Sprache heute

Seiffert, Helmut

München: Beck 1977

 

Das sprachwissenschaftlich orientierte Buch ist unterteilt in ein Vorwort, eine Einleitung, drei Abschnitte und einen Anhang, in dem Literaturführer, Anmerkungen, ein Literaturverzeichnis sowie Zeichenerklärungen auftauchen.

Im Vorwort erläutert der Verfasser seinen Standpunkt zur Sprachwissenschaft und gibt zu verstehen, worauf er beim Schreiben des Buches geachtet hat. Dem folgt der Prolog, in welchem Kritik an der Linguistik geübt wird. Zu Beginn führt Seiffert ein Zitat Wandruszkas an. Oft sei Sprache dem Gegenstand nicht angemessen. Darüber hinaus setze sich meist eine bestimmte Auffassung von der jeweiligen Sache durch. Ein weiteres Zitat, diesmal von Baumgärtner, bezeichnet Sprache zum einen als Instrument der Kommunikation und zum anderen als vereinbartes System, nur zufällig durch Geschichte bedingt. Seiffert aber ergänzt diese Definition. Schließlich sei Sprache ein Kommunikationsmittel, welches nicht zwangsläufig die geschichtlichen Hintergründe außer Acht lasse. Zum Teil könne von dem jetzigen Zustand auf frühere sprachliche Gegebenheiten geschlossen werden. Infolge dessen hingen Sprache und Sprachentwicklung durchaus bewusst mit der Geschichte zusammen.

In der Einleitung dann wird die Frage "Was ist Sprache?" geklärt. Sie ist sowohl geisteswissenschaftlicher als auch mathematisch-sozialwissenschaftlicher Gegenstand und ein Spezifikum. Spezifikum bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Sprache und Inhalt häufig untrennbar sind. Denn es gibt Sätze, die trotz der gleichen Worte nicht gleichbedeutend sind. Grundsätzlich kann Sprache in akustische sowie optische Gebilde unterteilt werden. Sie hat sich im Laufe der Geschichte entwickelt. Bei Betrachtung dieser Veränderungen kann sowohl diachronisch als auch synchronisch vorgegangen werden.

Der erste Abschnitt befasst sich mit der Sprach-Elementarlehre. Im ersten Kapitel geht es um die Phonetik; d. h. die Sprechorgane, die Lautschrift, Vokale und Artikulationsart und -stelle werden behandelt. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Phonologie; also kommen das System der Phoneme und das Phonem als Elementarzeichen zur Sprache. Phoneme bezeichnen alle austauschbaren Lautvarianten, ohne Veränderung des sprachlichen Ausdrucks. Von ihnen gibt es im Deutschen über dreißig. Sie werden durch Phone gebildet. Hierbei gilt es zu beachten, dass alle Phone, die ein Phonem bilden, als Allophone bezeichnet werden. Im letzten Kapitel des Abschnittes wird die Morphologie behandelt. Sie unterscheidet Form und Inhalt voneinander. Die Formteile werden als Morpheme, die bedeutungstragenden Teile als Sememe bezeichnet. Monem lautet der Überbegriff dazu. Diese Einteilung wird jedoch nur selten verwendet. Nun kommt es zu einer Monem-Zerlegung. Außerdem wird die Flexionslehre erläutert. Suffixe, Präfixe oder auch Zusammensetzungen können neue Wörter bzw. Wortarten entstehen lassen. Dieser Aspekt taucht in dem Kapitel "Wortbildungs-Morphologie" auf.

Der zweite Abschnitt bezieht sich auf die Sprach-Semiotik. Es geht um Syntax als Beziehungen von Zeichen untereinander und Semantik als Bezeichnung von Zeichen und wofür sie stehen. Zudem gehört Pragmatik dazu, welche als Lehre von der Art und Weise, wie wir Alltagssituationen verstehen oder auslegen und sprachlich beantworten, bezeichnet werden kann. Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der traditionellen sowie mit der strukturalistischen Syntax, die in einem Gegensatz zueinander stehen. Darüber hinaus wird zwischen Wort- und Satzsyntax unterschieden. Im zweiten Kapitel wird Semantik behandelt, welche durch die logische Propädeutik begründet wurde. Auch die Lautmalerei und die darauf beruhende Motivation werden nicht außer Acht gelassen. Bei der Bezeichnung von Wörtern und deren Bedeutung ist zwischen Polysemie und Homonymie zu unterscheiden. Leisis Buch "Der Wortinhalt" ist von großer Bedeutung. Daneben werden auch die Sprachtheorien Whorfs und Chomskys erwähnt. Im dritten Kapitel wird die Pragmatik behandelt, d. h. die Lehre von der Art, wie wir Alltagssituationen verstehen und sprachlich beantworten. Hierbei zeigt Seiffert den Unterschied zur Sprachsoziologie auf, die er im dritten Abschnitt noch getrennt behandelt.

Im dritten Abschnitt geht es nämlich um Sprache in geschichtlicher und gesellschaftlicher Hinsicht. Das erste Kapitel zeigt, dass Sprache eine geschichtliche Dimension hat. Die Sprachgeografie, insbesondere Dialekte, werden im darauf folgenden Abschnitt behandelt. Im letzten Kapitel folgt dann die bereits erwähnte Sprachsoziologie, in der Fach-, Berufs- und Sondersprachen betrachtet werden.

Der Anhang dient zum besseren Verständnis. Zudem wird weiterführende Literatur genannt und teilweise kurz charakterisiert.

Dieses Buch will Sprachinteressierte, insbesondere Schüler, Eltern, Studenten und Lehrer, die sich mit Linguistik auseinanderzusetzen haben, in diese einführen und längerfristig Orientierung bieten. Bei seiner Argumentation greift Seiffert vergleichend auf vorherige Kapitel zurück, um Zusammenhänge deutlich zu machen. Auch nimmt er z. T. Aspekte vorweg, erwähnt aber, dass er später noch einmal näher darauf eingehen werde. Außerdem weist er darauf hin, dass er manche Dinge nur kurz behandeln wolle. Da der Verfasser nicht Fachwörter mit Fachwörtern erklärt, ist das Buch gut zu lesen und auch zu verstehen. Beispiele veranschaulichen seine Ausführungen und tragen zum besseren Verständnis bei. Insgesamt ist das Buch also gelungen, wobei ich jedoch z. T. prägnante Definitionen, beispielsweise für "Phonologie", vermisse.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Daniela Gammer. Jahr: 2002

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