Sprache und sozialer Wandel

Hartig, Matthias

Stuttgart: Kohlhammer 1981

 

Der Autor Dr. Matthias Hartig wurde 1947 geboren. Er lehrt als Professor an der Universität Paderborn Sprachwissenschaft und ist Lehrbeauftragter für Sprachsoziologie an der Universität Frankfurt. Er hat zahlreiche Bücher zum Thema Sprache und Gesellschaft veröffentlicht und beschäftigt sich besonders mit der angewandten Linguistik.

Die Sprachwissenschaft hat sich seit 1960 nur am Rande mit dem Wandel der Sprache beschäftigt. Dem Autor geht es in erster Linie darum, sich wieder diesem Thema zuzuwenden und zu zeigen, wie eng der Zusammenhang zwischen Sprache, ihrer Veränderung und dem sozialen Wandel ist.

Das Buch beginnt mit dem Ursprung der menschlichen Sprache, geht über die Anfänge der Entwicklung der Gesellschaft sowie die Verteilung der Sprachen in einer Gesellschaft, untersucht dann die Entwicklungstendenzen der menschlichen Sprachen und findet somit einen gelungenen Übergang vom Zusammenhang des Sprach- und Kultursystems bis hin zur Definition der wichtigsten Ziele der Sprachpolitik im Hinblick auf die Weiterentwicklung der Gesellschaft.

Hartig untersucht die Frage nach dem Ursprung der menschlichen Sprache, wobei er sich einerseits auf die Einzigartigkeit der menschlichen Sprache, andererseits auf ihre allmähliche Ent-wicklung aus tierischen Sprachformen heraus bezieht. Anhand mehrerer Beispiele zeigt er, daß sich die These einer allmählichen Hinentwicklung zur Sprache nicht bestätigt und sich nur eine weitere Entwicklung in der Sprache selbst feststellen lassen kann.

Über die Entwicklung der menschlichen Gesellschaften und ihrer sozialen Schichten, in denen die Sprache auch integrierenden Charakter hat, widmet er sich nun sehr ausführlich dem kulturellen Bereich. Wie bereits im Vorwort kurz angerissen beschäftigt er sich nun im letzten Kapitel mit dem Sprachwandel, der durch den Kontakt mit Fremden besteht. Dabei verändert sich ja nicht nur die Sprache des Fremden ( z. B. Flüchtlings, Einwanderers ) in dem für ihn neuen Land, sondern auch die Sprache in den Einwandererländern ( z. B. Amerika ). Durch das Akzeptieren der vielfältigen Kulturen vollzieht sich über Jahre hinweg ein stetiger Wandel der Sprache und auch ein Wandel im gesellschaftlichen Bereich.

Dem Autor ist es durch seinen klar gegliederten Aufbau und seine interessante Darstellung des Themas gut gelungen, den engen Zusammenhang zwischen Sprache und dem Wandel der Gesellschaft darzustellen. Der Text ist verständlich formuliert und erleichtert gerade dem Anfänger der Sprachwissenschaft den Einstieg in wissenschaftliche Bücher. Abschließend möchte ich es nicht versäumen, darauf hinzuweisen, daß dieses Thema gerade in der heutigen Zeit mit der Öffnung der Grenzen Europas an Aktualität gewinnt und der Weiterbearbeitung bedarf.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Martine Schatzmann. Jahr: 1996

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