Sprache und Humor des Kindes

Helmers, Hermann

Stuttgart: Klett 1965

 

Hermann Helmers, Professor für deutsche Sprache und deren Didaktik, gliedert sein Werk in fünf Abschnitte, die jeweils auch in sich gut überschaubar strukturiert sind. Es geht um die  Erfassung der Struktur der kindlichen Sprache und des Lachens,  und zwar auf der Grundlage von mehr als 2000 sprachlichen Äußerungen von Kindern und Jugendlichen aller Altersklassen. Das Belachte wird seiner Motivation nach analysiert. Die Untersuchung der komischen Sprachverhalte fördert elementare Einsichten in die kindliche Sprachentwicklung zutage.

Der erste Abschnitt "Sprechen und Lachen" beschäftigt sich mit der Frage, wann und warum das Kind lacht. Hier geht Helmers auf die herkömmliche Betrachtung des Lachens beim Kind ein, auch unter Berücksichtigung des historischen Wandels. Am Ende des ersten Abschnittes veranschaulicht eine Skizze das Sprachfeld "lachen" in genetischer Anordnung.

Der zweite Abschnitt "Motive des kindlichen Lachens" sucht nach den verschiedensten Gründen dafür, warum ein Kind lacht. Der Autor stellt die These auf, dass das Kind aufgrund seiner differenzierten Betrachtungsweisen gegenüber seiner Umwelt zum Lachen angeregt wird. Dies kann durch sprachliche Fehlleistungen eines Dritten oder durch Witzketten geschehen.

Der dritte Abschnitt "Komische Sprachverhalte" bezieht sich auf sprachliche Veränderungen komischen Charakters. Dies geschieht zum einen auf rein sprachlicher Ebene, zum anderen auf der Ebene des Sinnhaften. im Gegensatz zum Erwachsenen findet das Kind meistens die Sprachveränderung komischer als die Sinnverschiebung.

Der vierte Abschnitt "Genese des Lachens" beschäftigt sich mit der Veränderung des Lachens und der Sprache im Laufe des kindlichen Lebens. Dies geschieht wiederum am Beispiel verdrehter Wörter und von Sinnverkehrung, wobei hier allerdings schon die Weiterentwicklung des jugendlichen Humors und Sprachverständnisses zu erkennen ist. Kinder finden es in erster Linie lustig, dass sich verdrehte Wörter witzig anhören, Jugendliche lachen über den verdrehten Sinn.

Der fünfte und zugleich letzte Abschnitt "Der kindliche Humor und das Lachen des Erwachsenen" stellt noch einmal genau den kindlichen Humor dar. Kindlicher Humor kann sich nur im Einklang mit muttersprachlicher Ordnung, Geborgenheit und Sicherheit entfalten. Nach der Pubertät minimiert sich der kindliche Humor, und auch die Einheit von Muttersprache und Lachen sind für den Jugendlichen nicht mehr von Bedeutung. Es entsteht ein völlig neues Verständnis von Humor.

Abschließend lässt sich sagen, dass Hermann Helmers mit diesem Buch eine gute Darstellung über "Sprache und Humor des Kindes" gelungen ist. Mit seinen vielen Beispielen ist es klar verständlich, anschaulich und eine interessante Informationsquelle zu diesem Thema.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Pia Weyers. Jahr: 2002

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