The Principles of Language Study

Palmer, H. E.

Oxford: Oxford University Press 1965

 

Der Autor möchte in 17 Kapiteln eine Übersicht über Prinzipien und Methoden des Fremdsprachenerlernens geben, die dann in die Praxis umgesetzt werden sollen. Aus diesem Grund wurde es nicht in reiner Fachsprache geschrieben. Er selber hat jahrelang als Englischlehrer gearbeitet und so seine Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt.

Im ersten Kapitel "Our Spontaneous Capacities For Acquiring Speech" erklärt der Autor, dass Sprache eine Fähigkeit sei, die alle Menschen gleichermaßen erwerben können, ohne systematisch zu lernen. Er geht weiterhin darauf ein, dass diese Fähigkeit, Sprache zu erwerben, nicht nur auf die Muttersprache beschränkt ist, sondern dass zweite und dritte Sprachen genauso gut erworben werden können. Dabei erfolgt der Erwerb einer Zweit- und Drittsprache im Kindesalter sehr viel besser als im Erwachsenenalter (es sei denn, man ist als Erwachsener besonders sprachbegabt).

Das zweite Kapitel "Our Studial Capacities And How To Use Them" beschäftigt sich damit, dass es neben der "natürlichen" Fähigkeit, Sprache zu erwerben, noch Aspekte der Sprache gibt, die erlernt werden müssen. Beispielsweise das Schreiben, insbesondere Rhetorik oder das Übersetzen in eine andere Sprache. Diese Fähigkeiten müssen bewusst angeeignet werden, und zwar durch Analyse, Synthese und Konversion.

In "Why We Must Use Our Studial Capacities"  wird erläutert, dass man zunächst die gesprochene Sprache erwerben sollte, um erst danach die schriftliche Form zu erlernen. Im Fremdsprachenunterricht verhält es sich meist umgekehrt. Bei vielen Sprachkursen handelt es sich um Korrektur-Kurse, d.h. sie dienen in erster Linie dazu, schlechte Sprachgewohnheiten (z.B. englische Sätze nach deutschem Satzbau zu formulieren) abzubauen. Dies kann nur bewusst geschehen.

Im vierten Kapitel "The Student And His Aim" geht es darum, dass man, um einen Sprachkurs aufzubauen, zunächst wissen muss, für welche Schüler er gedacht sein soll. Der Schüler und sein Lernziel stehen also im Zentrum der Betrachtung. Schließlich ist es ein großer Unterschied, ob man die Sprachkenntnisse für einen Urlaub benötigt oder etwa für den Beruf (in der Hotelbranche, als Übersetzer etc.). Daher variieren die verschiedenen Kurse auch in ihrer Dauer. Natürlich ist es nicht möglich, für jeden Schüler einen individuellen Kurs anzubieten. Deswegen ist es nötig, die Schüler in Gruppen (für die es dann einen Kurs gibt) einzuteilen, die ihrem jeweiligen Lernziel am nächsten sind. Es ist auch sinnvoll, einen flexiblen Lehrplan zu erstellen.

Das fünfte Kapitel "The Supreme Importance Of The Elementary Stage"  versucht zu rechtfertigen, warum sich dieses Buch hauptsächlich mit den Anfangsstadien des Sprachelernens beschäftigt. Das Erlernen einer Sprache beruht sehr darauf, Gewohnheiten zu formen, und dabei ist natürlich dem Grundgerüst besondere Beachtung zu schenken, da es einfacher ist, eine Sache gleich richtig zu erlernen, als sie im Nachhinein zu korrigieren.

Im sechsten Kapitel "The Principles Of Language Teaching"  geht es darum, dass die Kunst, einen Sprachkurs zu gestalten, (zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Buches) noch in ihren Kinderschuhen steckt. Während andere Künste durch viele Versuche und Misserfolge bereits optimiert werden konnten, stand dieser Weg den Sprachkursen damals noch bevor. Des Weiteren werden einige Prinzipien genannt, die zur Gestaltung eines Sprachkurses von Wichtigkeit sind.

Das folgende Kapitel "Initial Preparations" erklärt zunächst, dass ein Schüler Sprache nicht als Wissenschaft, sondern als Kunst  betrachten sollte, da es dabei nicht um Wissen, sondern um Anwendung geht. Es gibt zwei Methoden, eine Kunst zu erwerben. Die eine beschränkt sich auf das Erlernen der Theorie, während die andere auf praktische Anwendung, nämlich auf einen Prozess der Nachahmung, baut. Letztere ist der natürliche Weg. Er erfordert (bei einem Erwachsenen) ein Wiedererwecken der brach liegenden (angeborenen) Sprachfähigkeit. Dies soll durch Gehörtraining, Übungen zur Aussprache und zur Nachahmung sowie durch Übungen zum sofortigen Verständnis und zum Bilden der richtigen Verbindung zwischen Wörtern und deren Bedeutung erfolgen.

