Sprache: Wege zum Verstehen.

Adamzik, Kirsten

Tübingen: Francke (UTB) 2001

Adamzik möchte sowohl den Menschen, die ein ursprüngliches Interesse an Sprache haben, als auch denen, die sich aufgrund ihres Studiums mit Sprache beschäftigen, einen systematischen Einblick in die Linguistik geben. Das Buch soll allerdings nicht als typisches Arbeitsbuch dienen, sondern eher wie eine Art Nachschlagewerk benutzt werden. Es ist in 40 Kapitel unterteilt, wobei sich meist mehrere Kapitel unter ein Oberthema zusammenfassen lassen.

Zuerst informiert die Autorin über allgemeine Grundlagen der modernen Sprachwissenschaft. Sie beginnt mit den Ursprungsmythen der Sprache und erklärt dann die Ansätze Ferdinand de Saussures, des Begründers der modernen Sprachwissenschaft, indem sie beispielsweise grundlegende Begriffe wie langage, langue, parole, Synchronie und Diachronie näher erläutert. Im Anschluss daran zeigt sie, dass sich fast jede sprachliche Äußerung unter einer Vielzahl von Gesichtspunkten betrachten lässt, und macht deutlich, dass daher in der Linguistik verschiedene Teildisziplinen existieren, die die einzelnen Betrachtungsweisen sprachlicher Äußerungen möglich machen. In der Phonetik und Phonologie beispielsweise wird die Lautstruktur untersucht, wobei die Verschriftlichung der Lautfolgen in das Gebiet der Graphetik/Graphemik fällt. Darüber hinaus geht die Autorin auf die Semantik ein. Hierbei erläutert sie unter anderem sehr ausführlich, was es mit einem Synonym und der  Komponentenanalyse auf sich hat. Ein weiterer Aspekt, den Adamzik aufgreift, ist die grammatische Seite von Wörtern. Hier klärt sie beispielsweise Begrifflichkeiten wie Substantiv, Verb und Adjektiv und macht außerdem die Unterschiede, die die verschiedenen Wortfelder aufweisen, deutlich.  Weitere Themen bilden die Wortbildung und die Struktur komplexer Wörter sowie der Satz als grammatische Struktur. Abschließend geht die Autorin noch auf den Text und seine Entstehung ein. Es folgen Anmerkungen und Literaturverzeichnis.

Oftmals werden am Anfang eines Kapitels dem Alltag entnommene Sprachbeispiele angeführt, um dem Leser einen einfachen und anschaulichen Einstieg in die komplexen Themenbereiche zu ermöglichen. Um zu zeigen, dass die meisten Aussagen nur aus einem bestimmten situativen Zusammenhang heraus verstanden werden können, wählt Adamzik für ihre Erläuterungen beispielsweise das aus der Bild-Zeitung entnommene Zitat "Sie will keine Leuchte sein". Um diese Aussage richtig zu verstehen, benötigt man das Vorwissen, dass die Fernsehmoderatorin Verona Feldbusch gegen die Firma Ikea Klage erhoben hat, da sie mit der Idee, einer Lampe den Namen Feldbusch zu geben, nicht einverstanden war. Ohne dieses Vorwissen könnte die Redewendung "keine Leuchte sein" auch als "nicht klug sein" verstanden werden, wie sie umgangssprachlich gebraucht wird. In jedem Kapitel bilden, wie oben angesprochen, die Grundbegriffe des jeweiligen Bereiches den Leitfaden für die Erläuterungen der Autorin.

Das ganze Buch ist in einem leicht verständlichen Stil geschrieben, weshalb es mir gerade für Studienanfänger als geeignet erscheint. Durch die Vielzahl an Kapiteln sowie die zahlreichen Randbemerkungen eignet es sich gut als Nachschlagewerk. Zahlreiche Tabellen und Anschauungsbeispiele runden das Buch ab.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Barbara Merken. Jahr: 2002

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