Politische Sprachberatung als Symbiose von Linguistik und Sprachkritik

Roth, Kersten Sven

Tübingen: Niemeyer 2004

 

In seinem Buch „Politische Sprachberatung als Symbiose von Linguistik und Sprachkritik“ führt der Autor Kersten Sven Roth eine politische Sprachkritik auf der Basis der linguistischen Sprachkenntnisse durch, welche die Defizite der politischen Kommunikation offen legen soll, mit dem Ziel, diese durch qualifizierte Beratung auszugleichen, sowie die Bedeutung der Linguistik im gesellschaftlichen Rahmen darzustellen. Qualifizierte Beratung könne durch Journalisten nicht gewährleistet sein. Stattdessen rät der Autor zur Beratung durch Linguisten.

Nach Roth dient die Linguistik als Mittel zur Analyse von Kommunikationsdefiziten hinsichtlich des moralischen Aspektes, der als Begründung für das Normative an Roths Sprachkritik sowie Sprachberatung genannt wird. Die Adressanten Roths Angebots der Sprachberatung stellen in erster Linie Nicht-Spitzenpolitiker dar, also jene, denen keine Journalisten zur Verfügung stehen. Des Weiteren richtet sich die Sprachberatung nur an diejenigen Politiker, welche im Rahmen des Gemeinnützigen agieren, deren Schwerpunkt also durch Verantwortung geprägte Kommunikationshandlungen sind.

Zu kritisieren ist, dass eine genauere Beschreibung der Adressanten und die Begründung Roths Konzeptes hinsichtlich dieser ausbleibt. Des Weiteren macht Roth für den Leser nicht ersichtlich, warum die sprachliche Beratung durch Linguisten und nicht durch Journalisten stattfinden soll.
Roth kritisiert das gespielte Auftreten und „sich in Szene setzten“ von Politikern vor laufender Kamera. Die politischen Absichten und Ziele würden dadurch völlig in den Hintergrund gerückt und für die Wähler undurchsichtig gemacht.
Dieses in gewisser Weise machtstrategische Verhalten setzt der Autor mit der Rhetorik (Sprachwissenschaft) in Verbindung, wobei sich sein Augenmerk sich speziell auf den Vergleich von Gerichtsrede (klassische Rhetorik) und Medienkommunikation richtet. Bei der Gerichtsrede sowie bei der Medienkommunikation spielt die Überzeugung oder Überredung, im ersten Fall des Richters und im zweiten Fall des Publikums oder der Wählerschaft, die zentrale Rolle. Der Redner verfolgt die pragmatische Funktion, das Belehren. Dieser Gedankengang erscheint sehr plausibel. 

Weiterhin rät Roth, der Sprachgebrauch der Politiker solle sich am Publikum orientieren, d.h. für die Gesamtheit verständlich sein. Darin lässt sich das oft diskutierte und allseits bekannte Phänomen der Verständigung zwischen Experten und Laien erkennen, sowie die Machtausübung seitens der Experten auf einem bestimmten Gebiet durch das Verwenden von Fachsprache. Des Weiteren empfiehlt der Autor die Distanzierung von der Selbstdarstellung seitens der Politiker (expressive Dimension). Die Ausführungen zu diesem Thema sind aufgrund seiner Bekanntheit  etwas zu ausführlich geraten.

In einem anderen Schritt stellt Roth die Diskriminierung von Migranten dar. Es handelt sich hier nicht um die absichtliche, sondern um eine unabsichtliche Diskriminierung mittels politisch unkorrekter Sprachverwendung. Schwierig nachvollziehbar ist jedoch der darauf folgende Argumentationsgang, der keine klare Linie erkennen lässt.

Insgesamt betracht stellt Kersten Sven Roth in seinem Text „Politische Sprachberatung als Symbiose von Linguistik und Sprachkritik“ einige interessante und anschauliche Thesen sowie Vergleiche auf. An anderen Stellen wirkt der Argumentationsgang jedoch etwas konfus und ist somit für den Leser schwer nachvollziehbar.


 

 

Rezension aus dem Essener Grundkurs Sprachwissenschaft.
Rezensiert von Cornelia Casaretto. Jahr: 2008

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