Spanische Sprachgeschichte

Bollée, Annegret/ Neumann-Holzschuh, Ingrid

Stuttgart: Ernst Klett Sprachen 2003

 

Dieser Band gehört zur Reihe Uni-Wissen und ist hauptsächlich an Studierende des Faches Romanistik gerichtet, deren einzelne Titel Standardthemen des Studienfaches in übersichtlicher Form darstellen. Die Einführung in die spanische Sprachgeschichte vermittelt in 176 Seiten einen kompakten Überblick über die Geschichte der spanischen Sprache von der vorrömischen Zeit bis zur Gegenwart.

Die Autorinnen Annegret Bollée und Ingrid Neuman-Holzschuh sind Professorinen für Romanische Sprachwissenschaft. So geht diese Einführung aus Vorlesungen hervor, die in den Universitäten Bamberg und Regensburg von den Autorinnen gehalten wurden. Dabei handelt es sich um ein Novum: Es ist die erste spanische Sprachgeschichte, die in deutscher Sprache verfasst ist. Das Ergebnis ist also ein praxisgerechtes Studienbuch.

Das Werk besteht aus sechs Kapiteln, die chronologisch aufgebaut sind. Die Aufteilung basiert auf einer dreiphasigen Periodisierung der spanischen Sprachgeschichte:Altspanisch vom 1200 bis 1450, Mittelspanisch vom 1450 bis1650 und Neuspanisch vom 1650 bis heute. Die Kapitel 1 und 2 beschäftigen sich dementsprechend mit der Zeit vor dem Altspanischen, nämlich mit den vorrömischen Substraten und den Folgen der Sprachkontakte mit den Germanen und Arabern. Anschließend beschäftigen sie sich mit dem Latein und dessen Übergang zum Romanischen. Das dritte Kapitel beschreibt die Phase des Altspanischen bzw. des Kastilischen, was zunächst im historischen Kontext der Spanischen Reconquista und nachher der Regierungszeit Alfons des Weisen geschieht.Im vierten Kapitel wird die Phase des Mittelspanischen erläutert; hier werden die politischen Umstände beschrieben, wie die Vereinigung der Königreiche Kastilien und Aragón, die zum weiteren Ausbau des Spanischenund schließlich zum „Goldenen Zeitalter“ führten. Kapitel 5 stellt die Entwicklung des Neuspanischen dar von der Gründung der Real Academia Española bis zur nationalistisch repressiven Sprachpolitik Francos. Abschließendbefasst sich das sechste und letzte Kapitel mit dem Spanischen der Gegenwart, insbesondere mit den Folgen der Sprachgesetzgebung von 1978, welche die Förderung unterschiedlicher Sprachen mit dem Ziel eines gesellschaftlichen Bilingualismus in Spanienzubilligt.

Die Einführung richtet sich an Studenten, die sich einen ersten Überblick über die spanische Sprachgeschichte verschaffen wollen. Da hierbei der Schwerpunkt auf die externe Sprachgeschichte gelegt wird, d.h. auf die historischen und politischen Zustände, die den Verlauf der Sprachgeschichte beeinflusst haben, benötigt der Leser meistenskeine Vorkenntnisse der Fachtermini. Jedoch dort, wo auf die interne Sprachgeschichte eingegangen wird, muss der Leser über Grundkenntnisse in Morphologie und Phonologie des Spanischen verfügen, beispielsweise über die Lautschrift, ansonsten wird er wahrscheinlich nicht in der Lage sein, die Entwicklungen zu verstehen. Auch Bilder bzw. Landkarten (vor allem historische Landkarten) wären wünschenswert gewesen, vor allem, weil es sich um eine Einführung handelt. 

Besonders hilfreich finde ich den Aufbau des Werkes. Ergänzend zu den Kapitelüberschriftenbefinden sich am Seitenrand Überschriften der einzelnen Absätze. Dies hat einen doppelten Vorteil: Zum einem kann man sich vor dem Lesen der jeweiligen Kapitel einen groben Überblick dessen verschaffen, was auf einen zukommt, und zum anderen ist dadurch ein schnelleres Nachschlagen möglich. Dazu ist das Register im Anhang eine weitere Hilfe. Und wer seine Kenntnisse noch weiter vertiefen möchte, kann sich auf die umfangreiche Bibliographie freuen, die auf die wichtigsten Werke sowohl auf Spanisch, aber auch auf Deutsch und Englisch verweist. Insgesamt listet die Bibliographie ca. 260 Titel auf.

Alles in allem ist diese Einführung eine wichtige Stütze für die Studenten der Romanistik,die der spanischen Sprache noch nicht mächtig sind. Es ist bis auf einige Passagen leicht verständlich und aufgrund dessen entmutig die Einführung die Studienanfänger nicht, sondern regt sie vielmehr zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema an.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Bettina Thode. Jahr: 2005

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