Psycholinguistik. Eine Einführung

Wode, Henning

Ismaning: Max Hueber Verlag 1993

 

Dieses Buch ist aus Vorlesungen entstanden, die Henning Wode an der Universität Kiel gehalten hat. Er möchte unterschiedliche Theorien, Methoden und Ergebnisse der Spracherwerbsforschung zu einer einheitlichen Spracherwerbstheorie zusammenfassen. Dabei betrachtet Wode das Sprachenlernen als einen sehr komplexen Vorgang, der von vielen Faktoren beeinflusst wird. Sein Ziel ist es, die menschliche Sprachlernfähigkeit aufzuzeigen und die Entwicklung und Veränderung dieser Fähigkeit im Laufe des Lebens eines Menschen abzubilden.

Die Gliederung umfasst ein Vorwort, gefolgt von einem Abstractum, in dem der Autor Inhalt, Aufbau und Ziele seines Buches kurz darlegt. Es schließen sich drei Hauptteile mit zusammen dreizehn Kapiteln an. Wode schließt sein Buch mit einem Nachwort und dem Anhang.

Teil A dient als Einführung in das Gebiet der Spracherwerbsforschung. Zentrale Fragestellungen und Methoden werden vorgestellt. In Kapitel 1 grenzt Wode die unbewusste und die bewusste Art des Lernens voneinander ab. Zentraler Begriff dieses Kapitels ist der des "Inputs". In Kapitel 2 wird ein kurzer historischer Rückblick auf die Entwicklung der Spracherwerbsforschung gegeben, und verschiedene Spracherwerbstypen werden vorgestellt.

Verschiedene Ansätze zur Erklärung von Spracherwerb und Spracherlernen sind Thema des dritten Kapitels. Kapitel 4 behandelt die biologischen Voraussetzungen für die menschliche Sprachlernfähigkeit. In Kapitel 5 führt Henning Wode die wichtigsten Grundbegriffe zur Beschreibung von Sprachlernprozessen ein und erläutert diese. Kapitel 6 stellt schließlich Methoden zur Beobachtung und Auswertung von Lernprozessen vor.

In Teil B lenkt Wode den Blick auf den Spracherwerb aus der Perspektive des Lernenden. In Kapitel 7 werden zunächst die Anfänge des Spracherwerbs und dessen vorsprachliche Entwicklung aufgezeigt. Kapitel 8, 9 und 10 sind jeweils separate Abhandlungen über das Erlernen von lexikalischer Bedeutung und Wortbedeutung (Kapitel 8), den Lauterwerb (Kapitel 9) und den Erwerb syntaktischer Regeln (Kapitel 10).

In Teil C schließlich geht es um die Steuerung und Steuerbarkeit des Spracherwerbs. Es sollen diejenigen Faktoren bestimmt werden, die die sprachliche Entwicklung eines Lernenden beeinflussen. Wode unterscheidet dabei zwischen dem Einfluss sprachlicher Faktoren (Kapitel 11), dem Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen des Sprechers (Kapitel 12) und dem Einfluss sozialer Faktoren (Kapitel 13).

Das Buch gibt einen guten Überblick über die Psycholinguistik. Der Autor selbst bemerkt in seinem Vorwort, dass zum Verständnis des Buches keine detaillierten linguistischen Vorkenntnisse erforderlich seien. Dies stimmt insofern, als die wichtigsten Fachbegriffe erläutert werden und auf bereits Erläutertes häufig in den Folgekapiteln noch einmal näher eingegangen wird. Um eine bloße Einführung in das Gebiet der Psycholinguistik zu sein, ist das fast 400 Seiten starke Buch jedoch größtenteils zu detailliert. Für einen Neuling auf dem Gebiet der Psycholinguistik, der eine Einführung in diesen Themenkomplex sucht, würde ich daher ein abstrakteres und eventuell auch aktuelleres Buch empfehlen.

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Sabrina Johann. Jahr: 2000

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