Semantische Struktur und die Verarbeitung von Sätzen

Engelkamp, Johannes

Bern: Verlag Hans Huber 1973

 

In vierzehn Kapiteln untersucht Engelkamp, inwiefern die Verarbeitung von Sätzen von der lexikalischen Wortbedeutung beeinflußt wird.

Im ersten Kapitel („Einleitung: Hinführung zum Problem“) erläutert er die seiner Ansicht nach bestehenden Unzulänglichkeiten verschiedener Sprachverarbeitungstheorien, die der Syntax eine dominierende Rolle zuweisen und die Bedeutung der Semantik vernachlässigen. Im zweiten Kapitel stellt er Noam Chomskys Syntax-Theorie in Ausschnitten dar, wobei er wesentliche Punkte anhand von Beispielen erklärt. Im folgenden Kapitel über „Die Relevanz der Phrasenstruktur für die Satzverarbeitung“ werden verschiedene Experimente zur Satzverarbeitung vorgestellt. Aufgrund der Ergebnisse dieser Experimente wurden die Phrasenstrukturregeln zum Mittelpunkt einiger Satzverarbeitungstheorien. Zwei dieser Theorien behandelt das vierte Kapitel unter dem Titel „Psychologische Theorien der Satzproduktion“. Engelkamp legt dar, inwieweit diese Theorien mit den Ergebnissen der Experimente übereinstimmen. Im fünften Kapitel über „Die Bedeutung der Wortbedeutung“ zeigt er, wie Wörter nach ihren semantischen Merkmalen eingeteilt werden können. Dabei wird deutlich, dass es keine einheitliche oder objektive Methode zur Bestimmung der semantischen Merkmale gibt. Im anschließenden Kapitel „Von der Wortbedeutung zur Satzbedeutung“ erläutert der Autor, wie sich die Satzbedeutung aus der Kombination der semantischen Merkmale zusammensetzt. Des weiteren geht er auf die Rolle des Verbs im Satz und seine Beziehung zu den Satzteilen ein. Diese theoretischen Überlegungen werden im siebten Kapitel über „Die Konstruktion des Versuchsmaterials“ an Bespielsätzen überprüft. Im achten Kapitel über „Codiervorgänge und ihre Messung“ erklärt Engelkamp, welche Methoden zu dem Versuch geeignet sind, die Wirkung von semantischen Beziehungen zwischen Wörtern eines Satzes auf die Satzverarbeitung nachzuweisen. Im Anschluss daran formuliert er im neunten Kapitel die zu prüfenden „Hypothesen“, den „Versuchsaufbau und Versuchsablauf“ zeigt er im zehnten Kapitel. In den drei folgenden Kapiteln „Zum Einfluß der syntaktischen Struktur auf das Lernen von Sätzen“, „Vergleich der Befunde N und K“ und „Vergleich der Bedingungen V und K“ („N“, „K“ und „V“ stehen dabei für die im Experiment verwendeten Sätze) geht der Autor auf die Ergebnisse seines Experiments ein und stellt sie den Resultaten ähnlicher Versuche gegenüber. Das letzte Kapitel „Abschließende Diskussion“ weist auf Ziele der weiteren Erforschung der Satzverarbeitung hin. Es folgen eine Zusammenfassung, ein Literaturverzeichnis und Anhang.

Alles in allem erläutert Engelkamp die von ihm kritisierten Satzverarbeitungstheorien, indem er an Beispielen zeigt, wie sie funktionieren und ihre Stärken und Schwächen offenlegt. Diesen stellt er die von ihm entwickelten Theorien gegenüber. Das Buch gibt einen kleinen Überblick über verschiedene Theorien zur Satzverarbeitung. Obwohl die einzelnen Kapitel aufeinander aufbauen, ist es als Einstiegslektüre in dieses Thema wenig geeignet, da ein großes Fachwissen des Lesers vorausgesetzt wird.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Kristina Hesse. Jahr: 2001

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