Sprache und Logik

Patzig, Günther

Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1970

 

Es geht in dem Buch um Logik, Sprache und Wirklichkeit. Günther Patzig macht es sich zur Aufgabe, die Verhältnisse von Sprache & Logik, von Sprache & Wirklichkeit und von Logik & Wirklichkeit zu untersuchen. Er verfolgt das Ziel, Klarheit über diese in Beziehung stehenden Grundsachgebiete zu gewinnen.

Kapitel 1 "Sprache und Logik" beschäftigt sich einmal mit dem Begriff Logik und seiner Bedeutung und weiterhin mit der Beziehung zwischen Sprache und Logik. Es wird erklärt, dass bei der Untersuchung der Teil der "natürlichen" Sprache im Vordergrund steht, der auch "Verkehrssprache" und/oder "Umgangssprache" genannt wird. Nach der Aufzählung verschiedener Auffassungen von Logik kommt der Autor zu dem Schluss, dass "die Logik die Wissenschaft von wahren Aussagen" sei. Im nächsten Abschnitt gelangt Patzig ohne ausschweifende Erklärungen zu dem Fazit, dass man "Sprache beim Wort, aber nicht wörtlich nehmen soll." Der darauf folgende Abschnitt dient dazu, das Untersuchte zu verdeutlichen, indem das Ergebnis mit einer anderen Auffassung verglichen wird. Hierzu dienen Anmerkungen aus dem Buch "Der Aufbau der Sprache" von Bruno Snell. Snell ist der Auffassung, dass die logischen Mittel der Sprache nicht gedeutet, sondern ersetzt werden.

Im zweiten Kapitel wird versucht, in siebzehn Schritten die Beziehung zwischen Satz und Tatsache zu deuten. Als Ansatz dieser Untersuchung dient der Satz des Aristoteles: "Die Sätze sind entsprechend wahr, wie es die Dinge sind." Es werden zwei Möglichkeiten zur Interpretation genannt, und an Beispielen aus Kunst und Musik wird versucht, die Frage zu beantworten, was Sprache eigentlich ist. Am Ende des dritten Abschnitts kommt der Autor zu dem Schluss, das Sätze Tatsachen darstellen und das es ohne Sätze keine Tatsachen gebe. Tatsachen seien demnach sprachabhängig. In den weiteren Abschnitten wird dann die Fehlerhaftigkeit dieses Fazits behandelt. Es werden Beispiele angeführt, in denen Tatsachen genannt werden, die von niemandem ausgesprochen werden, z.B. "Jeder ist sterblich." Neben dem Problem der Tatsachendefinition werden die Wahrheit und Falschheit von Sätzen untersucht. Um dies zu verdeutlichen, werden mathematische Funktionen zu Hilfe genommen. Am Ende des Kapitels werden Tatsachen als erfüllte Wahrheitsbedingungen definiert. Überprüft wird diese Begriffserklärung anhand von Beispielen aus der Natur.

Das letzte Kapitel "Gottlob Frege und die logische Analyse der Sprache" zeigt in vier Abschnitten die wichtigsten Erkenntnisse des Philosophen Frege auf.  Frege war der Ansicht, dass alle Teilgebiete der Logik zu einer Theorie zusammengefasst werden könnten. Anschließend wird dargestellt, mit welchen Schritten Frege seine sogenannte "Begriffsschrift" erarbeitet hat. Wichtigster Schritt hierbei ist wohl die Unterscheidung zwischen Merkmalen und Eigenschaften und zwischen Begriffen erster und zweiter Stufe.  Als dritte Leistung wird Frege die Grundlegung der philosophischen Semantik, die auch heute noch aktuell ist, angerechnet. Das vierte Verdienst Freges ist die Überwindung des Psychologismus in der Logik. Auf Darstellung von Argumenten verzichtet Patzig hier. Am Schluss des Buches wird noch kurz angeführt, wodurch sich Freges Schriften auszeichnen.

Insgesamt bedient sich Patzig hauptsächlich philosophischer Argumente zum Begriff "Logik". Er stellt ausgesuchte Thesen einander gegenüber und versucht, diese dann Schritt für Schritt zu überprüfen. Dabei lässt er Theorien und Beispiele aufeinander aufbauen und ineinander übergehen. Das Buch bietet zwar einen guten Ansatz zur Erklärung der Begriffe "Logik und Tatsachen"; zumindest auf den Anfänger wirkt es jedoch durch das häufige Springen zwischen verschiedenen Theorien sehr schnell irreführend und verwirrend. Auf die Dauer ist es sehr anstrengend, den angeführten Gedankengängen konzentriert zu folgen. Durchweg geht das Buch eher philosophisch als sprachwissenschaftlich vor. Der Leser sollte daher über ein gewisses philosophisches Grundwissen oder zumindest ein gewisses Interesse verfügen, um dem Buch erkenntnistragende Informationen entnehmen zu können.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Pamela Henstra. Jahr: 2002

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