Sprachsituation und Sprachkultur im internationalen Vergleich. Aktuelle Sprachprobleme in Europa.

Scharnhorst, Jürgen (Hg.)

Frankfurt/M. u.a.: Peter Lang 1995

Wie kann man eine Sprachsituation analysieren, um daraus Schlussfolgerungen für die Sprachkultur zu ziehen? Diese Frage wird anhand unterschiedlicher Sprachverhältnisse erörtert, wie sie z.B. in Dänemark oder in der Schweiz vorzufinden sind.

Zu Beginn des Buches liegt uns ein Geleitwort von Dr. habil. Erika Ising vor. Sie ist Vorsitzende des Vereins zur Förderung sprachwissenschaftlicher Studien e.V. und beschreibt Sprachen als "Schlüssel zur Verständigung" (S.1). Dies gelte nicht nur in der Gegenwart, sondern auch zukünftig. Durch Sprachen können Individuen aller Nationalitäten miteinander kommunizieren. Dies festigt duale Beziehungen bis hin zu internationalen Beziehungen von Völkern. Des Weiteren werden Sprachen als "Ausdrucksformen menschlicher Kultur" (S.1) definiert. Schließlich enthalten Sprachen "das Wissen der großen welthistorischen Epochen" (S.1) und besitzen damit einen hohen Wert.

Im weiteren Verlauf des Buches werden dem Leser die Begriffe Sprachkultur und Sprachsituation nähergebracht.

Jürgen Scharnhorst stellt die historische Entwicklung der Sprachkultur vom 16. Jahrhundert bis zum 20. Jahrhundert in Auszügen dar. Italien im 16. Jahrhundert bildet die Ausgangssituation, da in dieser Zeit die Suche nach einer sprachlichen Norm von großer Bedeutung war. Ab diesem Zeitpunkt gab es viele Philosophen, welche für normative Grundzüge in ihren Landessprachen plädierten und an deren Entwicklung teilnahmen, wie z.B. Leibniz, der ein Wörterbuchprogramm aufstellte, oder der russische Aufklärungsphilosoph Lomonossov, der nach einer Literatursprache strebte.

Zum Begriff der Sprachsituation wird dem Leser folgende Definition dargelegt: "Sprachsituation ist die allgemeine gesellschaftliche Lage, in der sich die Sprache in einem bestimmten Land oder Territorium während eines bestimmten Zeitabschnitts unter gegebenen politischen, sozialen, ökonomischen und insbesondere kulturellen Verhältnissen befindet" (S.19). Die Sprachsituation gehört zur synchronischen Sprachwissenschaft und befindet sich damit in ständiger Entwicklung. Sie ist das Ergebnis eines "historisch-dynamischen Prozesses" (S.19).

Nach diesem kurzen Einblick in Sprache, deren Entwicklung und Auswirkungen werden verschiedene Sprachverhältnisse aufgeführt. Folgend werden die unterschiedlichen Sprachkulturen und Sprachsituationen verschiedener Länder dargestellt. Ein Beispiel wäre die viersprachige Schweiz, die das Deutsche, Französische, Italienische und Rätoromanische als Landessprachen besitzt.

Sprachinteressierten Lesern wird in diesem Buch ein gut lesbarer Überblick über verschiedene Sprachsituationen gegeben, wobei ihnen der Inhalt des Buches zusätzlich noch durch Grafiken und Tabellen nähergebracht wird.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Daniela Fischer (rstrothoff@t-online.de). Jahr: 2003

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