in unterhaltsamer Verpackung lediglich dazu dienen sollen, Denkanstöße zu geben, bekommt man durchaus Appetit auf mehr. Dem als kleines Wortspiel im Vorwort geäußerten Anspruch des Autors, "möglichst vielen sprachlich interessierten Menschen zu vermitteln, was Sprachwissen schafft" (S. 14), wird das Buch also gerecht, jedoch mit der Einschränkung, dass es wie gesagt nur einen Abriss der breit gefächerten linguistischen Themengebiete bietet.

Allerdings neigt der Autor stellenweise zu sprachlichen Ausschweifungen, was vor allem im Kapitel über das "stilistische Drei-Sekunden-Gesetz" zutage tritt. Es scheint fast, als wolle er hier durch verschachtelte Sätze und hochfliegenden Schreibstil dagegen protestieren, dass, wie er schreibt, dem durchschnittlichen Leser von manchen Linguisten ein derartiges Kurzzeitgedächtnis nachgesagt wird, dass er einem Satz mit mehr als 12 Silben nicht mehr folgen könne. Durch diesen kleinen Fauxpas bestätigt der Autor selbst, wenn auch vermutlich unbeabsichtigt, dass unter sprachlicher Weitschweifigkeit zuweilen die Verständlichkeit leidet.

Im Großen und Ganzen aber ist "Was die Wörter uns verraten" eine empfehlenswerte und unterhaltsame Lektüre für alle, die sich für Sprache und Sprachwissenschaft interessieren.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Silke Schorra . Jahr: 2003

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