Tendenzen in der deutschen Gegenwartssprache/ Sprachvarietäten

Braun, Peter

Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz: Kohlhammer 1987

 

Das Buch umfaßt 260 Seiten. Es ist in drei große Kapitel gegliedert. Im 1. Kapitel werden die Varietäten der deutschen Gegenwartssprache untersucht. Dazu gehören zum Beispiel die Standardsprache, die Umgangssprache, die Dialekte, die Fachsprachen und auch solche Erscheinungsformen wie Frauen- oder Männersprache oder die Sondersprachen der Jugend. In einem Unterkapitel werden die besonderen Merkmale der gesprochenen Sprache verdeutlicht. Außerdem vergleicht Braun die deutsche Sprache mit anderen europäischen Sprachen (z.B. dem Englischen und Spanischen) in Hinsicht auf die Flexion des Nomens und der damit zusammenhängenden Ausdrucksmöglichkeiten. In Bezug auf die Rechtschreibung widerlegt er die allgemeine Annahme, gerade die des Deutschen sei sehr kompliziert.

Das 2. Kapitel behandelt die Tendenzen in der deutschen Gegenwartssprache. Anfangs wird dieses Hauptthema des Buches konkretisiert, indem der Begriff "Tendenz" im Vergleich mit "Veränderung" und "Entwicklung" erörtert wird. Im folgenden werden die Tendenzen im Bereich des Satzes genau analyisiert. Hier geht es z.B. um die Kürzung der Satzlänge, der Satzstruktur (so den Rückgang des Satzgefüges und die Zunahme der Akkusativierung), um die Satzklammer, das Tempus und um die Aktiv-Passiv-Opposition. Der Autor gibt viele Beispiele und stellt Vergleiche mit anderen Sprachen an, so daß die Bedeutung der Änderungen in der Syntax anschaulich dargestellt wird. Ebenso genau und umfangreich behandelt Braun die Tendenzen im Bereich des Wortschatzes. Auf dieser Ebene finden die meisten Veränderungen statt. Auch hier führt er nicht nur die Art und Häufigkeit der Wortbildungen und Entlehnungen auf, sondern gibt wieder viele Beispiele und Erklärungen für die Ursachen der Veränderungen.

Das 3. Kapitel schließlich befaßt sich mit der Sprachgeschichte nach 1945. Es kommen hauptsächlich Schriftsteller und Sprachkritiker zu Wort, die sich aufgrund der geschichtlichen Verhältnisse auf ihre Weise mit der Sprache auseinandersetzen (W. Borchert, Th. W. Adorno,...). Daran anschließend wird das Verhältnis von Sprachwissenschaft und Sprachkritik dargestellt, so die unterschiedlichen Anliegen, die verschiedenen Methoden und die Kritik eines Sprachwissenschaftlers an der Sprachkritik.

Die Darstellung der Themen ist klar. Der Autor gibt viele Beispiele und Veranschaulichungen, die es auch Nicht-Linguisten ermöglichen, die Sprache als lebendiges System zu begreifen.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Annette Heining. Jahr: 1996

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