Sprache und Darstellungsform der Kinder. Eine Untersuchung an freien Aufsätzen

Krüger, Anna

Lahnstein: List Verlag 1974

 

Prof. Anna Krügers Buch „Sprache und Darstellungsform der Kinder“ behandelt aus einer Untersuchung heraus kindliche Gestaltungsformen aus der Schulpraxis, um die typischen Merkmale der einzelnen Entwicklungsstufen klar und eindeutig herauszustellen. Das Buch ist nach zwei Altersstufen (8 & 9 bzw. 9 & 10 Jahre) gegliedert, die jeweils noch spezifischer unterteilt werden. In der Einführung erläutert Anna Krüger, welche Materialien sie für ihre Untersuchung in Erwägung gezogen hat.

Erste Stufe (Das Gestalten der Acht- bis Neunjährigen): Zu Beginn der ersten Stufe wird ausgesagt, dass die sprachliche Gestaltungskraft eines achtjährigen Kindes ausreicht, um einen Abschnitt des Selbsterlebten herauszulösen und ihn durch erzählerisch sehr einfache, aber völlig kindgemäße Anfänge und Abschlüsse zu begrenzen. Anschließend schildert uns die Autorin die Ordnung im Erzählzusammenhang, die sich mit der Sprachgestaltung befasst, z.B. Haupt- und Nebensätzen. Daraus folgt die Erkenntnis, dass Kinder zu einer verkürzten Darstellungsform neigen, auch hier dienen einzelne Beispiele zur Verdeutlichung. Im Anschluss schildert sie die sehr konkrete und lebensnahe sprachliche Gestaltung. Als letztes beschäftigt sich Anna Krüger mit der positiven bzw. fortgeschrittenen Entwicklung innerhalb dieser Stufe, z.B. Sicherheit im Bilden von Sätzen, Rechtschreibung, Zeichensetzung etc.

Zweite Stufe (Das Gestalten der Zehn- bis Zwölfjährigen): In der zweiten Stufe schreibt sie über die Veränderung im Bewusstsein der Kinder, das nach Ausdruck sucht, denn den Kindern genügt nicht mehr nur das bloße Zum-Ende-Hinführen. Mittlerweile beenden sie ihre Erzählungen mit einem Gedanken über das Geschriebene. Des weiteren wird festgestellt, dass die Zehnjährigen das zeitlich richtig geordnete Erzählen beherrschen. Zudem sind die Kinder in eine neue, selbstständige geistige Ordnung ihrer Sprache hineingewachsen. Anhand von Beispielen schildert uns Anna Krüger die Verbreiterung der Darstellungsform. Das Streben nach Gegenständlichkeit und die Mehrschichtigkeit bezeichnet sie als Kennzeichen des Stils dieses Alters. Die Autorin schließt die zweite Stufe mit der Erkenntnis, dass Kinder in der Lage sind, ihre Gefühle durch Zustandsaussagen auszudrücken.

Insgesamt werden viele Aufsatzformen der Kinder beschrieben und beurteilt. Krüger bezieht sich auf einzelne Arbeiten von Psychologen und stellt diese in Bezug zu ihrer Untersuchung. Das Buch liefert aufschlussreiche Aspekte, die anhand der Beispiele bekräftigt werden.

Es ist sowohl für pädagogisch als auch für sprachwissenschaftlich Interessierte geeignet, da es auch eine andere Betrachtungsweise der entwicklungsbedingten Sprache der Kinder zeigen kann.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Ugur Sinoplu. Jahr: 2001

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