Sprachentwicklung im Kindes- und Jugendalter.

Kainz, Friedrich

München: Ernst Reinhardt Verlag 1964

Das 104 Seiten umfassende Buch verdeutlicht, wie Sprache sich im Verlaufe der kindlichen Entwicklung verändert.

Ausführlich werden im I. Teil die vorsprachlichen Erscheinungen, das Schreien, das Lallen und die Vorstufen des Sprachverstehens behandelt. Es wird beschrieben, wie das Kleinkind im Laufe seiner Entwicklung die Umwelt bewusst wahrnimmt, wobei Kainz argumentiert, das Kind habe eine angeborene Sprachbegabung.

Im II. Teil werden die Anfänge des Sprechens beschrieben. Es werden die Übergänge vom Lallen zum Sprechen verdeutlicht und sogar die einzelnen Lautgebilde interpretiert. Kainz bezieht sich hier auf Saussure, indem er argumentiert, dass das Kind zu Beginn entscheidende Züge der Wesens- und Leistungsstruktur der Sprache im Sinne von "Parole" erwirbt, bevor es später mit seiner Muttersprache, die dem Bereich der "Langue" angehört, in eine echtes und engeres Begegnungsfeld tritt. Das bedeutet, das Kind ahmt nicht mehr nur nach, sondern versteht jetzt auch, bewusst mit der Sprache umzugehen.

In den restlichen Teilen des Buches wird auf die weitere Entwicklung des Sprechens eingegangen. Es wird beschrieben, wie das Kind erste Sätze formt und wie es lernt, einzelne Wortklassen zu differenzieren.

Kainz beschreibt psychologische Grundlagen der menschlichen Sprache in psychologisch–linguistischen Begriffen. Er beruft sich häufig auf andere Psychologen und weist dadurch verschiedene Ansichten auf, die er auch teilweise kritisiert. Auch definiert er einzelne Begriffe und veranschaulicht die Sprachentwicklung in Tabellen, in denen er die einzelnen Lautgebilde aufführt und deutet, was sehr anschaulich für den Leser ist. Am Ende des Buches gibt er eine Zusammenfassung, in welcher der gesamte Inhalt nochmals kurz und bündig beschrieben ist.

Der Autor richtet sich mit diesem Buch an Experten und interessierte Laien. Für einen Leser, der sich im Bereich der Sprachentwicklungspsychologie nicht auskennt, werden allerdings viele neue Informationen ausgebreitet, weshalb ein Glossar hilfreich wäre. Natürlich ist aus heutiger Sicht zu bedenken, dass sich gerade die Erforschung des kindlichen Spracherwerbs in den vierzig Jahren, seit Kainz´ Darstellung erschienen ist, ganz erheblich weiterentwickelt hat.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Sarah Zeller. Jahr: 2003

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