Sprachwissenschaft für den Unterricht

Hartmann, Wilfried/ Pütz, Hans-Henning/ Schefe, Peter

Düsseldorf: Schwann 1978

 

Dieses wissenschaftliche Buch soll weder eine Einführung in die heutige Linguistik darstellen noch verschiedene Unterrichtsinhalte analysieren, sondern es will lediglich über den gegenwärtigen Stand der sprachwissenschaftlichen Theorie informieren. Die einzelnen Kapitel können helfen, exemplarisch wissenschaftliche Prozesse in Andeutungen nachvollziehbarer zu machen und fachübergreifende Verbindungen zwischen wissenschaftlichen Disziplinen zu verdeutlichen. Das Buch ist so aufgebaut, daß es in der vorgegebenen Reihenfolge einen völlig zusammenhängenden Unterricht ermöglicht, wobei es ohne jede Schwierigkeit wörtlich übernommen und als Arbeitsmittel eingesetzt werden kann.

Vorbemerkung, Einleitung und Literaturverzeichnis umschließen vier thematische Kapitel.

Das erste Kapitel ("Sprache unter den Zeichensystemen") befaßt sich mit der Wissenschaft der Zeichen, der Semiotik. Der Verfasser (Hans-Henning Pütz) versucht, anhand von kleineren Texten und Beispielaufgaben einerseits darzustellen, worin eigentlich Zeichen bestehen und welche Gesetze sie regieren, und andererseits die Zeichenrelation und die Bedeutung der Zeichen als Kommunikationsträger näher zu erläutern. Dabei weist er im Besonderen auf die Aspekte der einmalig und gesetzmäßig verwendeten Zeichen, der Zeichen im Systemzusammenhang und schließlich auf die Leistungen der Zeichen hin.

Im zweiten Kapitel ("Der syntaktische Aspekt der Sprache") erfährt der Leser die Gesetzmäßigkeiten unseres sprachlichen Verhaltens, also die maßgebenden Regeln für das unmittelbare Produzieren und Verstehen sprachlicher Äußerungen. Unter diesen Gesichtspunkten erläutert der Verfasser (Peter Schefe) die syntaktische Struktur, außerdem ausgewählte sprachtheoretische Ansätze (von de Saussure, Skinner und Chomsky) und abschließend die generative Grammatik. Zur anschaulichen Darstellung und Erklärung der generativen Grammatik führt Schefe einige Unterpunkte an, die sich z.B. mit der Phrasenstrukturgrammatik, der Konstruktion, der Form und dem Inhalt der generativen Grammatik, dem Satzgefüge und der Transformation (Beziehung zwischen Sätzen und Wortketten) beschäftigen.

Das dritte Kapitel ("Der semantische Aspekt der Sprache") erläutert den Begriff der Semantik. Genauer geht es darum, wie man Formen Informationen über Inhalte entnehmen kann. Dabei legt das Buch besonderen Wert auf die Frage, welche Bedingungen die Bedeutung beeinflussen oder sogar verändern. Das können syntaktische Bedingungen (unterschiedliche Bedeutung von Satz und Wort), situative Bedingungen (außersprachliche Umstände), soziale und kulturelle Bedingungen einer Sprachgemeinschaft sowie subjektive bzw. individuelle Bedingungen der Sprecher sein.

Schließlich wird im letzten Kapitel ("Sprache unter den Aspekten Norm und Veränderung") auf den Begriff der Norm allgemein und dann auf die Norm und Normveränderung in der Sprache eingegangen. Speziell befaßt sich dieses kurze Kapitel mit der Entstehung und Veränderung von Normen am Beispiel der Fachsprache, wobei die Beziehung der Fachsprache zur Umgangssprache näher beleuchtet wird.

Das Buch insgesamt ist anschaulich strukturiert und meistens gut verständlich. Es hinterläßt beim Leser einen gewissen Eindruck eines Lehrbuches. Positiv läßt sich ebenfalls anmerken, daß die nach jedem Text angeführten Übungsaufgaben, die zur Reflexion und Diskussion gedacht sind, dazu anregen, sich noch intensiver mit dem Thema der Sprachwissenschaft auseinanderzusetzen. Sie können sehr gut als Arbeitsmittel im Unterricht eingesetzt werden. Problematisch ist jedoch die mangelnde Begriffserklärung. Der Leser muß ausreichendes Fachwissen mitbringen, um mit diesem Buch arbeiten zu können. Dann aber wird der Leser gut über den Begriff der Sprache informiert und darüber, wie sie aufgebaut ist, was ihre Form und ihre Inhalte sind und wie wir sie heute gebrauchen.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Katja Kniesa. Jahr: 1997

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