Im achten Kapitel "Habit-forming And Habit-adapting" geht es darum, dass es vielen Erwachsenen schwer fällt, sich neue Gewohnheiten anzueignen. Statt zu lernen versuchen sie, Lücken durch Anwendung von Intelligenz zu füllen, weil sie sich vor eintönigem Wiederholen fürchten. Dies ist aber gar nicht nötig, da es viele Möglichkeiten gibt, das Erlernen einer Sprache interessant zu gestalten. Weiterhin ist es, außer in einem "korrigierenden" Kurs, nicht nötig, viel Zeit auf die Frage zu verwenden, warum ein fremdsprachlicher Satz so und nicht anders gebildet wird.

Das neunte Kapitel "Accuracy" behandelt, was Genauigkeit bzw. Richtigkeit in einem Sprachkurs bedeutet. Dazu muss zunächst der sprachliche Standard (z.B. Umgangssprache) des Kurses festgelegt werden, an dem sich die Schüler in der Folgezeit zu orientieren haben. Weichen sie von diesem Standard ab, werden korrigierende Maßnahmen des Lehrers erforderlich. Wichtig dabei ist, die Schüler nicht zu überfordern, z.B. sie nicht dazu zu bringen, einen ganzen Text in der Fremdsprache zu schreiben, bevor sie wirklich fit darin sind, Sätze zu bilden.

Das nächste Kapitel "Gradation" befasst sich mit sinnvollen Lernabschnitten eines Kurses. Da jede Stufe auf der vorhergegangenen aufbaut, muss sichergestellt werden, dass jeder Abschnitt hinreichend verstanden wurde, bevor man weiter geht. Hier gibt der Autor Hinweise, wie die Reihenfolge aussehen sollte.

Im elften Kapitel "Proportion" geht es um die vier Ziele, die sich die meisten Sprachschüler setzen, und die fünf Hauptaufgaben der praktischen Linguistik. Bei beidem ist es wichtig, alles zu gleichen Teilen zu behandeln und nicht die Wichtigkeit eines einzelnen Aspektes zu übertreiben. Darüber hinaus sollte auch bei Übungs- und Hausaufgaben darauf geachtet werden, keine Einseitigkeit aufkommen zu lassen.

Das zwölfte Kapitel "Concreteness" erläutert, dass die Schüler durch das Geben von Beispielen besser lernen als durch das Aufzählen von Regeln. Aus diesem Grund sollten zu Erklärungen immer möglichst einfache und anschauliche Beispiele gegeben werden. Darüber hinaus existieren vier Varianten des Lehrens von Wort- und Formbedeutungen: 1.) durch Assoziation, 2.) durch  Übersetzen, 3.) durch Definition und 4.) durch den Kontext.

Das folgende Kapitel "Interest" erklärt, wie wichtig es ist, die Schüler für das Fach zu interessieren, ohne jedoch die Qualität darunter leiden zu lassen. Auch unangenehme, weil nicht so spannende, Aufgaben müssen erfüllt werden. Um dies zu erreichen, gibt der Autor sechs Tipps, wie der Kurs dennoch interessant und qualitativ hochwertig bleibt.

In "A Rational Order Of Progression" macht der Autor darauf aufmerksam, dass es zwei unterschiedliche Ansätze zum Erlernen einer Sprache gibt. Der eine hat sich als veraltet und irrational herausgestellt; er hat sich hauptsächlich um die Theorie bemüht. Der neue Ansatz hingegen erreicht sofortige und dauerhafte Resultate und bringt einem bei, die Sprache tatsächlich anzuwenden.

Das 15. Kapitel "The Multiple Line Of Approach" macht deutlich, dass es sinnvoll ist, nicht nur einen Lehransatz anzuwenden. Stattdessen  sollte der Lehrer möglichst viele verschiedene Lehrmethoden einsetzen, sozusagen nach dem "eklektischen" Prinzip arbeiten, welches sich aus mehreren Methoden zusammensetzt, die auf dasselbe Ziel hinarbeiten.

Im letzten Kapitel "Memorized Matter And Constructed Matter" geht es darum, dass unser Sprachmaterial entweder eingeprägter Stoff ist oder ausgearbeiteter. Letzterer baut auf dem Wissen durch das eingeprägte Sprachmaterial auf, wobei es drei verschiedene Arten gibt, das Wissen praktisch umzusetzen (Grammatical Construction, Ergonic Construction, Conversion).

Dieses Buch ist in gut verständlicher englischer Sprache geschrieben. Auch ohne besondere Kenntnisse in der Linguistik zu besitzen, ist die Thematik nachvollziehbar. Da das Buch aber bereits in den 1920ern verfasst worden ist (1965 wurde es nur überarbeitet neu veröffentlicht), ist es jetzt z.T. veraltet und überholt. Aus diesem Grund gibt dieses Buch nur eine Übersicht über die Prinzipien des Spracherlernens aus historischer Sicht. Wenn man sich aber umfassend und zeitgemäß informieren möchte, sollte man lieber ein aktuelles Werk lesen.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Sabine Dimek. Jahr: 2002

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