Semantik - Eine Einführung

Palmer, Frank

München: C.H. Beck 1977

 

Dieses Buch erschien als "Semantics - A new outline" erstmals 1976 im Verlag "Cambridge University Press". In einer kurzen Einleitung klärt Palmer zunächst die Definition des Begriffs "Semantik" und deutet auf die Schwierigkeit hin, den Begriff "Bedeutung" (in Bezug auf die Semantik als Bedeutungslehre) präzise zu bestimmen. Er möchte mit dem Buch möglichst eine Vielzahl von Themen und Herangehensweisen erläutern.

Im ersten Kapitel untersucht er zunächst das Wort "Bedeutung" und nennt verschiedene Situationen, in denen es benutzt wird. Ferner geht er auf die Rolle der Semantik in der Sprachwissenschaft ein und gibt einen kurzen Überblick über die Geschichte der Semantik und der sogenannten vergleichenden Sprachwissenschaft und ihre Begründer. Wichtig ist Palmer die Unterscheidung zwischen gesprochener Sprache und Schriftsprache (insbesondere hinsichtlich prosodischer und paralinguistischer  Merkmale). Am Ende des Kapitels geht er auf die Bedeutung der Semantik in anderen Wissenschaften, z.B. in der Philosophie und in der Psychologie, ein.

Im zweiten Kapitel werden wichtige Begriffe der Semantik, wie z.B. "Vorstellung", "Sinn" oder "Referenz", geklärt und von verschiedenen Seiten beleuchtet. Hier spielen u.a. die Zeichentheorie von de Saussure und das semiotische Dreieck von Ogden und Richards eine Rolle. Palmer erläutert die interpersonale oder soziale Bedeutung von Sprache und wendet sich dagegen, Kommunikation als reine Informationsvermittlung anzusehen. Unter "Referenz" versteht er die Beziehung zwischen der Sprache und der nicht-sprachlichen Welt, unter "Sinn" die Beziehungen innerhalb der Sprache.

In Kapitel drei wird die Bedeutung des nicht-sprachlichen Kontextes eines Satzes behandelt und im weiteren Verlauf speziell auf den Begriff "Situationskontext" eingegangen, welcher besonders mit dem Anthropologen B. Malinowski und dem Linguisten J. R. Firth in Verbindung gebracht wird. Palmer geht anschließend auf den Behaviourismus ein, welcher die Bedeutung vollständig auf der Basis der Situation klären will.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit der Sinnrelation und definiert klassische semantische Begriffe wie Synonymie, Polysemie/Homonymie, Hyponymie und Antonymie.

Im fünften Kapitel wird der sprachliche Kontext untersucht, speziell die Theorie von Firth, die besagt, man könne ein Wort an seiner Begleitung/Kollokation erkennen. Außerdem untersucht er die Kollokation in idiomatischen Wendungen.

In Kapitel sechs wird die Bedeutung im Satz diskutiert, insbesondere die Projektionsregel, die sich mit den Bedeutungen der lexikalischen Einheiten im Satzzusammenhang befasst. Ferner erklärt Palmer das Prädikatenkalkül, welches das Verb als relationales Merkmal eines Satzes sieht. Des Weiteren führt Palmer den Unterschied zwischen analytischer Wahrheit (ein Satz, der logisch ist und analytisch nur wahr sein kann) und der synthetischen Wahrheit an (eine Aussage/ein Satz, der sich nur auf Beobachtungen beruft und nicht auf die Definition seiner Wörter).

Kapitel sieben untersucht die Bedeutung grammatischer Elemente in der Semantik, speziell den Status der Grammatik im Verhältnis zum Lexikon und zur Semantik, außerdem die grammatischen Kategorien, die in direkter Beziehung zum situativen Kontext stehen, und klärt Begriffe wie "Transitivität" und "Kausativität", die Palmer für die grammatisch-semantische Struktur von Sätzen als relevant erachtet.

Das achte und letzte Kapitel behandelt Fragen, die die Sprachwissenschaft in den frühen 1970er Jahren besonders beschäftigt haben. Dazu gehört die Kasus-Theorie von C. J. F. Fillmore, welche die semantischen Probleme der Kategorien Subjekt und Objekt betrachtet, sowie die Arbeit des Philosophen J. L. Austin, der zwischen konstativen und performativen Aussagen unterscheidet. Im Anschluss geht der Autor auf Präsuppositionen ein. Es handelt sich hierbei um die Annahme des Sprechenden, dass der Empfänger des Satzes ein bestimmtes Vorwissen besitzt, um die Aussage zu verstehen und richtig zu interpretieren.

Das Buch bietet einen sehr weiten und ausführlichen Überblick über die Semantik und versucht, sie unter möglichst vielen Gesichtspunkten zu behandeln. Der Autor betrachtet und vergleicht die Theorien verschiedener Wissenschaftler und beurteilt sie teilweise kritisch.

Dadurch kommt es oft zu sehr langen Beschreibungen und Erklärungen, die einen Anfänger mitunter zu Verwirrungen führen können. Für einen kurzen und präzisen Überblick über die Semantik ist das Buch deshalb weniger geeignet. Auch die Gliederung könnte übersichtlicher sein, die Überschriften eindeutiger.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Birthe Stolz. Jahr: 2002

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