The study of language

Yule, George

2nd ed. Cambridge: Cambridge University Press 1985

 

Das vorliegende Buch gibt einen recht umfassenden Einblick in die Sprachwissenschaft. Es richtet sich in erster Linie an Studenten der Linguistik im ersten oder zweiten Semester, ist aber auch als Nachschlagewerk von Interesse.

"The study of language" behandelt zunächst die Entstehungsgeschichte der Sprache allgemein, ohne dabei explizit das Englische zu betrachten. Es werden die Voraussetzungen und die Einzigartigkeit der menschlichen Sprachfähigkeit veranschaulicht und die Unterschiede zu tierischen Lautsystemen aufgezeigt. Mit diesen einleitenden Kapiteln wird der Leser langsam in das Thema eingeführt; man hat nicht das Gefühl, von Beginn an mit nüchternem Lernmaterial bombardiert zu werden. Dies ist vor allem für die Lernmotivation eines Studienanfängers von Bedeutung.

Meiner Meinung nach ist dies der weitaus bessere Weg als jener, den etwa Volmert in seinem Buch "Grundkurs Sprachwissenschaft" beschreitet. Dort findet sich nämlich im ersten Kapitel eine komprimierte Zusammenfassung des Stoffes, der nachfolgend behandelt wird. Durch die enorme Anzahl von (anfangs absolut unbekannten) Fachvokabeln werden Erstsemester nur unnötig verwirrt.

Yule dagegen sorgt u.a. auch mit zahlreichen amüsanten Einleitungen am Anfang eines jeden Kapitels für ein recht entspanntes Lesen, wobei trotzdem die Komplexität des Bereichs Sprachwissenschaft nicht vernachlässigt wird (Fachtermini müssen halt gelernt werden). Auch sein Schreibstil allgemein ist nicht betont nüchtern; zwischendurch eingestreute Spitzen (britischen) Humors lassen nicht das Gefühl aufkommen, es hier mit einem trockenen Fachbuch zu tun zu haben.

Das Buch ist aber nicht nur stilistisch, sondern meiner Meinung nach auch inhaltlich gelungen und abwechslungsreich, da neben den phonetischen, morphologischen oder semantischen Aspekten der Sprache auch Randgebiete behandelt werden wie Zeichensprache, Fremdsprachenerwerb, Sprache in bezug auf Gesellschaft und Kultur.

Nachteile gegenüber dem Buch von Volmert sind hierin allerdings auch begründet. Dieser beschränkt sich auf weniger Kapitel (10 gegenüber 21 bei Yule), behandelt dafür aber die wesentlichen Kapitel wie Phonetik und Phonologie, Wortbildung, Morphologie, Syntax oder Semantik genauer und stellt detailliertere Aspekte dar als Yule. Durch die großzügigere Verwendung von Tabellen und anderen veranschaulichenden Abbildungen stellt "The study of language" dennoch das interessantere Werk dar, weil das Buch einerseits genügend ins Detail geht, um Studienanfängern einen ersten Überblick zu geben, und andererseits lernmotivierend gestaltet wurde.

Abschließend ist allerdings noch ein inhaltlicher Mangel zu erwähnen. Die Darstellung der menschlichen Laute im Kapitel 5 (The sounds of language) entspricht nicht vollständig dem Standard der International Phonetic Association. Um nicht unnötig Verwirrung zu stiften, sollte man hier (in der dritten Auflage) eine einheitliche Darstellung benutzen. Der insgesamt durchaus positive Gesamteindruck des Buches "The study of language" von George Yule wird hierdurch leicht beeinträchtigt.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Sascha Alexandrowicz . Jahr: 1997

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