Reden lernen

Berthold, Siegwart

Frankfurt am Main: Scriptor 1993

 

Der Autor wagt einleitend die Vermutung, daß in der Praxis wohl "die Anleitung zum Reden nicht immer mit der wünschenswerten Effizienz" erfolge, was wohl zum Teil auch auf geringe sprachwissenschaftliche Kenntnisse zurückzuführen sei.

Im Mittelpunkt des Buches steht das Bemühen, Redeängsten zu begegnen und zu einem freien und unverkrampften Sprechen zu führen. Berthold gibt hierzu sowohl sprachwissenschaftliche Hintergrundinformation als auch methodische Hinweise.

Gerade die Übungen für Anfänger und Fortgeschrittene wissen zu überzeugen. Selbst die Themen, die die Teilnehmer zum Argumentieren ermutigen sollen, klingen sehr plausibel: Der Autor greift auf juristische Streitfragen zurück und knüpft darin an die Gerichtsrede an. Selbstverständlich sind die Anforderungen an die Unterrichtenden schon bei Übungen wie diesen sehr hoch.

Berthold empfiehlt ausdrücklich nur kurze, positive Kommentare zu den Redeversuchen der Teilnehmer, um ein freundliches und hilfreiches Klima zu erzeugen, weiterhin aber sollte man die angestrebten rhetorischen Fähigkeiten selbst zeigen. Die vorgestellten Modelle, die zumeist zum Vergnügen der Sprecher und zur Auflockerung im Rahmen eines umfassenden Konzeptes gegen Redeangst konzipiert sind, lesen sich äußerst interessant.

Mit Modellen wie denen von Berthold schließt der Bereich des rhetorischen Sprechens zu der mittlerweile zunehmend stärkeren Berücksichtigung spielerischer Momente im gesamten mündlichen Sprachgebrauch auf.

Es verbindet sich somit auch mit den neueren Ansätzen im Literatur-, aber auch Phonetikunterricht, in denen schon seit Ende der 70er Jahre die kreative Handlungsorientierung beherrschendes Thema geworden ist.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Christoph Löhrmann

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